PFÄFERS C.4.1.
I. / II.
Vgl. B.4.1. Pfäfers. - CH, Kant. St. Gallen.
III.
Über die frühma. Anlage der Abtei P. wissen wir kaum etwas, da archäolog. Ausgrabungen bisher nicht vorgenommen wurden und entspr. Versuche zu keinem Resultat führten. Immerhin wissen wir aus einem der bedeutendsten Reliquienverzeichnisse der Schweiz, das um 870 sehr umfangr. Reliquienbestände aus dem fränk. Zentralraum und auch die Altäre aufführt, ein Beweis für die Kult- und Kulturdominanz dieses fränk. Raumes. Es wird sich wohl um eine Drei-Apsiden-Kirche gehandelt haben.
Die Abteigebäude sind erstmals in einer Ansicht in den »Antiquitates Fabarienses« von P. Augustin Stöcklin (Frontispiz) 1628 dokumentiert. Darauf zeigen sich noch spätma. Zustände. Es handelt sich um eine dezentrale Anlage, wie sie für das MA typ. ist. Die symmetr. zentrale Anlage, welche die Barockzeit so liebte, entstand nach einem Totalbrand von 1665 gegen Ende des 17. Jh.s, sie umfaßte Kirche, Abtei und Klostergebäude. Die Abteigebäude waren im SpätMA mehrfach erneuert worden. Es befanden sich damals nur noch wenige Mönche im Kl., die den Gottesdienst zeitw. durch angestellteKapläne verrichten ließen. Sie selbst wohnten in eigenen Häusern in dem das Kl. umgebenden Dorf P. Die Ansicht von 1628 dokumentiert, daß im Bereich des Klosterbezirks, der damals von Mauern umgeben war, sich die 1360 gestiftete Maria Magdalenen-Kapelle befand. Sie wurde nach dem Brand von 1665 nicht wiederaufgebaut. Indessen wurde in der barokken Klosterkirche ein Maria Magdalenen-Altar errichtet. Die Dotation der Kapelle von Konrad von Wolfurt i. J. 1364 ist durch eine Urk. dokumentiert. Vom Stiftungsgut liegt im Schweizer Landesmuseum der sog. Wolfurter Kelch mit einer Stiftungsinschriftund dem Wappen des Stifters, aus dem vorarlberg. Ministerialadel stammend. Diesem Geschlecht entstammen auch zwei P.er Äbte und Äbtissinnen im Frauenkl. Lindau am Bodensee.
Abt Johann Jakob Russinger, der von 1517-48 regierte, stand in engen Beziehungen zu Humanistenkreisen. Das Bad zog diese bes. an, wissen wir doch, daß nicht nur Glarean und Ägidius Tschudi, sondern auch Ulrich Zwingli und Ulrich von Hutten im Bade weilten. 1535 ist zudem der Aufenthalt von Theophrastus Paracelsus in Pfäfers dokumentiert, einmal durch eine kleine bei Froschauer gedruckte Badeschrift sowie auch in einem autographen Consilium für den am Magen leidenden, kränkelnden Abt Johann Jakob Russinger. Diesem Sympathisanten der Reformation widmete Zwingli die gedruckte Ausgabe derzweiten Badener Disputation. Russinger residierte teilw. am Ausgang des in Steilstufe ins Rheintal abfallenden Taminatals auf Burg Wartenstein. Sie war ursprgl. die Burg der Schirmvögte der Abtei, und ihre Geschichte kann kurz skizziert werden. Sie soll 1206 vom P.er Abt Konrad von Zwiefalten als Bollwerk gegen die Schirmvögte erbaut worden sein. Bereits 1208 verpfändete sie Ks. → Otto IV. mit der Schirmvogtei an Heinrich von Sax. Dieser verpfändete sie 1210 an einen Falkenstein weiter. Unter Abt Rudolf von Bernang kam sie mit der Schirmvogtei wieder an das Kl. 1263 ging dieSchirmvogtei an Heinrich von Wildenberg unter Vorbehalt der Burg Wartenstein, die der Abt für sich reservierte. Abt Hermann von Arbon ließ 1341 in der Burg eine Kapelle errichten. Die Burg wurde von Abt Wilhelm von Fulach (1506-17) erneuert, der daneben wesentl. Investitionen im Bad tätigte. Während der Reformation, 1531, wurde sie vom altgläubigen Landvogt in Sargans, Ägidius Tschudi, der die eidgenöss. Landvogtei turnusgemäß zwei Jahre verwaltete, besetzt. In der Folge wohnte offenbar Abt Johann Jakob Russinger wieder auf der Burg und empfing dort auch Gäste. Bereits 1570 wird sie jedoch alsbaufällig erwähnt, 1586 aufgelassen, heute ist die Ruine in restauriertem Zustand noch vorhanden.
Der tätige Reformabt Johann Heider (1587-1600), der schon vorher als Administrator tätig war, errichtete, viell. um die Burg Wartenstein zu ersetzen, die sog. Neuburg, später auch oberes Haus gen., innerhalb der Klostermauer. Es diente als Gästesaal und enthielt nach der barocken Schwitter-Chronik um 1700 eine Kapelle und einen Gästesaal. Dort fungierte auch die klösterl. Kanzlei.
Nachweisbar sind nicht nur die villici an verschiedenen Orten, die Vögte, die vorhin gen. waren, sondern auch die officiati maiores und minores, die einfachen Bediensteten. Erwähnenswert sind für Pfäfers sozial und rechtl. gesehen auch die sog. Sonderleute, nicht nur Bastarde und camerarii (Kämmerer). Das Institut der candelarii (Kerzner) ist in Pfäfers in Rechtstexten und für die Neuzeit im Brauchtum noch feststellbar. Die candelarii hatten noch im18. Jh. jeweils zu Mariä Lichtmess dem Abt zu huldigen und ihm als symbol. Abgabe Wachs darzubieten. Unter den officiati maiores wird in ma. Quellen der camerarius erwähnt und außerdem der marescalcus, Marschall sowie der pincerna, der Schenk, ein adliges Amt, in dessen Funktion Heinrich von Schellenberg nachweisbar ist. Diese Nachweise finden sich in den sog. Wirtschaftsquellen des SpätMA.