Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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PFREIMD C.7.

I.

Ca. 1130 Phrime, 1156 Phrimede, bald nach 1301 Pfreim, Anf. 14. Jh. auch Pfreimd. Benennung nach dem Namen des gleichnamigen Flüßchens P. (kann auf sorb. pri-, bei, dicht an und mut-, getrübte Flüssigkeit bezogen werden - also evtl. »Nebenbach mit trübem Wasser«). Die Res. (Wasserburg) befand sich am Rand der Stadt in einer weiten Talniederung. Die Lgf.en von Leuchtenberg (seit Ende des 15. Jh.s Rfs.en) erwarben 1322/32die Wasserburg P. mit Zugehörungen von den Hzg.en von Niederbayern (→ Bayern) (Lehensauftragung an → Pfalz 1366). Im Verlauf des 14. und 15. Jh.s, insbes. nach einer Landesteilung der Leuchtenberger von 1366, entwickelte sich die ältere Wasserburg mit kleinem Dorf zur leuchtenberg. Stadt und Res. P. - D, Bayern, Reg.bez. Oberpfalz, Landkr. Schwandorf.

II.

Burg und Siedlung entstanden auf einer leichten Erhebung in weiter Talniederung an dem Flüßchen P., das unweit in die Naab mündet, an einer im Naabtal verlaufenden N-S-Durchgangsstraße. Die Burg und die spätere Stadt wurden von der P. umflossen, Stadtgräben wurden von der P. gespeist. Mehrere Fischteiche sicherten den Ort zusätzl. ab. Um 1300 bestand bei der Wasserburg ein Dorf (villa) mit einem Burglehen, zwei Fischereien, einer Mühle und sieben Hofstellen. Aus diesen Anfängen hat sich im 14. Jh. die Stadt P. entwickelt. Die gezielteFörderung durch den Lgf.en Ulrich II. wird 1372 faßbar. Allen neu Zuziehenden sowie den bereits Ansässigen wurde damals eine sechsjährige Abgabenfreiheit eingeräumt, wenn sie sich zu P. niederlassen und bauen wollten. P. wird hier bereits einmal als Stadt bezeichnet. Doch ist kein kgl. Gründungsprivileg überliefert. Ulrich II. setzte mit dieser Maßnahme nach der Landesteilung von 1366 eine zuvor gemeinsam mit seinem Bruder Johann I. betriebene Politik der Markt- und Stadtgründungen fort. Dabei fehlte in Ulrichs II. Landesteil zunächst, abgesehen von dem peripher gelegenen Betzenstein, eineähnl. Symbiose von Burg und Stadt, wie diese bei der anderen Teilherrschaft mit Burg und Stadt Pleystein schon gegeben war. Die von Ulrich II. nun in P. geförderte Verbindung von Burg und Stadt in einer Tallage war wohl noch günstiger gewählt als im Falle Pleysteins. Die sichere, aber für eine Stadtgründung ungünstig gelegene Höhenburg Leuchtenberg befand sich in ca. 15 km Entfernung und damit in noch erreichbarer Nähe.

1399 wird eine Ummauerung erwähnt. Der Ort - er wird im weiteren bis 1491 wieder als Markt bezeichnet - hatte etwa eine Ausdehung von ca. 250 m von Tor zu Tor sowie ca. 120 m in N-S-Richtung (230 m unter Einschluß der Burg) erreicht. 1399 gab es bereits weitere Hofstätten außerhalb der Mauer (sog. Freyung). 1431 verlieh Kg. → Sigismund an Lgf. Leopold für P. vier Jahrmärkte. Über bestimmte Handwerkszweige und Kaufleute in P. ist nichts bekannt. Auch das Stadtrechtsprivileg von 1497 nennt nur Brauen und Schänken, Fleischbänke und Kramläden. Die Fischwirtschaft, auchhier hervorgehoben, besaß einen gewissen Stellenwert. Es bestanden drei Mahlmühlen in P. sowie ein 1365 erstmals belegter Eisenhammer (1588 in eine Mahlmühle umgewandelt). Seit 1514 betrieben die Lgf.en eine Münze, die im Schloß untergebracht war. 1517 suchte Lgf. Johann IV. in diesem Zusammenhang unter Hinzuziehung seines P.er Richters, des Münzmeisters sowie eines P.er Bürgers und von Fachleuten aus dem Erzgebirge den Bergbau zu fördern.

Im Privileg Ulrichs II. von 1372 wird bereits ein Gericht zu P. gen., Rat und Gemeinde werden erstmals 1399 erwähnt. Bei Unstimmigkeiten zw. diesen sollte der Lgf. einen Beauftragten beigeben. Der Lgf. versprach, P. vor anderen seiner Burgen zu schützen und zu fördern. Die regelmäßigen Abgaben waren an den Richter und Kastner (wohl zu P.) abzuführen. Nach dem ersten Zeugnis von 1372 wird P. 1491, also ungefähr seit dem Regierungsantritt Johanns IV., wieder als Stadt bezeichnet. Umfassende Regelungen traf das Stadtrechtsprivileg Johanns IV. von 1497, das dieser als einfurste des heiligen romischen reichs erließ. Die Bürgermeister- und Ratswahl wurde nunmehr schriftl. normiert. Als Richter des Niedergerichts für die Herrschaft P. fungierte herkömmlicherweise der Beauftragte des Lgf.en unter Hinzuziehung von Schöffen aus der Bürgerschaft. 1497 wurde demgegenüber ein engerer Bezirk (Burggeding) aus diesem Niedergericht herausgenommen und dem Rat der neu geschaffenen Stadt in alleiniger Verantwortung übertragen. Das Hochgericht blieb generell in der Hand des Lgf.en (Landgericht). Auf gelegentl. Schwierigkeiten zw. Gemeinde und in der Stadt ansässigenAdligen verweist die Bestimmung, Edelleute sollten nur mit Zustimmung des Rates vom Lgf.en die Freiheit erhalten, sich in P. niederzulassen. Bereits 1491 gestattete Johann IV. Bürgermeister und Rat, Hab und Gut von Edelleuten, die aus der Stadt fortzogen, solange festzuhalten, bis diese ihre Schulden bezahlt hätten.    

III.

Viell. bestand schon 1156, als ein Megenhardus de Phrimede bezeugt ist, eine Burg bzw. ein festes Haus am Orte. P. war wohl von Anfang an eine Wasserburg. Um 1300 wurde diese als gut ummauerte Burg (castrum) mit zwei Türmen, Mauern und guten Gräben beschrieben. Die Burg wurde von dem als fischreich bezeichneten Flüßchen P. umflossen. Dazu gehörte damals ein Burglehen sowie eine kleine Ansiedlung (villa) mit Wirtschaftsbetrieben (II.).

Eine detaillierte Baubeschreibung des Schlosses ist erst von 1661 überliefert (sechs Wohn- und Funktionsgebäude, »Schwarzer Turm«, zwei Treppentürme, Schloßgraben mit Zugbrücke). Die Auswertung späterer Katasterpläne läßt eine längl.-ovale Anlage mit einer Ausdehnung von ca. 140 × 200 m erkennen. Die Gebäude waren, unter Einschluß der Pfarrkirche im Südteil, um einen unregelmäßigen Innenhof gruppiert. Die Pfarrkirche (heute 17. Jh.) diente neben der Kirche der 1486/1502 erworbenen Nebenres. Grünsfeld der Pflege der Memoria (bezeugt 1363 neben Pleystein) sowie alsGrablege der Leuchtenberger (ältester erhaltener Grabstein von Lgf. Leopold † 1463). Von der ma. Wasserburg ist nichts mehr erhalten. Auf das Renaissanceschloß lassen sich heute nur noch zwei Gebäude zurückführen: Schloßhof 10 (mit Jahreszahl 1534) im O sowie Schloßhof 11/13 im N der Anlage, letzteres mit zwei Originalportalen der Spätrenaissance (jeweils leuchtenberg. und bad. Wappen). Das eine der beiden Portale weist eine Bauinschrift Lgf. Georg Ludwigs von 1590 auf. Die älteste Abbildung von 1536/37 (Bild 7 der Rundreise Ottheinrichs von der Pfalz) bzw. die Skizze von 1547 präsentiereneinen das Stadtbild dominierenden Schloßkomplex, sind jedoch in den Einzelheiten schwer in Einklang zu bringen. Die mehrperspektiv. Ansicht von 1536/37 zeigt ein imposantes Hauptgebäude, das sich offenbar gegenüber der Kirche im N der Schloßanlage befand (ob von 1534 stammend, wie Biller 2001 vermutet, bleibt ungewiß). Umbauten am Schloß lassen sich für 1534 (Schloßhof 10) sowie für die 1550er Jahre und für 1583/90 nachweisen. Der Beschreibung von 1661 zufolge bildete der Bau mit den Fürstengemächern, anschl. an die Pfarrkirche, nun den Westflügel der Anlage. Im Nschloß sich ein Gebäude mit Küche, Speisesaal, Kanzlei und Hofkapelle an. Darauf folgte, ebenfalls nach N zu, ein weiteres großes Gebäude mit Funktionsräumen im ersten (u. a. Amtszimmer, Registratur und Bibliothek) und einem großen Festsaal im zweiten Stock. Dieser Trakt wurde 1590 ausweisl. der Inschrift nach Abbruch der alten Gebäude in kurzer Zeit neu errichtet (Schloßhof 11/13), womit die Umgestaltung des ma. Schlosses im wesentl. abgeschlossen war.

Quellen

Siehe den Anhang bei Seitz 1971.

Biller, Josef H.: Pfreimd, in: Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs, 2001, S. 130-136 und S. 460 (Lit.). - Hammer, Alfred: Das Pfreimder Schloß im Wandel der Jahrhunderte, in: Der Stadtturm 4 (1988) S. 33-44. - Kunstdenkmäler Bayerns: Bezirksamt Nabburg, 1910, S. 80-99. - Meiler, Olaf: Grafenwöhr und die Leuchtenberger, in: Die Oberpfalz 83 (1995) S. 281-285. - Paulus, Hans: Grabdenkmäler in der Pfarrkiche zu Pfreimd, in: Der Stadtturm 7 (1991)S. 156-181. - Pfreimd und die Leuchtenberger (Ausstellungskatalog), Pfreimd 1990 (Stadtturm. Heimatkundlicher und Historischer Arbeitskreis Pfreimd. Katalog, 3). - Reitzenstein 1986. - Seitz 1971. - Bayerisches Städtebuch, 1974, S. 552-556. - Stahleder, Erich: Landgraf Johann I. von Leuchtenberg als Städtegründer in Niederbayern, in: Verhandlungen des historischen Vereins von Niederbayern 96 (1970) S. 41-44. - Stieler, Karl: Die Geschichte des landgräflich-leuchtenbergischenResidenzschlosses Pfreimd, in: Die Oberpfalz 61 (1973) S. 69-73. - Stieler, Karl: Geschichte der Stadt Pfreimd, fertiggestellt und abschl. bearb. von Ludwig Lehner, Amberg 1980.