OLMÜTZ C.3. (Olomouc)
II.
Das kirchl.-administrative Zentrum hat auf der O.er Vorburg viell. schon im 9., sicher im 10. Jh. existiert. Seinen Sitz hatte in O. zunächst einer der Suffragane der mähr. kirchl. Provinz. O. ist nach 973 zusammen mit dem → → Prager Bm. gegr. worden. Durch O. führte damals die wichtige europ. Verbindungslinie → Regensburg-→ Prag-O.-Krakau-Kiew, so daß die von den → Přemysliden eroberten Besitzungen in Kleinpolen von dort kirchl. verwaltet werden konnten. Die ersten beiden »mährischen« Bf.e waren wahrscheinl. Prohor undProkulf. Nachdem Mähren nach der Verdrängung der Polen wieder zu → Böhmen kam, wurde in O. 1062-63 das Bm. erneuert. Der erste Bf. der erneuerten Diöz., fakt. aber der dritte in der Reihe, Johann I., war ursprgl. ein Mönch in Niederalteich und kam nach O. durch Břevnov. Die O.er Diöz., die das Gebiet des ganzen Mährens umfaßte, wurde dem Ebm. von → Mainz untergeordnet. Der ambitiöse Bf. Heinrich II. Zdík (1126-50), ein Anhänger der Kirchenreform, bekam 1144 vom Ks. Konrad III. und später vom Hzg. Vladislav II. Immunitätsrechte, so daß die mähr. Kirchengüter von derVerwaltungs- und Gerichtsbarkeit der landesfsl. Behörden befreit wurden. Der Bm. von O. wurde so zu einer Grundherrschaft und seine Güter de facto ein neues Teilfsm., das ein gewisses Maß von Reichsunmittelbarkeit erhielt. Eine Vermögensbasis des O.er Bms. wurde aus mehr als 200 Dörfern sowie Burg Podivín gebildet, wo die Bf.e von O. im 11. bis Anfang des 13. Jh.s ihre Münzen prägen ließen (in der zweiten Hälfte des 13 Jh.s wurden die Münzen in O. aufgrund einer gemeinsamen Konvention zw. Kg. Přemysl Ottokar II. und Bf. Bruno geprägt). Dieses Privileg konnten sie erst wieder nach 1608geltend machen. Ihr Münzwesen erreichte in der Frühen Neuzeit einen so großen Umfang, daß es über einige Jahre die Regierungsmünzen in Mähren ersetzten konnte. Unter dem Zisterzienser Robert (1202-40), der erste O.er Bf., der als Kanzler des böhm. Kg.s für Mähren fungierte, wurden eine Dompropstei und eine Domschule errichtet. In dieser Propstei wurde am 4. Aug. 1306 Kg. Wenzel III. ermordet.
Seit Bruno von Schauenburg (1247-81) hatten die Bf.e von O. ihre Hauptres. in → Kremsier, wo auch das Lehensgericht seine Sitzungen abhielt. Bruno hatte als Berater Kg. Přemysl Ottokars II. großen Anteil an der Entfaltung der přemyslid. Macht. Sein Plan zur Erhebung von O. als kirchl. Metropole des gesamten Herrschaftsraumes des Kg. scheiterte jedoch. Ein von ihm aufgebautes umfangr. Lehnssystem stellte eine wichtige Basis der wirtschaftl., milit. und polit. Macht der Bf.e von O. dar, welches in den böhm. Ländern einzigartig war. 1344 wurde das Bm. von O. ein Bestandteil der neuenPrager Erzdiöz. → Karl IV. ordnete es direkt dem Kg. von → Böhmen unter und verlieh 1365 dem Kanzler Johannes von Neumarkt († 1380) und seinen Nachfolgern den Titel eines Gf.en der Königskapelle.
Unter dem entschiedenen Gegner der Hussiten, Johannes dem Eisernen (von Bucca) (1416-30), behielten die Bf.e von O. ihre Güter. Ihr Prestige wuchs außerdem im Zeitraum des vakanten → Prager Ebm.s (1431-1561). Sie handelten fakt. als unabhängige Metropoliten, weil sie unter den Prälaten in den böhm. Ländern keine Konkurrenten hatten. Bedeutenden Anteil hatten sie an der Krönung der böhm. Kg.e und fungierten als Diplomaten und Vertreter des Hauses → Habsburg bei der Gestaltung der Politik des böhm. Staates und der Habsburger Monarchie. Unter Stanislaus Thurzó (1492-1540)stieg der Hof der O.er Bf.e zum Mittelpunkt der gelehrten humanist. Studien auf. Bedeutende Persönlichkeiten, wie z. B. Johannes Dubravius (1541-53), Stanislaus Pawlowski (1579-98) und Franz Kard. von Dietrichstein (1599-1636), schufen eine machtpolit. Achse zw. O. und → Prag bzw. auch → Wien, die die Machtverteilung im böhm. Staat wesentl. änderte. Nicht unerhebl. war auch ihre Anteil an der Ausbildung der kathol. Oberschicht. Dazu gehörten unter Wilhelm Prusinovský (1565-72) die Gründung des Jesuitenkollegs 1566, das nach seinem Tod 1573 zur Universität erhobenwurde, sowie die Einrichtung des Collegium Nordicum i. J. 1578. Im Jahre 1777 wurde das Bm. von O. zu einem Ebm. erhoben.
III.
Im Laufe der Jahre residierten die Bf.e von O. an mind. vier verschiedenen Orten in Olmütz, ihr Hauptres. lag aber seit dem 13. Jh. in Kremsier. Der Sitz der mähr. Bf.e des 10. Jh.s ist bis heute nicht gefunden worden. Das erste bekannte Bischofshaus ist wahrscheinl. um 1063 in der Nähe der Peterskirche auf der Vorburg erbaut worden. Zweifelsfrei hatte dort Bf. Johann I. im Jahr 1072 seinen Sitz (in cubile suum). Nach 1131, als die Wenzelskirche zur Bischofskathedrale umgebaut wurde, entstand ein neuer Bischofssitz, der im ersten Stockdes Wenzelkomplexes lag. Das Schicksal eines vorausgesetztenen roman. Bischofshauses bei der Peterskirche ist nicht klar. Am wahrscheinlichsten ist, daß es ein Bestandteil des vom Bf. Robert am Beginn des 13. Jh.s gegründeten Kl.s war.
Der sog. Přemyslidenpalast, nördl. der Kathedrale gelegen, war fakt. seit 1141 eine Bischofs- und Domkapitelres., als Bf. Heinrich Zdík eine Translatio zu beiden Sitzen durchgeführt und das Domkapitel nach Muster des Domkapitels des Hl. Grabes in Jerusalem reorganisiert und mit zwölf Domherren besetzt hat. Dieser Palast, der nach Art der Reichspfalz erbaut war, stellte in künstler. Hinsicht den anspruchsvollsten roman. Bau in den böhm. Ländern dar, beeinflußt von der Kirchenarchitektur des Rheinlandes. Im 13. Jh. wurde ein Repräsentationsstockwerk der Kathedralschule abgetrennt. Um dieMitte des 14. Jh.s wurde das Areal mit einem got. Domkapitelskreuzgang und einer Bibliothek versehen.
Schon damals residierten die Bf.e von O. in einem neuen Haus, das nach schriftl. Zeugnissen des 14. und 15. Jh.s hinter dem östl. Abschluß der Basilika erbaut worden war.
In der ersten Hälfte des 16. Jh.s, unter Bf. Stanislaus Thurzó, als ein Sitz der Bfe. von O. zu den bedeutendesten landfsl. Höfen in den böhm. Ländern gehörte, wurde die Bischofsres. zurück auf die Vorburg verlegt. Nach zwei Feuern 1546 und bes. 1644, als der Palast bei der Eroberung der Stadt vom ksl. Heer bis auf die Grundmauern niederbrannte, wurde die Res. zwischen 1665 und 1685 auf Kosten des Bf.s Karl von Liechtenstein-Kastelkorn im Barockstil umgebaut. Von Okt. 1848 bis Mai 1849 war das Palast ein vorübergehender Aufenthaltsort des habsburg. Kaiserhofes.
Quellen
Chronik der Böhmen, 1923. - CDEB I-IV, 1912-65. - CDEM I-V, 1836-50 - FRB I-IV, 1873-84. - Regesta diplomatica nec non epistolaria Bognemiae et Moraviae, 2, 1882.
Literatur
Bistřický, Jan: Studien zum Urkunden-, Brief- und Handschriftenwesen des Bischofs Heinrich Zdík von Olmütz, in: AfD 26 (1980) S. 135-258. - Bistřický 1986. - Bláha 2000. - Bobek, Jan: Mincovnictví olomouckých biskupů ve středověku [Das Münzwesen der Olmützer Bischöfe im Mittelalter], Brünn 1986. - Dohnal 1996. - Dohnal 2001. - Handbuch der historischen Stätten Deutschlands,16, 1998, S. 420-431 (tschech.: Prag 2001, S. 376-386). - Kuča, Karel: Města a městečka v Čechách, na Moravě a ve Slezsku [Städte und Städtchen in Böhmen, Mähren und Schlesien], Bd. 4, Prag 2000, S. 582-671. - Macek, Josef: K dějinám Olomouce na konci 15. století (Spory o olomoucké biskupství) [Zur Geschichte von Olmütz gegen Ende des 15. Jahrhunderts (Auseinandersetzungen um das Olmützer Bistum)], in: Okresní archiv v Olomouci, Olmütz 1986, S. 53-63. - Michna,Pavel/Pojsl, Miloslav: Románský palác na Olomouckém hradě [Der romanische Palast auf der Olmützer Burg], Brünn 1988. - Pánek, Jaroslav: Olmütz als Bischofs- und Landeszentrum an der Schwelle zur Neuzeit, in: Metropolen im Wandel, 1995, S. 233-243. - Pánek, Jaroslav: Olomoucký biskup Stanislav Pavlovský a česká šlechta [Stanislaus Pawlowski, Bischof von Olmütz, und der böhmische Adel], in: Okresní archiv v Olomouci, Olmütz 1989, S. 35-58. - Pánek,Jaroslav: Renesanční dvůr olomouckého biskupa obecné a zvláštní rysy [Der Renaissancehof des Olmützer Bischofs - allgemeine und besondere Merkmale], in: Opera Historica 3 (1993) S. 167-177. - Richter 1959. - Suchomel, Dan/Vidman, Jan: Mincovnictví olomoukkých biskupů - a arcibiskupů [Das Münzwesen der Olmützer Bischöfe und Erzbischöfe] (1608-1820), Kremsier 1997. - Wörster, Peter: Humanismus in Olmütz, Marburg 1994. - Zela,Stanislav: Náboženské poměry v Olomouci za biskupa Marka Kuena [Religionsverhältnisse in Olmütz in der Zeit des Bischofs Marek Kuen] (1553-65), Olmütz 1931.