Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NEUMARKT/OBERPFALZ C.7.

I.

Als planmäßig im 12. Jh. angelegter Markt ersetzte das verkehrsgünstig am Schnittpunkt der Handelsstraßen von → Nürnberg nach → Regensburg und von → Ingolstadt nach → Böhmen gelegene N. (Nuwenmarchet, Novum Forum) das benachbarte Berngau als Handels- und Verwaltungsmittelpunkt und erhielt vor 1235 Stadtrecht. Ursprgl. Reichsstadt, kam N. zunächst mit dem Konradinischen Erbe und endgültig 1329 an die Wittelsbacher und wurde Landstadt im Territorium der pfälz. Linie. - D,Bayern, Reg.bez. Oberpfalz, Kr. N.

II.

Nach dem Tod des Kg.s → Ruprecht von der Pfalz 1410 wurde N. Zentralort des aus der Erbmasse neu gebildeten Fsm.s Pfalz-Neumarkt, das Ruprechts zweiter Sohn Johann erhielt, der bereits seit 1404 Statthalter der Oberpfalz gewesen war. Das Territorium umfaßte zunächst neben N. die oberpfälz. Städte und Märkte Cham, Neunburg vorm Wald, Burglengenfeld, Kallmünz, Sulzbach, Auerbach, Roding sowie das Kl. Reichenbach. Pfgf. Johann (1410-43) konnte sein Herrschaftsgebiet in der Oberpfalz v. a. auf Kosten der bayer. Wittelsbacher ausweiten, auch dieHussitengefahr eindämmen (1433 Schlacht bei Hiltersried), allerdings scheiterten seine Pläne, nach dem Tod Kfs. Ludwig III. 1436 die pfälz. Kurwürde zu übernehmen. 1443 folgte ihm sein Sohn Christoph nach, der 1440 aufgrund seiner mütterl. Abstammung zum dän. und schwed., 1441 zum norweg. Kg. gewählt worden war; als er bereits 1448 ohne Nachkommen starb, erlosch jedoch auch das kurze wittelsbach. Kgtm. in Skandinavien. Pfalz-Neumarkt fiel nun an die Linie Pfalz-Mosbach; die Pfgf.en Otto I. (bis 1461) und sein Sohn Otto II. (1461-99) residierten in N. Nach dem Tod Ottos II. fiel das Fsm. zurückan → Kurpfalz.

Nun stand N. als Residenzstadt in letztl. aussichtsloser Konkurrenz zu → Amberg, dem traditionellen Vorort der nunmehr wiedervereinigten wittelsbach. Oberpfalz. Von 1513-43 residierte allerdings mit Pfgf. Friedrich, dem späteren Kfs.en Friedrich II. von der Pfalz (Kfs. 1544-56), ein pfälz. Statthalter vornehml. - und äußerst glanzvoll - in N.

Die N.er Bürgerschaft war bereits in den 1520er Jahren um die Genehmigung der luther. Lehre bemüht, und die evangel. Lehre konnte sich in der Regierungszeit des konfessionell unbestimmten Pfgf.en Friedrich etablieren. In den Jahrzehnten nach der rigorosen Durchsetzung der Reformation durch den Kfs.en Ottheinrich von der Pfalz ab 1556 teilte N. dann die wechselvolle konfessionelle Zuordnung der wittelsbach. Oberpfalz.

III.

Im annähernd quadrat. Grdr. der Stadt mit einem dominierenden Straßenmarkt, der sich von NW nach SO durch das gesamte Stadtgebiet erstreckt, nimmt die Residenzanlage die nordöstl. Ecke ein.

Der ursprgl. von Pfgf. Johann seit 1410 als Res. gestaltete Bau geht auf eine Burganlage aus der Stadtgründungszeit zurück. Als dieser 1520 einem Brand zum Opfer gefallen war, ließ Pfgf. Friedrich an gleicher Stelle u. a. vom Eichstätter Baumeister Erhard Reich eine vierflüglige Residenzanlage im Stil der Renaissance errichten. In einer Bauzeit von 19 Jahren entstand eine der prächtigsten Anlagen dieser Art in Süddtl. Nur bis 1580 als Res. genutzt, büßte der Baukomplex im Rahmen seiner vielfachen Nachnutzungen sowohl weitestgehend seine Innenausstattung, als auch einenbeträchtl. Teil der Bausubstanz ein; dies betrifft insbes. den stadtseitigen Flügel. Der verbliebene Bau wird heute als Gerichtsgebäude genutzt.