Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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MÜNCHEN C.7.

I.

Kurzangaben zur Lage: - Der Residenzkomplex liegt im NO der ältesten Stadt, und zwar am Stadtrand, begrenzt durch den Pfisterbach (Nebenbach der Isar). Schon die offenbar älteste Herzogsburg, der sog. Alte Hof, bildete eine Ausbuchtung in der sonst eiförmigen ersten Stadtanlage. Die späteren Res.en setzten sich nach N fort, dazw. liegend das Franziskanerkl. (heute Raum Staatsoper, Max-Josephs-Platz). - zugehörige Herrschaften: bis 1505 wittelsbach. Teilhzm. Oberbayern, dann (Gesamt-)Hzm. Bayern (seit 1623 Kfsm.), 1806 Kgr. Bayern - Nähere Bezeichnung der Res.:1. älteste Anlage: Stadtrandburg, 2. Neuveste: (Wasser-)Schloß, zunächst außerhalb der Mauer, 3. Neue Res. (seit Ende 16. Jh./Anfang 17. Jh.) mit Hofgarten (letzterer außerhalb der Stadtmauer). Alle Anlagen dienten - je nach Zeit - als Hauptsitz des wittelsbach. Herzogsgeschlechts.

II.

M. liegt auf einer eiszeitl. Schotterfläche, wenige Kilometer unterhalb der Öffnung des engen und steilen Isartals bei Thalkirchen. Nur noch östl. der Isar bleiben Hochufer. Die östl. Hochterrasse enthält Lößlehminseln (Berg am Laim, Haidhausen), die die Ziegelbausteine für die Stadt M. lieferten.

Seit der Marktgründung M.s 1157 (?) existierte eine Isarbrücke (mit Zoll; jetzt Ludwigsbrücke), während heute rund zwei Dutzend große Brücken im Stadtgebiet über die Isar führen. Die O-W-führende Salzstraße Bad Reichenhall-Landsberg-Schwaben wurde bestimmend für den raschen wirtschaftl. Aufstieg M.s (Salzstapelrecht); Italienwaren, Baumaterialien (Steine, Holz), kamen per Floß auf der Isar.

Im Rahmen der territorialen Ämterorganisation hatte M. bis in das 19. Jh. eine ausgesprochene Randlage: Im NW reicht das LG Dachau fast vor die Tore der Stadt, im SW das jüngere LG Starnberg (= ehem. andechs. Herrschaftsgebiet), im O das LG Wolfratshausen (ehem. andechs. Herrschaftsgebiet), im NO das LG Erding (ehem. Officium → Landshut). Dies zeigt, daß M. zw. den Herrschaftsfronten gegr. worden sein muß.

Agrar. Vorläufer der Marktanlage scheint »Altheim« (»Altheimer Eck«, »Hofstatt«) am Westrand des ältesten Stadtbereichs gewesen zu sein.

Markt, Münze, Zoll: Seit der Marktgründung (vor 1158) ist der heutige Marienplatz offensichtl. eine zu einem großen Rechteck verbreiterte Straßenmarktanlage, meist »der Platz«, »Schrannenplatz« gen. Die Burgstraße führt von hier unmittelbar zum hzgl. »Alten Hof«.

Neben dem allg. Markt gab es als ›Sondermärkte‹ den Weinmarkt (heute Weinstraße) und den Rindermarkt. Zentrale Rolle auf dem Markt spielten Salz- und Getreidehandel; der tägl. »Markt« lag an der Ostecke. Um das anschließende Alte Rathaus fanden sich die Tuchhändler. Der Marienplatz war gleichzeitig Fest- und Turnierplatz.

Die Münze, einzige Prägestätte Oberbayerns südl. der Donau, befand sich bis 1294 auf dem Markt, wurde dann nach Bürgerunruhen in den Umkreis der hzgl. Hofhaltung verlegt (Münzstraße im Stadterweiterungsbereich).

Zoll wurde bei den Toren erhoben, der Großzoll am westl. Neuhäusertor (heute Karlstor). Der Brückenzoll war offensichtl. im 13. Jh. in der Hand des Freisinger Bf.s. Die M.er Zolleinnahmen waren beträchtlich.

Kaufleute: an der Spitze der reichen Fernkaufleute standen die Salzhändler.

Landtage: seit 1240 häufig bezeugt, bisweilen im Alten Rathaus, ab 16. Jh. in eigenem Landschaftshaus (Landständehaus) am Marktplatz (abgerissen für Ostabschluß des Neuen Rathauses).

M. gehörte zur Diöz. → Freising (seit 1817 Ebm. M.-Freising), war Mitte 12. Jh. Pfarrei, früh eigenes Dekanat, später Archidiakonat. Erste Pfarrkirche: St. Peter, zweite Pfarrkirche: seit 1271 St. Marien (seit 1495 Kollegiatstift, heute Domkirche).

Der Plan Hzg. Wilhelms V., 1583 ein eigenes Stadtbm. M. zu gründen, scheiterte.

Der Wandel der bäuerl. Siedlung M. zum Markt begann kurz vor 1158 mit der zwangsweisen Straßenverlegung an diese Stelle durch Hzg. Heinrich den Löwen. Diese Veränderung des Flußübergangs von Oberföhring (Römerstraße) nach M. war nicht geograph. bedingt, sondern territorialpolit. motiviert. Während Föhring mit Markt, Zoll und Brücke freising. war, konnte der Hzg. einen eigenen Verkehrs- und Wirtschaftsschwerpunkt der Salzstraße Reichenhall-Wasserburg-Landsberg schaffen und damit eine ›territoriale‹ Machtlücke schließen. M. hatte für die spätere Residenzbildung der Wittelsbacher, dieseit 1240 die Stadt innehatten, geograph. und polit. Vorzüge. Das südl. der Stadt enge Isartal öffnet sich trichterförmig nach N., wobei Nebenbäche der Isar bis zur östl. Stadtmauer und zur Herzogsburg reichten. Dem profitablem O-W-Verkehrsweg entsprach auf der Isar der Floßverkehr aus den Alpen (wichtige Floßlände).

Spannungen zw. Res. und Stadt artikulierten sich meist im Zusammenhang mit innerdynast. Konflikten. Erstmals zeigen sie sich 1294 wg. einer Münzmanipulation des Hzg.s, in deren Verlauf die Münzschmiede zerstört und der Münzmeister getötet wurde. Daraufhin verlegte der Hzg. die Münze in den Umkreis der Hofhaltung.

1384 wurde der Ratsherr und Tuchhändler Impler von der Bürgerschaft hingerichtet wg. Konspiration mit den Hzg.en, worauf die Hzg.e die Stadt belagerten. Nach dem Gnadeersuchen der Bürgerschaft mußte die Stadt 6000 fl. Sühnegeld zahlen. Es scheint, daß der Bau der Neuveste außerhalb der Mauern eine Folge dieses Konflikts war.

Durch wachsende Verschuldungen, Geldforderungen, Landesteilungen und Bruderzwist in der Hzgs-Familie kam es in der sog. Vierherzogszeit zu einer krisenhaften Zuspitzung in M., wo sich seit 1397/98 innere Unruhen mit dem ehrgeizigen Ringen der Teilhzg.e zu einem gefährl. bayer. Hauskrieg aufs engste verknüpften.

Der Markt M. scheint sich rapide entwickelt zu haben. 1180 gelang es dem → Freisinger Bf. trotz ksl. Zustimmung nicht, seinen Markt Föhring durch Ausschaltung M.s (oder nur dessen Münze?) zu reaktivieren. Die M.er cives - viell. primär die Salzhändler - blieben erfolgreich. Dem entsprach das rasche Wachstum und die Anziehungskraft der Stadt. M. erhielt bereits 1273 eine zweite Pfarrei nördl. der Linie Marienplatz-Kaufingerstraße-Neuhauserstraße. Es ist die Pfarrei der schon existierenden Marien-(Frauen-)Kirche. Als Begründung für derenNotwendigkeit nennt die Urk., daß die Stadt ad immensum gewachsen sei. Dem entspr. wurde M. bis zur Mitte des 14. Jh.s allein dreimal erweitert. Nicht von ungefähr haben seit dem 14./15. Jh. die meisten alten Kl. Oberbayerns ihre Stadthäuser in M.

In der Frühzeit werden v. a. Tuchhändler, Salzsender und Weinhändler sichtbar. Im Salbuch des oberen Viztumsamts Hzg. Ludwigs II. (Ende 13. Jh.) begegnen potente M.er Händler und Handwerker (Bäcker, Metzger) als wichtige Hoflieferanten.

Fern- und Großhandel, darüber hinaus auch Geldgeschäfte begründeten den Reichtum des M.er Patriziats, einer Schicht von etwa 20 eng miteinander versippten Familien, die wirtschaftl. und politisch, auch gesellschaftl. die Führung in der Stadt innehatten. Im 15. Jh. waren einige auch an Silber- und Kupferbergwerken in Tirol beteiligt.

Ihre Gewinne legten diese Patrizier in Grundbesitz, Ewiggeldern und Leibrenten an. Um 1400 hatten sie allein im LG Dachau bereits 35% des Grundbesitzes in der Hand. Im 15. Jh. besaßen sie eine Reihe von Hofmarken. Im 16. Jh. drängten M.er Patrizier zunehmend in den Hofdienst.

Der Reichtum der Stadt läßt sich schließl. auch in städt. Jahressteuern für den Landesherrn ablesen. M. zahlte 1291 als Maisteuer 400 Pfd. Regensburger Pfge, 1292 als Herbst- bzw. Wintersteuer ebensoviel, 1294 bei Mai- und Herbstbesteuerung sogar jeweils 1200 Pfd. M.er Pfge. Ab 1315 erfolgte eine Pauschalierung auf 600 Pfd. M.er Pfge.

Trotz dieser Begrenzung brachte M. im MA weitaus die größten Stadtsteuerbeträge für den oberbayer. Landesteil auf.

Nach der erneuten Konsolidierung und dem Ausbau der geradezu reichsstadtähnl. bürgerl. Stadt im 15. Jh. trat im 16. Jh. zunehmend die »fürstliche« Stadt in den Vordergrund, wobei auch viele hochangesehene Patrizier in den Hofdienst übergingen. Die Präsenz des fsl. Hofes macht sich in der Berufsdifferenzierung stark bemerkbar. Die zweite Hälfte des Jh.s ist geprägt von einer breiten evangel. Bewegung in M., die durch die hzgl. Obrigkeit strikt gestoppt wurde, so daß nicht wenige der reichen Händler in benachbarte Reichsstädte auswanderten. Teuerungs- und Versorgungsprobleme beherrschtenzunehmend das städt. Leben.

Einschneidend ist die Verstaatlichung des Salzhandels seit 1587, verstärkt seit 1597. Der Verdienstausfall im M.er Handels- und Transportgeschäft war nach diesem staatl. Akt beträchtlich. Dazu kam noch eine weitere Maßnahme, näml. die landesherrl. Bierpolitik, die durch den Aufbau des M.er Hofbräuhauses 1589 den M.er Brauern erhebl. Konkurrenz bereitete. Verschärt wurde die Situation durch die Monopolisierung des obergärigen Weißbiers. Nach dem Aussterben der Degenberger, des einzigen Adelsgeschlechts, das Weißbier braute, übernahm Hzg. Maximilian I. 1602 deren Weißbierbraurecht als fsl.Regal und verbot auch den Import von Weißbier. Dieser hemmende fiskal. und monopolit. Einfluß des bayer. Staates zeitigte tiefgreifende Spuren gerade in der Hauptstadt, die noch verstärkt wurden durch den folgenden Dreißigjährigen Krieg.

III.

M. entwickelte sich seit Mitte 13. Jh. zur immer mehr bevorzugten Pfalz der Wittelsbacher, dann vom endenden 13. Jh. bis 1505 zum Vorort und zur Res. Oberbayerns, d. h. im wesentl. des Westteils der Hzm.s. Schon den frühen wittelsb. Hzg.en war es gelungen, ihre Herzogsherrschaft in ein mächtiges Territorialfsm. umzuwandeln. Bei der ersten Herrschaftsteilung 1255 erhielt Ludwig II. die rhein. Pfalz und das westl., »obere« Bayern, das vom Oberpfälzer Wald bis zu den Kitzbüheler Alpen reichte. Dieser Raum war mit nur wenigen anderen Herrschaften durchsetzt,die zunehmend verschwanden. Weitere Teilungen und Hauskriege des 14./15. Jh.s schwächten dieses Gebilde nur partiell. Nach dem Aussterben der niederbayer. (Landshuter) Linie wurde M. 1505 zur Hauptstadt des gesamten Bayern.

Sog. »Alter Hof« am NO-Rand der ältesten Stadt, offensichtl. in 2. H. 12. Jh.s von Hzg. Heinrich dem Löwen erbaut, wird von der ältesten Stadtmauer umgrenzt. Ursprgl. Bergfried (Wohnturm?) nicht mehr vorhanden

Seit der wittelsbach. Landesteilung von 1255 bahnt sich die Ausbildung des später sog. AH zum Vorort, zur festen Res. der wittelsbach. Linie Kurpfalz-Oberbayern an (1259 Hochzeit der Wittelsbacherin Elisabeth, Wwe. des Stauferkgs. → Konrad IV. mit Gf. Meinhard von Görz-Tirol in M.). In den Jahren 1291-94 läßt sich eine forcierte Residenzbildung in M. erkennen. Hzg. Ludwig II. hatte zudem 1282/84 das Franziskanerkl. in die Nähe des Hofes verlegt. Sein Sohn Hzg. Rudolf (1294-1319) führte diese Residenzbildung seines Vaters konsequent weiter.

Im ersten schriftl. Stadtrecht M.s, dem Rudolfinum von 1294, werden bereits hzgl. Hofrat, hzgl. Kastner und hzgl. Stadtrichter gen., deren Sitz im AH anzunehmen ist. Auch der Viztum von Oberbayern, Stellvertreter des Hzgs, seit 1263/1280 belegt, war offensichtl. genau wie die Herzogskanzlei im AH angesiedelt. Während wir über den sicher erfolgten Ausbau des AH im 14. Jh. - wenn wir von der Hofkirche St. Laurentius absehen - kaum unterrichtet sind, tritt der Ausbau unter Hzg. Sigmund (1460-67) stark hervor. Er ließ im AH seine Ahnherren, angefangen vom sagenhaften Hzg. Bavarus, in einerBilderfolge darstellen (heute Bayerisches Nationalmuseum).

Die seit 1396 erscheinende Bezeichnung für den Burgkomplex als AH (Alte Veste) signalisiert, daß in M. bereits ein neuer Hof vorhanden war, die sog. »Neuveste«, eine Wasserburg, die erstmals 1397 bezeugt, aber wohl schon ein Jahrzehnt älter ist. Sie lag nördl. des AH, aber außerhalb der Stadtmauer, offenbar aus Sicherheitsgründen.

1397 diente sie bereits (kurzfristig?) als Res. für Hzg. Stephan den Kneißl und seinen Sohn Ludwig den Gebarteten, während Hzg. Ernst, der Bruder Stephans, 1398 im AH residierte. Offensichtl. führte aber der Konflikt zw. den hzgl. Brüdern um 1400 dazu, daß die NV jahrzehntelang keinen Residenzcharakter mehr hatte. 1439 wird sie als Sitz der Hzg.in bezeichnet, während die hzgl. Brüder 1466 die NV nur kurzfristig bewohnen durften. Als Hzg. Albrecht IV. 1487 die Kaisertochter Kunigunde heiratete, wurde die NV wieder Sitz der Hzg.in und ihres Hofstaats. Erst unter Hzg. Wilhelm IV.(1511-50) war sie Hauptres., ohne daß der AH seine Funktionen ganz verlor.

Nach 1550 wurde die NV durch Hzg. Albrecht V. (1550-79) zur prachtvollen Renaissance-Res., deren Festräume durch die Mielich-Illustrationen bildl. überliefert sind.

Nachdem durch Aussterben der niederbayer. Linie und den Landshuter Erbfolgekrieg 1505 die Landesteilung aufgehoben wurde, konnte M. mit Hilfe des Primogeniturgesetzes 1506 auch formell zur Residenzstadt des ganzen Hzgtm.s Bayern werden. Die darauf folgende verstärkte Instrumentalisierung der Staatlichkeit im 16. Jh. führte zunächst zu einem Verrechtlichungsprozeß unter Wilhelm IV., zur Ausbildung von Zentralbehörden (Geheimer Rat, 1550 Hofkammer, 1551 neuer Hofrat, 1556/57 Religions- und Geistlicher Lehensrat, 1570 Geistlicher Rat) und damit zur Neubestimmung des AH. Diese Zentralbehördenhatten hier ihren Sitz. 1579-81 läßt Hzg. Wilhelm V. hier als repräsentativen Neubau die Hofkammer als oberstes Finanzgremium des Hzm.s errichten. Das Gebäude diente bis 1770/80 auch als Archiv und Bibliothek.

Die zweite Hälfte des 16. Jh.s ist in M. und Bayern geprägt durch konsequente Gegenreformation und kirchl. Erneuerung seitens der Hzge, durch frühabsolutist. Zentralisierung, aber auch durch geradezu expansiven Residenzausbau sowie durch Kunstförderung und Sammlertätigkeit der prachtliebenden Fs.en. Hzg. Albrecht V. (1550-79) baute zunächst die NV weiter aus, schuf 1563-67 durch Wilhelm Egkl das Kunstkammergebäude mit Marstall (heute Landesamt für Denkmalpflege) unweit des AH und ab 1568 das »Antiquarium«, das im Erdgeschoß die hzgl. Antikensammlung, im Obergeschoß die hzgl. Bibliothekaufnehmen sollte.

Sein Sohn Hzg. Wilhelm V. schuf 1581 den Grottenhoftrakt neben dem Antiquarium, dazu den Schwarzen-Saal-Bau, den Witwenbau und den »Erbprinzenbau«, errichtete aber auch als »Neue (Privat-)Residenz« unmittelbar neben dem von ihm geschaffenen Jesuitenkomplex die sog. »Wilhelminische Veste« (später »Herzog-Max-Burg«) im W der Stadt. Als der Schuldenberg Hzg. Wilhelm V. 1594 zum Rücktritt zwang, übernahm sein Sohn Maximilian I. die Herrschaft und die Projekte des Vaters, die er weitgehend umformte.

Maximilian I. wurde zum eigentl. Schöpfer der neuen Res., die sich zunächst an die Schwabinger Gasse (heute Residenzstraße) heranschob, wobei er führende Baumeister und Künstler beauftragte. V. a. das zweite Jahrzehnt des 17. Jhs zeigt großzügige Neuplanung: Hofdamenstock, Reiche Kapelle, Geviert des Kaiserhofs mit Kaisertreppe (1616 vollendet) und die sog. Trier-Zimmer, Küchen- oder Apothekenhof, neue Fassade an der Residenzstraße. Um 1618 ist diese Res. vollendet, ein als einzigartig bewunderter Prachtbau des frühen 17. Jh.s.

Da für Hof und Res. die Hofjagd eine enorme Rolle spielte, sind die großen Forsten westl., südl. und östl. der Stadt M. mit ihren hzgl. Jagd- und Lustschlössern Grünwald (seit 1288 bezeugt; im 14. Jh. Sitz des oberbayer. Jägermeisters), Blutenburg in der Hofmark Menzing (15. Jh.), Starnberg (seit 15. Jh.), Dachau (von Hzg. Albrecht V. zum Schloß ausgebaut), Laufzorn (16. Jh.), Altes Schloß Schleißheim (16./17. Jh.) zu nennen.

Bes. prägend für die Herrschaftsdemonstration im Rahmen der Residenzstadt waren folgende Kirchen bzw. Kl.: Franziskanerkl.; Pfarrkirche Unserer Lieben Frau (heute Dom) als wittelsbach. Grablege und Herrschaftskirche (seit 14. Jh.), nach dem Neubau des 15. Jh.s Errichtung des hzgl. Kollegiatstifts zu Unserer Lieben Frau (1492); Hofkirche St. Laurentius im AH, Hofkapelle (mit Bruderschaft) St. Georg in der NV (Ende 15. Jh.), Hofkirche Hzg. Maximilians in der Res.; St. Michaelskirche der Jesuiten in der Neuhauser Straße als ›Monumentum‹ der Dynastie (Kirchenfront als Selbstdarstellung derVorfahren des Gründers Wilhelm V. und der wittelsb. Dynastie). Diese prächtige Kirche, erster kirchl. Großbau nach der Reformation überhaupt, war »in gleicher Weise Denkmal des Selbstverständnisses des Herrscherhauses wie die Residenz« (W. Braunfels).

Quellen

Verwendete Abk.: AH - Alter Hof; NV - Neuveste; LG - Landgericht. - Altbayern von 1550-1651, bearb. von Walter Ziegler, 2 Bde., München 1992 (Dokumente zur Geschichte von Staat und Gesellschaft in Bayern, 1,3/1-2). - Chronik der Stadt München. Herzogs- und Bürgerstadt. Die Jahre 1157-1505, hg. von Helmut Stahleder, München 1995 [Regesten]. - Dirr: 1934/36. - Wittelsbachische Regesten, 1854.

Bastert, Bernd: Der Münchner Hof und Fuetrers ›Buch der Abenteuer‹, Frankfurt/Main 1993. - Burmeister 1999. - Geschichte der Stadt München, 1992, S. 13-130. - Haeutle, Christian: Die fürstlichen Wohnsitze der Wittelsbacher in München, Bamberg 1892 (Bayerische Bibliothek, 27/28). - Hoffmann, Carl A.: Landesherrliche Städte und Märkte im 17. und 18. Jahrhundert, Kallmünz 1997 (Münchener historische Studien. Bayerische Geschichte, 16). -Kramer 1999. - Meitinger, Otto: Die baugeschichtliche Entwicklung der Neuveste. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchner Residenz, München 1970 (Oberbayerisches Archiv, 92). - Morsak 1984. - Schaffer, Rudolf: Die Entwicklung des mittelalterlichen Grundrisses der Stadt München, in: Häuserbuch der Stadt München I, München 1958, S. VII-XVII. - Schattenhofer, Michael: Die Wittelsbacher als Stadtherren in München, in: Oberbayerisches Archiv 109/1 (1984)S. 39-52. - Schmid 2000. - Störmer 1987. - Störmer 1999.