OPPELN C.7. (Opole)
I.
Ab 1327 als böhm. Lehen schles. immediates Erbfsm. Hzg. Boleslaus I. erhielt bei der Herrschaftsübernahme 1173 → Breslau und O. mit Cosel und Tost, sein Bruder Mieszko I. bekam → Ratibor einschließl. → Teschen, Beuthen und Auschwitz. Nachdem das O.er Gebiet zum Breslauer Teil Schlesiens gehört hatte, kam es 1202 an → Ratibor und stellte die namengebende Hauptstadt dieses vergrößerten Hzm.s, das später zusammenfassend Oberschlesien hieß. Nach dem Tode Ladislaus I. 1281 teilten die Söhne das Fsm. in vier die Oderwestöstl. überlappende Territorien, wobei das um → Ratibor, Cosel-Beuthen und → Teschen-Auschwitz verringerte O. an Boleslaus I. kam. Dessen Erbmasse schrumpfte 1313 auf ein nochmals verkleinertes O., Falkenberg und Groß-Strehlitz. Bolko I. von Falkenberg wurde 1313 Begründer eines selbständigen Hzm.s, das bis 1382 existierte. Die Strehlitzer Seitenlinie der O.er Hzg.e bildete zw. 1313 und 1460 ein separates Fsm. aus, von dem wiederum eine weitere Sezession in Oberglogau erfolgte. Fs. Bolko V. von Oberglogau erbte von seinem Oheim Bernhard Fs. von Falkenberg († 1455)die Fsm.er Falkenberg und Strehlitz, die beim Hinscheiden Bolkos vom O.er Fsm. eingezogen wurden. Nach dem Tod des letzten Piasten Johann 1532 fiel das Hzm. O. mit → Ratibor (seit 1521 wiedervereinigt) an die Krone zurück. Die Herrschaften Beuthen, Oderberg und → Jägerndorf wurden Mgf. Georg dem Frommen von → Ansbach-Brandenburg zugewiesen und blieben bis 1603 im Besitz der fränk. → Hohenzollern. Entgegen brandenburg. Bemühungen in oberschles. Ländern die Erbfolge anzutreten, verlieh der Ks. unvererbl. Pfandschaften an die Gf.en Proskau, Frh.envon Promnitz, Fs.en Pückler und Frh.en von Oppersdorf. Erst die erbeigentüml. Übertragung 1629 an Lazarus II. Henckel von Donnersmarck zur Tilgung ksl. Darlehen etablierte eine Standesherrschaft. - PL, Wojewodschaft Opolskie.
II.
Im 9. Jh. wurde der Mittelpunkt des Siedlungsgebietes der Opolane am Durchtritt der Oder durch den oberschles. Muschelkalkrücken erstmals gen. Die früheste Piastenburg lag auf der Oderinsel (Pascheka) an der Nordspitze (Ostrówek) südl. des zugehörigen altpoln. Vorortes. Die zw. Oder und Mühlgraben situierte dicht bebaute Kastellanei engte im 11. Jh. die günstige Siedlungsstelle des Flußüberganges ein. Der befestigte Herrschersitz befand sich in nächster Stadtnähe an einer neuralg. Stelle und war mit der städt. Fortifikationnicht verbunden. Im Zusammenhang mit der ersten Anlage einer deutschrechtl. Stadt am östl. Oderufer wurde die alte Hauptsiedlung aufgegeben und ihr Standort verschoben. Nach Neugründung einer Stadt 1248 mit rechteckigen Marktplatz wurde die civitas von 1250 bis 1300 mit einem Mauerring befestigt und 1327 mit Neumarkter bzw. 1410 mit Magdeburger Recht versehen. Im gespaltetenen Wappen stehen in Blau ein halber rotbewehrter goldener Adler und ein halbes goldenes Kleeblattkreuz. Seit 1230 Archidiakonat, wurde in der Heiligkreuzkirche zw. 1223 und 1239 ein Kollegiatstifteingerichtet. In der Pfarrkirche St. Bartholomäus von Oberglogau gründete 1379 Heinrich von Falkenberg ein Kapitel mit vier Prälaturen und neun Kanonikern. In Falkenberg (seit 1283 Valkenberch) errichteten 1389 Hzg. Bolko und Heinrich von Falkenberg mit dem Pfarrer Johann von O. das Stift Mariae Himmelfahrt.
III.
Schlesienweit wurde allein in O. die Burg über einer älteren Stadt positioniert. Hzg. Kasimir I. (1211-29) erbaute 1228 ein festes Haus auf der Oderinsel an der Wasserkante. Nach einer Aufschüttung von 4 m wurde die Wehrburg auf dem Werder von Kasimirs Sohn Mieszko II. und 1260 durch Ladislaus I. erneuert. Das Gelände des aufgegebenen slaw. Marktortes nahm unter Boleslaus I. zw. 1283 und 1289 an der Südseite einen rechteckigen Bau mit fsl. Zimmern im Oberstock auf. Neben dem Hauptgebäude und dem Burggrafenhaus wurden zw. 1300 und 1309 Küche, Bäckerei, Brunnen,Hungerturm sowie Burgkapelle fertiggestellt. Unter Boleslaus II. erfolgte die Errichtung der Kanzlei, der Vogteiwohnung und des Marstalls. Von diesem Inselschloß blieb der massive Donjon Johanns I., ein zylindr. Stumpf mit Kegeldach und Wehrgang erhalten. Seit der Vierteilung des Hzm.s war O. bereits ständige Hauptres. gewesen, doch 1382 wurde infolge der weiteren Aufgliederung unter die Herzogsfamilien von Boleslaus III. und Ladislaus II. (1356-1401) bis 1387 am Ostrande der Stadt ein neues Schloß erbaut. Bei einer Niveaudifferenz des Burgbergs von 15 m zum niedrigsten rechtsodrigenPunkt war dieses Bergschloß mit Viereckturm am östl. Stadttor in die Verteidigungsmauer eingefügt. Das castrum strelcense verwandelte Hzg. Albert († 1366/75) in ein rechteckiges Schloß mit Satteldach und beiderseitigem Ziergiebel, in dem zuletzt Bernhard († 1455) residierte. Den Oberglogauer Wohnturm (seit 1297 ein viereckiger Palas) machten Hzg. Boleslaus III. von Strehlitz (1366-82) und die Hzg.e von Falkenberg und Strehlitz an der Hotzenplotz zum Zweitwohnsitz. Aus der slaw. Grenzburg (1105) und dem späteren Kastellaneisitz Cosel an der Oder wurde im Wege piast.Erbteilungen von 1281 bis 1355 ebenso ein Residenzort. Kasimir II. von Cosel-Beuthen (1281-1312) legte in Anlehnung an die Festung die deutschrechtl. Stadt mit Münzstätte an. Beuthen an der Via regia, ein seit 1254 mit Magdeburger Recht bewidmeter Erzpriestersitz, geriet hingegen von 1355 bis 1473 unter die Hzg.e von → Oels und fiel erst 1490/98 an O.-Ratibor zurück. Auch die Kastellanei Tost wurde als schloßartige Burg seit 1245 dauerhaft genutzt.
Quellen
Der Sachsenspiegel aus Oppeln und Krakau, hg. von Ilpo T. Piirainen und Winfried Wasser, Berlin 1996.
Literatur
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