MURBACH C.4.1.
Abtei Murbach
I.
Murbach (Vivarium Peregrinorum qui antea appellatum est Murbach, 727), Morbac, 877. - F, Dep. Haut-Rhin, Kanton Guebwiller, Gemeinde M.
II.
5 km nordwestl. von Gebweiler. In einer vom Bach M. durchflossenen Talmulde, am Fuße des Grand Ballon (420 m ü. d. M.). Der ursprgl. Ort, Vivarius Peregrinorum gen., lag möglicherw. stromabwärts. Bis zum 18. Jh. lebte die weltl. Bevölkerung im Weiler Belchenthal, 1 km stromaufwärts.
III.
Der Komplex der Abtei ist von Mauern umschlossen und um die roman. Kirche (ca. 1150) herum zentriert. An sie schließt sich im W der Kreuzgang an, der von den Klostergebäuden umgeben ist (Zeichnungen von Bucelin, ca. 1660). Die Kirche mit ihren lombard., burgund. und rheinländ. Einflüssen gilt als Meisterwerk der roman. Kunst im Elsaß.
Die Klostergebäude fielen am 10. Sept. 1382 einem Brand zum Opfer und wurden anschließend wiederaufgebaut. Im Gegensatz zu allen anderen Kl.n im Elsaß wurde die Abtei nicht von den aufständ. Bauern geplündert. Die Anlage (außer dem Chor) wurde vielmehr von den Geistlichen zerstört, die sie zuerst an derselben Stelle wiederaufbauen wollten (von Cormontaigne wiederaufgebaute Gebäude wurden jedoch schnell wieder zerstört), schließlich aber 1759-64 nach Gebweiler in ein Domherren-Stift übersiedelt. Es existieren keine Überreste von Gräbern der Äbte und Mönche, jedoch ein Denkmal des Gründersder Abtei Eberhard († 749) in einem Wandnischengrab aus der Zeit um 1270.
Schloß Hugstein
I.
Hugstein, Huckstein, huss und schloß (1441), arx (1629). - F, Dep. Haut-Rhin, Kanton Guebwiller, Gemeinden von Guebwiller und M.
II.
Gelegen auf einem Hügel am Eingang der Talmulde von M., auf der Südflanke des Lauchtals, am nordwestl. Ausgang von Gebweiler (389 m ü. d. M.).
III.
Ausgestattet mit einem runden, verkleideten Donjon, mit einem rechteckigen Grdr. und einem niedrigen Hof, der sich vor ihm im O erstreckt, ist das Schloß charakterist. für das zweite Viertel des 13. Jh.s.
Es ist erbaut worden durch Hugo (Abt 1216-36, fälschl. »von Rotenburg« gen.) und bewohnt vom Abt Berthold von Steinbrunn (1262). Ausgestattet war es mit einer i. J. 1313 dem hl. Kreuz und dem hl. Benedikt geweihten Kapelle. Von Conrad Werner Murnhardt (1333-43) und seinem Bruder Andreas, die dort ebenfalls wohnten, wurden Ausbauarbeiten unternommen. Bis Ende des 15. Jh.s scheint das Schloß die übl. Res. der Äbte gewesen zu sein. Bartholomäus von Andlau läßt dort zwei Türme errichten (von denen einer den Eingang beschützte). Er starb dort im Juli 1476 an einer Krankheit (aber die Legendevon Anfang des 16. Jh.s besagt, daß er von einer teufl. schwarzen Katze erwürgt worden sei). Das Schloß wurde 1485 vom Bf. von → Straßburg, Albrecht von Bayern, besucht. Wiederinstandgesetzt von Georg von Masmünster/Masevaux, der von 1516 an dort residierte und das Archiv der Abtei verwahrte. 1543 wurde das Schloß in einem Überraschungsangriff von Heinrich von Jestetten eingenommen, einem glücklosen Kandidaten für die Abtswahl. Es wurde belagert, schließl. vom Abt Johann-Rudolf Stoer zurückerobert und diente bis zum Dreißigjährigen Krieg als Gefängnis. Für das Jahr 1546 wird einBurgvogt erwähnt. 1598 wurde das Schloß durch Blitzschlag beschädigt, möglicherw. noch um 1629 genutzt, als der päpstl. Nuntius aus Luzern kam, um die Disziplin in der Abtei wiederherzustellen.
Gebweiler/Neuenburg
I.
Novum castrum. 1338-42. Städt. Schloß. - F, Dep. Haut-Rhin, canton Guebwiller, Gemeinde Guebwiller.
II.
Am Eingang zum Lauchtal, im SO der ma. Stadt Gebweiler, auf dem zw. 1277 und 1330 errichteten Wall gelegen.
Mit einer geschätzten Bevölkerung von ca. 1500 Einw.n am Ende des MA, die zum Großteil vom Weinbau lebte, hatte sich die Stadt um einen Kern herum entwickelt, den die roman. Pfarrkirche (c. 1181-1220) Saint-Léger (Leodegar) und das achteckige Schloß, gen. Burgstall, ca. 1230, in den Händen der Lehensleute der Abtei, bildete. Sein Grdr. ist rechteckig. Zugängl. von der Herrengasse aus, ergänzt die umschlossene Fläche der Neuenburg ein neues Viertel, das in Richtung der Ebene angelegt ist, ungefähr 800 m vom alten Stadtkern entfernt. Diese nur schwach besiedelteUnterstadt beherbergte eine Komturei des → Deutschen Ordens, ein 1294 gegründetes und im ersten Drittel des 14. Jh.s erbautes Dominikanerkl. sowie ein Dominikanerinnenkl. (Engelpforten).
Die Bürger haben ihren Stadtrecht i. J. 1275 vom Abt Berthold von Steinbrunn erhalten. Sie blieben unter der Herrschaft der Abtei bis zum Jahre 1789. Abt Berthold bemächtigte sich unter nicht bekannten Umständen i. J. 1285 der Stadt (viell. bei der Gelegenheit eines Konflikts mit dem städt. Adel, der den Rat dominierte). Im Jahr 1448 ließ Abt Bartholomäus durch eine Pforte des Schlosses Neuenburg, die auf die Außenseite der Wälle hinausging, Soldaten ein, mit deren Hilfe er die Stadt zurückerobern konnte, die sich ein Jahr zuvor erhoben hatte. Die Erinnerung an dieses Ereignis erscheint inden Klageschriften von 1525: die Bürger verlangen die Abschaffung dieser Ausfallpforte. Wahrscheinl. wurde das Schloß bei dieser Gelegenheit besetzt, aber nicht geplündert.
Die Funktion des Schlosses als Res. erscheint bescheiden. Der Abt residierte dort nur zu seltenen Gelegenheiten (außer im Kriegsfall?). Im 16. und 17. Jh. empfing das Schloß den Besuch der Kommendataräbte wie bspw. des Kardinals Andreas von Österreich - dessen Hof einen Skandal hervorruft (1590) - und Franz Egon von Fürstenbergs mit 160 Adligen und 300 Pferden i. J. 1665. Nachdem das Schloß den ksl. Truppen als Herberge gedient hatte, wurde es 1637 von den »Schweden« in Brand gesteckt.
III.
Die Neuenburg stützte sich wahrscheinl. auf den Wall der Stadt und hatte die Form eines großen, rechteckigen Gebäudes, ausgestattet mit einem Flügel, der möglicherw. in der Neuzeit eine Kapelle beherbergte und mit einem runden Turm versehen war. Der umschlossene Raum umfaßte einen Hof zur Stadt hin und schloß viell. auch die Kanzlei des 16. Jh.s ein. Außerhalb, zur Ebene hin, könnte ein Park gelegen haben.
Die ursprgl. Konstruktion ist das Werk des Abts Conrad-Werner Murnhardt aus der Zeit von 1338-42. Ihre völlige Wiederherstellung wurde vom barocken Architekten Peter Thumb von Bregenz auf Befehl des Abts Philipp von Löwenstein in den Jahren 1715-26 unternommen. Die benediktin. Mönche richteten sich vornehml. in der alten Abtei ein, die 1759 dorthin verlegt, dann in ein Domherrenkapitel umgewandelt wurde (1764). Der Bau der Stiftskirche Saint-Léger und Saint-Louis durch die Architekten Beuque und Ritter (von 1761 an) auf dem freien Gelände in der Nähe der Neuenburg wurde vom Bau der Häuserder Kanoniker begleitet. Der Ort war der glänzendste Bauplatz im Elsaß des ausgehenden 18. Jh.s., dann allerdings am 27. bis 29. Juli 1789 der Willkür der aufständ. Bauern des alten Fsm.s überlassen. Zeitweilig in eine Manufaktur für Baumwollstoffe umgewandelt, wurde das Schloß im 19. Jh. zum Wohnsitz einer Industriellenfamilie ausgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm es ein Lehrerinnenseminar auf und gehört noch immer zur Pädagogischen Hochschule.
Quellen
Inventaire des Monuments et richesse artistique de la France, Canton de Guebwiller, Paris 1973.
Literatur
Bischoff, Georges: Guebwiller au Moyen Age, in: Annuaire de la Société d'Histoire des régions de Thann-Guebwiller 10 (1973-74) S. 95-119 und 11 (1975-76) S. 27-40.