MEISENHEIM C.7.
I.
Meysinheim (1154); villa dicta M. (1315); Meysinheim (1350); Meysenheym (1485) - Burg und Stadt - Fsm. Pfalz-Zweibrücken - Haupt- und Nebenres. (Damenres.) - D, Rheinland-Pfalz, Reg.bez. Koblenz, Landkr. Bad Kreuznach.
II.
M. liegt am Glan, einem Nebenfluß der Nahe und war Kreuzungspunkt mehrerer Straßen, die seit der Römerzeit nachgewiesen sind. Eine Straße führte aus → Mainz über Bingen und Kreuznach weiter nach W; eine andere folgte dem Glantal, eine weitere verband die Siedlungen im Umkreis von M.
M., das sich ursprgl. im Besitz der → Mainzer Ebf.e befand, war von 1154 bis 1444 Sitz der Gf.en von Veldenz (→ Pfalz-Veldenz), deren Territorium beiderseits des Flusses Glan, zum größeren Teil aber auf seinem Ostufer lag. Die Gf.en von Veldenz (→ Pfalz-Veldenz) errichteten auf einem Bergsporn westl. des Glans eine Burg und machten sie um 1200 zu einem ihrer Hauptsitze. M. war seitdem Verwaltungsmittelpunkt für die Veldenzer Besitzrechte im Nahe-Glan-Raum und im Westrich um Kusel und Baumholder. Im Schutz der Burg entstand die Siedlung, der 1315 das Rechtder Stadt Oppenheim verliehen wurde.
Die Gft. Veldenz (→ Pfalz-Veldenz) kam durch Heirat um die Mitte des 15. Jh.s an den Pfgf.en Stephan und wurde damit zu einem Teil des Territoriums Pfalz-Zweibrücken, in dem sie mit dem Verwaltungszentrum und der zeitweiligen Nebenres. M. bis zum Ende des alten Reiches ein Oberamt bildete. Hzg. Stephan hielt sich vorwiegend in M. auf. Auch Stephans Sohn Ludwig I. trifft man zunächst in M. an, wo Stephan die Burg der Veldenzer zu einem stattl. Schloß (»Stephansstock«) erweitern ließ. Der »Stephansstock« brannte 1734 aus und wurde nicht mehr aufgebaut. Im Nov. 1479 legteLudwig den Grundstein zur spätgot. Schloßkirche, dem Wahrzeichen der Stadt. Die Planung und Bauleitung wurde Philipp Gmünd übertragen, die Weihe erfolgte 1504. Stephan wurde in der Stephansgruft vor dem Altar, Ludwig I. in der seitl. des Chors angelegten Grabkapelle bestattet (Ludwigsgruft).
In krieger. Auseinandersetzungen zw. Ludwig I. und dem pfälz. Kfs.en Friedrich dem Siegreichen hatte M. 1461 erhebliche Schäden erlitten. → Zweibrücken tritt zunehmend in den Vordergrund und wird Residenzstadt.
M. konnte jedoch seine Vorrangstellung vor anderen Städten des Fsm.s bewahren. Die landesherrl. Münze befand sich in M. und arbeitete dort mit geringen Unterbrechungen bis 1625, während → Zweibrücken erst 1589 eine eigene Münze erhielt. 1553 wurde M. Sitz der Verwaltung des hzgl. Silber- und Quecksilberbergbaus. Wolfgang ermöglichte durch die Eröffnung des Moscheler Silberbergbaus und der M.er Münzstätte in der »Badstub im Spitall« den Wohlstand in der Stadt; davon zeugen nicht nur die erhaltenen Wolfgang-Taler, sondern auch das stattl. Patrizierhaus, das der BergbaudirektorThayn damals nach Nürnberger Vorbild in der Untergasse errichten ließ. In der Obergasse bauten adlige Familien aus der Umgebung - die Frh.en Boos von Waldeck, die Herren von Stein-Kallenfels und von Kellenbach, die Vögte von Hunolstein - ihre burgartigen Stadthäuser. In der Untergasse schufen sich die selbstbewußt gewordenen Bürger ihr spätgot. Rathaus. Etwas jünger ist ein prächtiger Renaissancebau am Marktplatz, dessen ursprgl. Zweckbestimmung nicht mehr festzustellen ist (seit 1705 Apotheke). Das Verbindungsstück zw. Schloßbereich und Bürgerstadt ist das künstl. bemerkenswerte »GelbeHaus« (gen. nach dem gelben Anstrich des 18. Jh.s), das nach mündl. Überlieferung ursprgl. als Sitz der Johanniterkomturei errichtet wurde und später der hzgl. Verwaltung als Landschreiberei diente.
III.
Die Stadt M. mit ihrem Schloß, von dessen Bauten ledigl. der »Magdalenenbau« noch heute steht, wurde Witwensitz der Zweibrücker Fs.innen. Das M.er Schloß müßte seiner Bestimmung nach eigtl. »Wittumspalais« heißen. Es wurde 1614 für die Wwe. Johanns I. erbaut. Dieser - Sohn und Nachfolger Wolfgangs - war 1588 zum calvinist. Bekenntnis übergetreten und hatte 1578 eine Tochter Wilhelms des Reichen, des mächtigen Hzg.s von Jülich und Kleve (→ Jülich und Kleve), geheiratet. Nach ihr hieß dieser östl. Anbau des Schlosses »Magdalenenbau«;dieser Bau allein hat alle anderen Schloßbauten überdauert. In seinen Mauern hielten ein Jh. lang nacheinander vier Wwe.n der pfalz-zweibrück. Hzg.e allen Schrecken der Kriege des 17. Jh.s, der Besatzung, der Pest und der bitteren Armut, stand.
Quellen
Wie im Falle → Bergzaberns sind keine gedruckten Quellen zu nennen und auch hier ist auf die pfalz-zweibrück. Überlieferung des LA Speyer (LASp B 2) hinzuweisen, speziell zu den kirchl. Verhältnissen in M. auf Bestände des LHA Koblenz (in der Hauptsache aber 16./17. Jahrhundert).
Literatur
650 Jahre Stadt Meisenheim. 650 Jahre Stadtrechte 1315-1965, Meisenheim 1965. - Drescher, Karl-Heinz: Meisenheim am Glan. Ein Gang durch die Jahrhunderte, hg. durch die Sparkasse Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1974. - Die Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach, bearb. von Walter Zimmermann, Düsseldorf 1935 (1. Abt. der Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 18). - Lurz, Meinhold: Meisenheim - Architektur und Stadtentwicklung, Meisenheim 1987. - Vogt, Werner.Meisenheim am Glan als Zweitresidenz der Wittelsbacher Herzöge und Pfalzgrafen von Zweibrücken, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 19 (1993) S. 302-324.