MEERSBURG C.3.
I.
Merspurc, Mersburch, Mersbourg, Moerspurg - Burg, Stadt (1299), Schloß - Hochstift Konstanz - Burg und Neues Schloß - Res. von der Reformation (1526) bis zur Aufhebung des Hochstifts (1802). - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Tübingen, Bodenseekr.
II.
Die M. befindet sich auf einem 90 m langen, bis zu 50 m breiten Sporn oberhalb des Bodensees, der am gegenüberliegenden Ufer des Bischofssitzes Konstanz gelegen ist. Die Burg auf dem schon lange zuvor besiedelten Platz kontrollierte die Fähre sowie die nach Oberschwaben und Ulm weiterführende Straße. Ebenso umstritten wie merowingerzeitl. und frühma. Vorläuferbauten der Burg ist die Frühgeschichte der Stadt: Mit dem am 27. Aug. 988 erwähnten Meresburg ist wohl nicht M. zu identifizieren, womit die Stellung von M. als kgl. Ort undKönigspfalz fragl. wird. Unsicher ist zudem, wie alt die bfl. Rechte an M. sind, eine Herrschaftsintensivierung der Konstanzer Bf.e wird erst mit dem Einzug des bfl. Lehens nach dem Aussterben der Gf.en von Rohrdorf-Meßkirch 1210 und dem ersten belegten Aufenthalt eines Konstanzer Bfs. 1215 faßbar. 1233 erwirkte Bf. Heinrich von Tanne (1233-48) ein kgl. Wochenmarktsprivileg für M. als Konkurrenzgründung zu Konstanz, 1299 wurde M. das Ulmer Stadtrecht verliehen; die bfl. Stadt erfuhr durch Bf. Heinrich von Klingenberg (1293-1306) zudem einen bedeutenden Ausbau. Im 14. Jh. konnte M. zahlr.weitere bfl. Vergünstigungen erlangen, in den Auseinandersetzungen zw. Bürgerschaft und Bf. im 15. Jh. setzte sich schließl. der Stadtherr durch. Die Verlegung der Res. nach M. am 24. Aug. 1526 führte zu einem weiteren wirtschaftl. Aufschwung der Stadt, die zunehmend den Charakter einer bfl. Residenzstadt bekam.
III.
Es existiert bislang »keine exakte baugeschichtliche Untersuchung« (Schneider 1989, S. 592) der Burg, als wahrscheinl. darf gelten, daß der 10 m × 11 m große Bergfried mit einer Mauerstärke von bis zu 3 m nicht vor dem 12. Jh., wohl um 1150 entstanden ist, Palas und Ringmauer sind möglicherw. ebenfalls dem 12. Jh. zuzurechnen. Die chronikal. überlieferten spätma. Umbauten unter Eberhard von Waldburg (1248-74), Nikolaus von Frauenfeld (1334-44) und Eberhard von Brandis (1357-83) sind nicht in jedem Fallnäher zu fassen. Im ersten Jahrzehnt des 16. Jh.s folgte mit der Aufstockung des Bergfrieds, dem Bau der flankierenden Rundtürme und des Torbaus ein tiefgreifender Umbau durch Hugo von Hohenlandenberg (1496-1532). 1570 fand mit dem Bau der zweischiffigen Halle des Fürstensaals und des Hauptportals die letzte wesentl. Umgestaltung der M. statt, 1593 ließ Bf. Andreas von Österreich (1589-1600) neben der Burg einen Lustgarten bauen. Über die Raumstruktur gibt erst ein Plan von 1740 Auskunft.
Auch wenn die Bf.e der Mitte des 13. Jh.s, Konrad von Tegerfelden (1208-33), Heinrich von Tanne und Eberhard von Waldburg, neben → Konstanz in M. am häufigsten belegt sind, fungierte die Burg in der Folgezeit, wie auch die Belagerung → Ludwigs des Bayern 1334 zeigt, ledigl. als milit. Stützpunkt und Sitz eines bfl. Vogtes. Aufenthalte sind nur selten belegt, M. im MA für »the leading private episcopal residence after Constance in the later Middle Ages« (Tyler 1999, S. 58) zu halten, muß als unbewiesen gelten.
Erst mit dem auf die Eroberungen der Eidgenossen reagierenden Umbau Hugos von Hohenlandenberg wurde aus der Burg eine Res. Als Ort einer neuen Res. kamen angesichts der Ausweitung der eidgenöss. Einflußzone und der Reformation in Konstanz nur das 1414 endgültig ans Hochstift gekommene Markdorf - das dortige Schloß hatte Bf. Hugo kurz vor seiner M.er Bautätigkeit weitgehend neu errichtet - oder M. in Frage. 1526 verließ Bf. Hugo die Stadt → Konstanz, aber bereits 1551 konnten Bf., Domkapitel und Verwaltung wieder in das inzw. österr. gewordene → Konstanzzurückkehren. Während die geistl. Verwaltung bis zur Aufhebung des Bm.s in → Konstanz verblieb, wurde die Kanzlei 1564/65 nach M. verlegt, sie arbeitete von 1565 bis 1712 im Spital, dann im Neuen Schloß. Erst um 1600 wurde M. zur Hauptres. der Konstanzer Bf.e, v. a. seit dieser Zeit residierte dort dauerhaft der weltl. Rat, der zeitweilig existierende Kammerrat, die Hochstiftsverwaltung und der bfl. Hof. Fünf Bf.e ließen sich in der M.er Pfarrkirche bestatten. Nachdem die Stadt → Konstanz den Plan Bfs. Johanns Franz von Stauffenberg (1704-40) für einen Neubau der Pfalzund eines Priesterseminars ablehnte, wurde eine neue Residenzanlage in M. ins Auge gefaßt. Das 1712 durch Hofbaumeister Johann Christoph Gessinger im Rohbau fertiggestellte Neue Schloß konnte aber erst 1775 fertiggestellt werden, das 1725 begonnene Priesterseminar war bereits 1735 vollendet. Doch selbst für die Zeit bis zur Aufhebung des Hochstifts 1802 ist festzustellen, »daß Meersburg als Sitz der Konstanzer Bischöfe über provisorische Verhältnisse kaum hinausgelangte« (Warndorf 1988, S. 278).
Neben M. und dem nochmals im 18. Jh. erweiterten Markdorf dienten der um 1595 zusammen mit Gartenanlage und Tiergarten errichtete und um 1700 durchgreifend umgebaute Sommersitz Hegne und die beiden Jagdschlösser, das 1686 erbaute Bohlingen und das 1693 erworbene Ittendorf, als bfl. Nebenres.en; die Pfalz der 1540 Konstanz inkorporierten Abtei → Reichenau wurde ausgebaut und diente während des Dreißigjährigen Kriegs als Rückzugsort von Hof und Kanzlei.
Quellen
Pozzi, Franz: Plan der Residenz, 1740, Fürstlich Waldburg-Zeil'sches Archiv, Schloß Zeil. - Die Urkunden des Stadtarchivs Meersburg in Regesten, bearb. von Anneliese Müller und Franz Götz, Meersburg 1971 (Inventare badischer Gemeindearchive, 1).
Literatur
Achtermann, Eberhard: Des Bischofs Schutz und Trutz. Die Meersburg im Streit zwischen Kirche und Reich von Heinrich IV. bis zu Ludwig dem Bayern, in: Glaserhäusle. Meersburger Blätter für Politik und Kultur 13 (1992) S. 24-31. - Brummer, Guntram: Meersburg und die Bischöfe zur Zeit der Stadtrechtskämpfe. Aus der Geschichte der Beziehungen zwischen Stadt und Stadtherrn im 14. und 15. Jahrhundert, in: Bischöfe von Konstanz, 1, 1988, S. 337-343. - Derschka, Harald Rainer: DieMinisterialen des Hochstiftes Konstanz, Stuttgart 1999 (VuF, Sonderbd. 45). - Fischer, Steven Roger: Meersburg im Mittelalter Aus der Geschichte einer Bodenseestadt und ihrer nächsten Umgebung, Meersburg 1988. - Fürstbischöfe von Konstanz, 1988. - Götz, Franz: Die Stadt Meersburg, in: Bischöfe von Konstanz, 1, 1988, S. 331-336. - Götz, Franz: Meersburg als Residenzstadt der Bischöfe von Konstanz, in: ZWLG 25 (1966) S. 33*-38*. - Götz, Franz: Meersburg, in: SüdwestdeutscheBischofsresidenzen, 1992, S. 27-33. - Hunn, Karl: Aus der Geschichte Meersburgs. Stadt des Bischofs von Konstanz und bischöfliche Residenzstadt, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 42 (1913) S. 15-28. - Maurer/Reinhardt 1993. - Maurer, Helmut: Fähre, Burg und Markt. Studien zum vorstädtischen Meersburg, in: Die Stadt in der europäischen Geschichte. Festschrift Edith Ennen, hg. von Werner Besch u. a., Bonn 1972,S. 259-269. - Merten, Klaus: Die Burgen und Schlösser, in: Die Bischöfe von Konstanz, Bd. 2: Kultur, hg. von Elmar L. Kuhn u. a., Friedrichshafen 1988, S. 71-88. - Motz, Paul: Meersburg. Die ›ehemalige fürstbischöfliche konstanzische Residenz-Stadt‹, in: Badische Heimat 23 (1936) S. 252-274. - Ortskernatlas Baden-Württemberg, Bd. 4,2: Stadt Meersburg, Bodenseekreis, bearb. von Hermann Reidel und Wolf Deiseroth, Stuttgart 1986. -Reinhardt, Rudolf: Die Bischöfe von Konstanz und ihre Residenzstadt Meersburg, in: Leben am See. Heimatjahrbuch des Bodenseekreises 7 (1989/90) S. 119-128. - Schneider, Alois: Burgen und Befestigungsanlagen des Mittelalters im Bodenseekreis, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg 14 (1989) S. 515-667. - Staiger, Franz Xaver Conrad: Meersburg am Bodensee, ehemalige fürstbischöfliche konstanzische Residenz-Stadt, Konstanz 1861. - Tyler 1999. - Warndorf,Thomas: Meersburg - eine bischöfliche Residenz? Das heutige Bild entspricht nicht der wechselnden Geschichte zwischen 1526 und 1802, in: Leben am See. Heimatjahrbuch des Bodenseekreises 6 (1988) S. 270-278.