Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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PFALZEL C.2.

I.

Villa Palociolum (732/33), Palaciolense coenobium (989); villa Palenzela (1052), villa Palatioli (1168), Palzelen (1264), villa Pallotiolensis (1335), Paltzel (1377), Palczze (1440) - Niederungsburg bei Trier - Erzstift Trier; Ebf.e von Trier - Nebenres. von 1377 bis zum 16. Jh. - D, Rheinland-Pfalz, zu Trier.

II.

P. liegt am linken Moselufer etwas unterhalb von → Trier auf einem flachen Alluvialrücken. In dem palastartigen, befestigten ksl. Landsitz (Palatiolum) aus der Mitte des 4. Jh.s gründete um 700 Adela ein Kl., das unter Ebf. Poppo 1016 aufgehoben und etwas später in das Kanonikerstift St. Marien umgewandelt wurde. Eine ebfl. Bautätigkeit mit Befestigung ist erstmals um diese Zeit belegt, 1052 auch ebfl. Besitz. Adalbero von Montreuil (1131-52) errichtete nach den »Gesta Treverorum« zu Beginn seiner Regierung unterAnknüpfung an eine angebl. Burg Julius Caesars »mit großem Aufwand« eine Burganlage, die ihm als Stützpunkt gegen den opponierenden ministerial. Trierer Stadtgf.en diente. Von Arnold von Isenburg (1242-59) wurde sie - offenbar inzw. verfallen - erneuert und von seinem Nachfolger verbessert. Im 14. Jh. sind vereinzelte ebfl. Aufenthalte in P. bezeugt. Erst unter Kuno von Falkenstein (1362-88), der 1377 bei seinem Konflikt mit der Stadt → Trier P. als Art von benachbarter »Trutz- und Kampfresidenz« wählte, wurde P. aber zum zeitweilig wichtigsten oberstift. Sitz des Kfs.en.Im weiteren MA blieb es ein beliebter Aufenthaltsort und war auch im 16. Jh. bes. bei Konflikten mit der Stadt → Trier als ebfl. Res. von Bedeutung. Dies gilt für Johann von Metzenhausen (1531-40), der P. bis 1539 stärker befestigte, wie für Johann von der Leyen (1556-67), der 1559 die Einführung der Reformation in → Trier von P. aus untersagte. Stützpunkt noch für Jakob von Eltz (1567-81) im Streit mit der Kathedralstadt, trat P. als Res. dann offenbar zurück und verlor ab 1673 mit der Zerstörung endgültig seine Grundlage.

Die kleine Siedlung beim Stift bzw. der Burg wurde stärker von ebfl. Rechten geprägt, die sich auch auf die Grundherrschaft erstreckten. 1190 wird ein ebfl. Hof (curtis), im »Liber annalium jurium« (wohl nach 1212) werden 32 abgabenpflichtige Hufen gen. Der Ort selbst wird meist als Dorf (villa) bezeichnet (z. B. 732/33, 1052, 1168, auch 1362, 1366, vicus 1493). In den »Gesta Treverorum« für 1132 erscheint er aber bereits als oppidum im Suburbium von Trier, ebenso als aulapalatii. Im Sammelprivileg → Karls IV. von 1346 für Ebf. Balduin ist P. in der Reihe anderer Plätze mit Frankfurter Stadtrecht aufgeführt, was auf Absichten zu einer Weiterentwicklung hindeutet. Unter Kuno von Falkenstein (1362-88) gehörte P. zu jenen Orten, die er von nuwes mit muren und graeben versehen hatte und für die er vom Ks. 1374 Marktrechte und andere Freiheiten erhielt. Eine Erlaubnis → Karls IV. von 1372 hat Kuno auch zur Errichtung einer Zollstätte genutzt; um die Freiheit vom Moselzoll inP., die die Trierer Bürger erst nach heftiger Opposition 1377 erlangten, gab es ungeachtet mehrfacher Bestätigung noch 1575 Auseinandersetzungen.

Trotz Vergünstigungen für die Bewohner, z. B. der Erlaubnis des Weinzapfs wie die Trierer 1391, kam es im MA in P. noch zu keiner Stadtentwicklung. Seit 1502 ist aber ein eigenes Schöffensiegel bezeugt. Erst in der Neuzeit, in der Johann von Metzenhausen neben der Bastionierung von Burg und Kl. auch die aufwärts gelegene Siedlung mit einem Mauerring versehen ließ, begegnen ab der Mitte des 16. Jh.s - trotz Zerstörung P.s durch Mgf. Albrecht Alcibiades 1552 - regelmäßig Benennungen als Städtlein oder Flecken. Im Jahre 1641 wird P. sogar die Qualität einer civitas unddie landständ. Unabhängigkeit von → Trier zuerkannt; 1652 ist von Stadt Paltzel und Ambt die Rede. Ein Amtmann war neben dem ebfl. Kellner schon im 15. Jh. ansässig (Amtshaus des 16. Jh.s erhalten). Er verlieh dem Ort Zentralfunktionen für das Umland. Das in Listen des 16. Jh.s genannte Amt reichte mit den Pflegen Schweich, Leiwen, Waldrach, Konz bis auf die andere Seite von → Trier, das über keinen eigenen Amtsbezirk verfügte. Jedoch deuten sich zw. P. und → Trier »Verbindungslinien auf Amtsebene«(Kerber 1995, S. 143) an, die bis zur Personalunion zw. dem Schultheißen in → Trier und Amtmann in P. reichten.

Auf eine zumindest rudimentäre gewerbl. Ausstattung in P. deutet die Existenz einer Leinenweberbruderschaft für Ehrang und P. seit 1582. Eine größere Einwohnerzahl wird man dennoch nicht annehmen dürfen. Im Jahre 1653 gab es 50 Feuerstätten und 61 Geschatzte. Wirtschaftl. war P. stark auf → Trier zugeordnet, belieferte dieses u. a. mit Vieh. Die Verbindung von Res. und Ort bzw. Stift P. zeigen Grabmäler wie das des beim sog. »Bohnenkrieg« gegen → Trier 1568 getöteten kfsl. Hauptmanns Pankraz Saurzapff von Sulzbach in der Stiftskirche oder schriftl. Belege für am Ortwohnende ebfl. Bedienstete (z. B. Armbruster, Geschützgießer Heinrich von Heilbronn 1444/47). Die Stiftskirche, in der auch einzelne ebfl. Funktionsträger bepfründet waren, war mit dem übrigen Trierer Klerus sozial, funktional wie religiös verbunden, u. a. über die sog. Wolfsprozession. Im Ort P. entwickelten sich zwei in einer Aufstellung um 1550 unterschiedene Pfarrbezirke, das dem Ebf. unterstehende St. Martin und das vom Stift abhängige St. Nikolaus.

III.

Von den Anlagen des MA, die sich unmittelbar westl. an das Stift anschlossen, sind nur Reste erhalten, vom Westzug ein Torturm und Eckturm sowie südl. spätgot. Fenster mit einem durch Maßwerk verzierten Sturz. Die über den Haupttorturm mit vorgelagerter Hebebrücke zugängliche, von einem Wassergraben umgebene Burg bildete ein Rechteck von ca. 64 × 35,50 m und besaß an der Kurzseite zum Lande hin zwei vorspringende Dreivierteltürme. Im kleinen Innenhof befand sich der quadrat. Bergfried. Die Hauptwohngebäude mit zweigeschossigem Palas aufmassivem Gewölbe an der Südostecke lagen im südl. Teil. Für die Zeit Jakobs von Sierck, der sich in P. oft aufhielt, wird erstmals die ebfl. Schlafkammer erwähnt (1443). Johann von Baden (1456-1503) sorgte in gesteigertem Maße für neue Bauten. So ließ er im Ort die zuvor in den Taxa generalis von 1330 genannte Pfarrkirche von St. Martin neu errichten, nahm kleinere Veränderungen im Marienstift vor und verbesserte die Burganlage, u. a. durch ein Tor (Wappensteine). In seiner Zeit sind als Repräsentationsräume eine Stube und ein großer Saal mit Säule gen. undexistierten Marstallgebäude. Nach den Beeinträchtigungen von 1552 wurde die Burg 1673 von frz. Truppen endgültig zerstört und danach nicht wieder aufgebaut.

Quellen

Gesta Treverorum continuata, 1879. - Gesta Trevirorum integra lectionis varietate et animadversionibus illustrata, hg. von Johann Hugo Wyttenbach und Michael Franz Joseph Müller, 3 Bde., Trier 1838-39. - Goerz 1861. - Hontheim 1750. - Quellen zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der rheinischen Städte, 1915.

Cüppers, Heinz: Trier-Pfalzel, Passau 1999 (Peda-Kunstführer, 460) - Kerber 1995. - Kutzbach, Friedrich: Das ältere Hochschloß in Pfalzel bei Trier, in: Germania 19 (1935) S. 40-53 - Pfalzel. Geschichte und Gegenwart, Trier 1989. - Schaus, Emil: Stadtrechtsorte und Flecken im Regierungsbezirk Trier und im Landkreis Birkenfeld, Trier 1958 (Schriftenreihe zur Trierer Landesgeschichte und Volkskunde, 3). - Wackenroder, Ernst:Die Kunstdenkmäler des Landkreises Trier, München u. a. 1936. ND 1981 (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 15,2).