LUXEUIL C.4.1.
I.
L. gehört zu den großen Abteien des MA, deren langes Bestehen ihren Ruf begr. Gelegen am Fuße der Vogesen, in Berührung mit → Burgund, dem Barrois, der Champagne und → Lothringen, verdankte es sein Entstehen dem hl. Columban. Bereits sehr früh hatte es die weiteren Gründungen des ir. Mönchs in den Schatten gestellt. - F, Dep. Haute-Sâone, arr. Lure.
II.
Drei Kirchen waren schon in sehr weit zurückliegender Zeit in dem Kl. errichtet worden: Saint-Pierre, die Hauptkirche, Saint-Martin nördl. davon (zerstört i. J. 1793) und Notre-Dame. Letztere stand bis 1782 in L. und befand sich etwas abseits von Saint-Pierre, in nordnordöstl. Richtung. Man weiß zwar nicht sicher, in welche Periode genau man ihren Bau datieren muß, aber möglicherw. geht ihre Errichtung bis ins frühe MA zurück: im Fall der Abtei von Jouarre liegt der Fall ähnlich. Man weiß außerdem, daß im MA dort Zeremonien abgehalten wurden. Wasdie beiden anderen Kirchen angeht, existierten sie allem Anschein nach bereits zur Zeit der Karolinger und sogar schon sehr viel früher: es wurden zwei Überreste von Skulpturen zu Tage gefördert, die zur Kirche Saint-Martin gehörten und aus dem 9. Jh. stammen (ein Kapitell und ein Stück einer Tafel der Kanzel); zum anderen verweisen die Texte darauf, daß der Abt Walbert 670 in einer wunderbar gearbeiteten Krypta in Saint-Martin beerdigt worden sei und daß der Abt Ansegis zw. 817 und 823 verschiedene Restaurations- und Vergrößerungsarbeiten an diesen Kirchen habe vornehmen lassen. Er habe v. a.eine lange Galerie, die die Kirche Saint-Pierre mit Saint-Martin verband, wiederinstandsetzen lassen, indem er sie mit Holzschindeln decken ließ, die mit Eisennägeln befestigt wurden.
Unser Kenntnisstand über diese benediktin. Abtei in späteren Epochen und v. a. über die Zeit der Unruhen des 12. und 13. Jh.s ist v. a. von der vorhandenen Überlieferung abhängig: die verschiedenen Zerstörungen, die die Abtei verwüstet haben, darunter der Brand von 1201, haben ihren Urkundenbestand erhebl. vermindert. Es existieren keine Quellen aus dem 11. Jh. mehr. Dieses dramat. Ereignis führte ebenfalls zu verschiedenen Wiederaufbauaktionen. Die Kirche Saint-Pierre, so wie sie sich uns heute darstellt, dat. im wesentl. aus dem 13. und 14. Jh. Der Wiederaufbau erfolgte in dreiaufeinanderfolgenden Phasen (von 1253 an; 1270-83; 1319-45), bis dieses Gebäude mit einer Länge von 58 Metern und einer Breite von 37 Metern an seiner breitesten Stelle vollendet war.
Eine erste Wiederaufbauaktion fand unter dem Abt Thiébaut II. (1234-66) statt, der 1253 Schreiben mit der Empfehlung erhielt, die Abtei wiederaufzubauen. Die Arbeiten begannen mit der Errichtung der Apsis, aber die Unruhen, die der Unterzeichnung des Pariage-Vertrags zw. der Abtei und dem Gf.en der Champagne (1258) folgten, unterbrachen die Bauarbeiten. Erst unter dem Abt Kales (1270-83), der der Gf.in von Burgund ergeben war, wurde die Kirche Saint-Pierre, »weil [...] sie so würdig war unter den zahlreichen Gebäuden [...], bestürmt und zerstört worden [...]und vom Verfall bedroht ist [...]«, wiederaufgebaut. Es folgten 13 Jahre anscheinend ununterbrochener Bauarbeiten, die den Chor betrafen, die vier Kapellen mit quadrat. Grdr., ein hervorspringendes Querschiff und fast das gesamte Kirchenschiff, bestehend aus drei Schiffen mit sechs Gewölbebögen. Der Abt mußte Domänen verkaufen, um die Finanzierung seines Projektes zu gewährleisten, das außerdem unter dem Abt Thiébaut III. (1283-1308) während des Krieges, in dem sich → Rudolf von Habsburg und die Parteigänger des Gf.en von → Burgund gegenüberstanden, ins Stocken zugeraten schien. Im 14. Jh. erwies sich der Abt Eudes II. (auch Eudes de Charenton, 1319-45), dem Beispiel von Kales folgend, als ein großer Bauherr. Er ließ mehrere Häuser in der benachbarten Stadt errichten, wie auch Mauern in Baudencourt, einem Nachbarort von L. Er veranlaßte die Vollendung der Kirche Saint-Pierre, v. a. die des letzten Gewölbebogens, und wahrscheinl. den Bau eines vorgebauten Glockenturms, der im 16. Jh. verschwand, als der Abtspalast mit der Kirche verbunden wurde. Der Baumeister war Renaud de Fresne-Saint-Marnes, der für seine Arbeit 300 Pfund erhielt und dem 1330 für diedrei Jahre gedankt wurde, die er auf diese Arbeit verwandt hatte.
III.
Um 1403-05 ließ der Abt Guillaume de Busseul oder Guillaume III. (1382-1416) die Kirche Notre-Dame wiederinstandsetzen, errichtete ein Hospital und erbaute die nördl. Galerie des Kreuzgangs, der nicht mehr den Platz des alten einnahm und von dem man immer noch Spuren an der südl. Seitenmauer findet. In der Tat wurde er im Südwesten der Kirche Saint-Pierre errichtet und erlebte mehrere Bauphasen bis zur Amtszeit des Abts Guy de Briffaut oder Guy IV. (1431-49), der die südl. Galerie erbaute (sein Wappen befindet sich auf den Scheiteln der Bögen).
Antoine de Neuchâtel (1468-95) errichtete in der Kirche eine Empore, die an ihren Außenseiten mit einer Wendeltreppe ausgestattet und auf ihrem höchsten Punkt mit einer Darstellung der Kreuzigung geschmückt war. Sie wurde eingerahmt von zwei Altären, die der hl. Katharina bzw. dem hl. Dionys geweiht waren. 1693 wurde die Empore zerstört, um durch eine andere ersetzt zu werden, von der aus man die Ausdehnung des Chors für die Mönche erkennen kann (sie besetzte das gesamte Querschiff und die beiden letzten Gewölbebögen des Hauptschiffs).
Im Jahr 1527 verfügte Jean de la Palud de Varambon oder der Abt Jean III. (1495-1533) den Bau eines großen Glockenturms der Kirche im W, der 1680 vom Blitz getroffen und beschädigt werden sollte, ebenso wie infolge eines Erdbebens i. J. 1682 die Kirche selbst. Ein Glockenturm von geringerer Größe erhob sich über dem Geviert und ein dritter, nie vollendeter, überragte den letzten Gewölbebogen des nördl. Seitenschiffs.
Die Protokolle der Visitationen des 17. und 18. Jh.s lassen das Bild einer Abtei in sehr schlechtem Zustand entstehen, noch bevor sie 1789 geplündert wurde. Im Jahr 1807 wurde die Kirche Saint-Pierre Pfarrkirche und Bezirkspfarrei zweiter Klasse. 1844 wurde sie, sieben Jahre nach Einrichtung der Kommission, zum monument historique erklärt.