NÜRNBERG C.1.
I.
Zum erstenmal wurde N. 1050 in der Urk. Heinrichs III. als Nǒrenberc erwähnt (Nürnberger Urkundenbuch, 1959, Nr. 9). Spätere Namensformen sind Nuorenberc (1062), Nuremberch (1142), Norenberch (1155), Nurenberg (1156), Nurnberc (um 1173), Nürnberc (1186) usw. - 1050 fundus, 1112 locus imperiali potestati assignatus, 1105 oppidum, 1127,1130 urbs. Etymologie unklar. Gewöhnl. wird das Wort »Nürnberg« als »die Burg des Noro«, oder von mhd. nuor, Fels als »Felsberg« interpretiert. - Zuerst Zentrum eines Komplexes des Reichsguts, Burgmarkt, seit 1200 Stadt. - N. liegt auf beiden Ufern der Pegnitz unter der auf dem rechten Pegnitzufer gebauten Burg. Die Burg gehörte zu den bedeutendsten Kaiserpfalzen im Reich. Spätestens seit der Mitte des 11. Jh.s war N. ein oft besuchter Aufenthaltsort der röm.-dt. Kg.e und Ks., Ort der Abhaltung zahlr. Reichs- und Hoftage,seit dem 22. März 1424 Verwahrungsort der Reichskleinodien. V. a. → Ludwig der Bayer und Karl IV. bevorzugten N. als ihren Aufenthaltsort. → Ludwig besuchte N. vierundsiebzigmal. Im Itinerar Karls IV. steht N., die vornemst und baz gelegenste stat des richs, wo er mehr als fünfzigmal verweilte, auf dem zweiten Platz, gleich nach → Prag und weit vor → Mainz und Frankfurt. Häufig hielt er dort Hof- und Reichstage. Bes. Bedeutung. erlangte der Hoftag 1355-56, auf dem er den ersten Teil seines Reichsgesetzes, die »GoldeneBulle«, verkündigte. - Einer Festlegung der Goldenen Bulle nach sollte jeder neugewählte dt. Kg. seinen ersten Hoftag gerade in N. halten. - Am 26. Febr. 1361 kam in N. Karls Sohn und Thronfolger → Wenzel zur Welt, am 11. April 1361 wurde er in der dortigen Sebalduskirche getauft. - D, Bayern, Reg.bez. Mittelfranken.
II.
Die Burg N. wurde auf dem aus der waldreichen Ebene ragenden Sandsteinfelsen über der Pegnitz (mit einer Höhe von 351 m) von Heinrich III. gegr. Gegenüber dieser auf dem östl. Teil des Burgfelsen gelegenen sal. Burg baute wohl Konrad III. auf dem westl. Burgfelsen die zweite ksl. Burg (die gesamte Anlage ist 220 m lang und 50 m breit). Dank der günstigen Verkehrslage entwickelte sich die spätere Stadt v. a. im SpätMA zu einer bedeutenden Handelsstadt des Reiches.
Die Siedlung entwickelte sich rings um zwei Siedlungskerne, um die Burg auf dem rechten und dem älteren Königshof bei St. Jakob auf dem linken Ufer des Flusses. Die älteste Siedlung lag am Fuße der Burg. Seine ökonom. Lage und seinen Reichtum verdankt das in einer relativ unfruchtbaren Landschaft liegende N. v. a. dem Groß- und Fernhandel, teilw. auch dem Handwerk, vornehml. dem Textil- und Metallgewerbe. Wohl seit der Mitte des 11. Jh.s befand sich in N. eine Reichsmünzstätte (belegt 1162). Der Zoll, der zum kgl. Regal gehörte, gelangte zuerst als Pfand (1385), später (1427) dauernd in denBesitz der Stadt.
Die ältere von Heinrich III. gegründete Burgmark (1163 burgus) wurde allmähl. erweitert und der städt. Charakter nahm zu (1200 und 1209 wurden die Bewohner als cives bezeichnet, seit 1219 wurde die Lokalität civitas gen.). Das erste urkundl. belegte Stadtprivileg aus dem Jahre 1219 begründete die Bürgerfreiheit und Ausweitung des Fernhandels. Der oberste Gerichtsherr war zuerst kgl. Richter (Reichsvogt, Bgf.). Seit dem Ende des 12. Jh.s war es der Schultheiß, der wg. der Bgft. von N. für die Burg zuständig wurde. - AmAnfang der neunziger Jahre des 12. Jh.s ging die Bgft. an die → Zollern über. - Die städt. Selbstverwaltung formierte sich seit etwa 1240, 1256 wurden zum erstenmal die Ratsherren als Organ der Stadtgemeinde gen. Etwa 1220 wurde das Siegel der Bürgerschaft erstmals erwähnt; der älteste Wachsabdruck (»Königskopfadler«, d. h. ein Reichsadler mit jugendl. Königskopf) kommt aus dem Jahre 1254.
Die Stadt N. war an das Oberhaupt des Reiches eng gebunden, strebte jedoch danach, die Befugnisse der Reichsbeamten (bes. des Schultheißen) einzuschränken, um wie mögl. nur dem Herrscher untertan zu sein. Dazu haben den Bürgern, die oft als Berater und Geldgeber dem Herrscher dienten, enge, sogar persönl. Kontakte zu ihm geholfen. Von den ksl. Aufenthalten haben die Bürger bes. durch Gewinn der Zollfreiheiten und anderer Privilegien profitiert. Allmähl. drangen sie auch in die Reichsämter ein. z. B. der Patrizier Konrad Groß gewann 1338/39 das Reichsschultheißenamt, das er bis 1365 behielt.1385 gelangte es an die Stadt.
III.
Von der ältesten (sal.) Königsburg, die auf dem östl. Teil des Burgberges um 1050 gebaut wurde, wurde die Otmars- (später: Walpurgis-) kapelle (zerstört 1945) bekannt. Die Burg wurde 1138/39 zum Sitz der Bgf.en von N., die sie 1267 erweiterten. Die ältere Hypothese, der älteste Teil der Burg sei der Fünfeckige Turm gewesen, der als Bergfried der sal. Burg entstanden sei, wurde von der neueren Forschung in Zweifel gestellt. Vielmehr sei der Turm gegen 1200 als Teil der Burggrafenburg errichtet worden (Haas 1992). Die westl. (stauf.)Burg wurde von Friedrich Barbarossa zu einer der glänzendsten Burgen des Reichs verändert. Der Palast wurde als zweistöckiges Gebäude gebaut - mit einer doppelstöckigen Pfalzkapelle mit offener Vierung und Herrscherempore. Der weitere gründl. Umbau folgte unter → Friedrich III. (aus dieser Zeit ist das Kornhaus - »Kaiserstallung« - erhalten). In der Nacht vom 20. zum 21. Okt. 1420 wurde die Burg in einer Fehde zw. dem Bgf.en und dem bayer. Hzg. durch einen Brand zerstört, 1427 an die Stadt verkauft.
Einige Herrscher, v. a. → Ludwig der Bayer und wohl auch Karl IV., residierten nicht nur auf der wenig Bequemlichkeit bietenden Kaiserburg, sondern lieber noch in der Stadt in gastl. Patrizierhäusern. Regelmäßig wohnten in den Bürgerhäusern die Berater und Hofbeamten sowie andere Mitglieder des Hofes. Darum wurde z. B. die Goldene Bulle im Hause der Familie Haller redigiert. Mehr als für die Burg sorgte Karl IV. für den Ausbau der Stadt. 1349 ließ Karl IV. den Hauptmarkt anstelle des abgebrochenen Judenviertels errichten und am Hauptmarkt die ksl. Kapelle bauen, die demAugustiner Chorherrenstift »Unser lieben Frauen« in der Prager Neustadt (→ Prag) unterstellt wurde. Der Bau begann wohl 1352, der Stiftungsbrief wurde jedoch erst kurz nach Karls Kaiserkrönung am 8. Juli 1355 ausgestellt. Der Chor, wahrscheinl. vom Hofarchitekten Peter Parler konzipiert, wurde noch 1355 geweiht, 1358 wurden die Zwölf-Boten- und Barbara-Altäre geweiht. Ähnl. wie andere Bauten Karls IV. unterlagen auch der Bau und die Ausstattung der Kapelle einer planmäßigen Konzeption, die ihre Beziehung zu Ks. und Reich demonstriert und die Aachener Kapelle nachahmt (bes. dasikonograph. Programm der Westfront der Kirche). Wahrscheinl. die Unterbringungsschwierigkeiten in der oft besuchten Stadt bewogen Karl IV. zum Bau der Burg Lauf an der Pegnitz unweit von N., wo er mit seiner Familie und einem Teil des Hofes wohnen konnte.
Quellen
Die Chroniken der fränkischen Städte. Nürnberg, 5 Bde., hg. von Karl Hegel, Leipzig 1862-74 (Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, 1-3, 10, 11). - Nürnberger Urkundenbuch, 1959. - RI VIII, 1968.
Literatur
Bachmann, Erich: Kaiserburg Nürnberg. Amtlicher Führer, Nürnberg 1982. - Bräutigam, Günther: Nürnberg als Kaiserstadt, in: Kaiser Karl IV., 1978, S. 339-343. - Erlanger, Herbert J.: Die Reichsmünzstätte in Nürnberg, Nürnberg 1979 (Nürnberger Forschungen, 22). - Haas 1992. - Hirschmann, Gerhard: Nürnbergs Handelsprivilegien, Zollfreiheiten und Zollverträge bis 1399, in: Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte Nürnbergs 1(1967) S. 1-48. - Maas, Herbert: Ist Nürnberg »die Burg des Noro« oder die Burg auf dem Felsberg?, in: MVGN 77 (1990) S. 1-6. - Müller, Helmuth: Die Reichspolitik Nürnbergs im Zeitalter der luxemburgischen Herrscher 1346-1437, in: MVGN 58 (1971) S. 1-101. - Nürnberg. Geschichte einer europäischen Stadt, hg. von Gerhard Pfeiffer, München 1971. - Nürnberg. Kaiser und Reich (Ausstellungskatalog), München 1986 (Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive Bayern, 22). - Pfeiffer,Gerhard/Schwemmer, Wilhelm: Geschichte Nürnbergs in Bilddokumenten, München 1970. - Bayerisches Städtebuch, 1, 1971, S. 388-421. - Stadtlexikon Nürnberg, 1999.