Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

LURE C.4.1.

I.

Die Abtei von L. (Luthera oder Lothera), gelegen in der Nähe der Abtei von Luxeuil am Rand von Burgund, wird erstmals in den Akten des Konzils von Aachen i. J. 817 erwähnt, bevor sie 870 in der Erbteilung des Lothar und 959 im Diplom des Kg.s Otto I. erscheint. Um diese Zeit wurde die Abtei durch den Abt Baltram wiederhergestellt, dem Otto ein für das mönch. Leben sehr geeignetes Gebiet zugestanden hat, einen Ort, an dem die Mönche nach den Regeln des hl. Benedikt lebten und an dem eine Kirche zu Ehren des HeiligenPeters errichtet wurde. Dennoch beschreibt die Chronik von Moyenmoutier i. J. 1097 den Zustand des Ortes als traurig. - F, Dep. Haute-Sâone, arr. L.

II.

Von 1332 an, im Verlauf eines Krieges, in dem die Lehnsherren der Franche-Comté die Union zw. der Gft. und dem Hzm. von → Burgund wieder in Frage stellten, ließ der Abt Jacques de Vyt die Stadt und das Kl. befestigen. Unter dem Abt Heinrich wurden diese Arbeiten i. J. 1372 abgeschlossen.

Die Stadt war von einer einfachen Stadtmauer eingefaßt, die durch kleine Bastionen verstärkt und mit einem doppelten, acht Fuß breiten, nicht mit einem Bollwerk versehenen Graben gesäumt war. Die durch die Einfriedung eingeschlossene Oberfläche entsprach keineswegs der geringen Größe der Ansiedlung in dieser Zeit; ihr Umfang wurde zweifellos durch die Topographie bedingt und schloß ein zu zwei Dritteln unbebautes Gelände ein. Das Kl. selbst wurde von Jacques de Vyt durch fünf große Türme mit viereckigem Grdr. stärker befestigt, die mit einer Mauer aus Ziegelsteinen verbundenwaren, die sich ihrerseits auf die Stadtmauer stützte. Im Jahr 1343 befahl der Hzg. von → Burgund seinem bailli, die ohne seine Genehmigung erbauten Befestigungen wieder zerstören zu lassen. Dennoch wurden diese mit Unterstützung der Ehzg.e Leopold und Albert weitergebaut, die dem Abt Heinrich eine Summe von 1000 Gulden für ihre Vollendung bewilligten.

III.

Die Abtei selbst wurde später, von 1519 bis 1539, durch den Abt Georges de Masevaux/Mesmünster finanzieller Unterstützung durch Ks. Maximilian wiedererrichtet. Einige Texte lassen vermuten, daß der Abt einen Teil des alten Kl.s aus dem 14. Jh.s erhalten ließ. Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß er die Abteikirche wiederaufbaute, in der 1331 Hugo von Burgund, Bruder des Pfgf.en Otto IV. begr. worden war. Bekannt ist auch, daß er das Kl. in eine Festung umwandeln ließ und so das von Jacques de Vyt begonnene Werk vollendete. Wahrscheinl. gehorchte er denausdrückl. Befehlen des Ks.s, der dort 1492 für mehr als einen Monat sein Hauptquartier einrichtete, bevor er sich der Gft. → Burgund bemächtigte. Die Nachfolger von Georges de Masevaux/Mesmünster versahen die Anlage mit starker Artillerie.

Im Jahr 1639 wurde die Abtei durch einen von Turenne gelegten Brand fast völlig zerstört und bis 1650 nicht genutzt. Mabillon, der sie 1683 besichtigte, beschrieb sie dennoch als von Wasser umgebene und durch solide Erdwälle geschützte Festung. Die Abgeordneten des Parlaments von Besançon fanden i. J. 1682 die Gebäude in einem guten Zustand vor, »da in den letzten Jahren mehrere schöne und solide Reparaturen durchgeführt worden waren«. Aus der Unterkunft des Abtes wurden alle Möbel ausgeräumt. Die wichtigsten Möbel, die Verzierungen sowie der Schatz der Kirche und die Urk.n befandensich in Murbach und kamen erst auf ausdrückl. Befehl Ludwig XIV. nach L. zurück.

Der Wiederaufbau des Kl.s wurde 1711 begonnen und 1720 beendet. Von 1720 bis 1737 begann der Abt von Beroldingen mit der Abtragung der Befestigungen. Der letzte Turm wurde 1755 abgerissen. Darüber hinaus verwirklichte er das Vorhaben, das Dach zu erhöhen und das Äußere des Gebäudes durch zwei Vorbauten zu verändern. Um diese Zeit erhielt das Gebäude, das heute die Sous-Préfecture beherbergt, sein heutiges Erscheinungsbild.

Die Abteikirche wurde 1750 wiederaufgebaut, als Nationalgut 1791 verkauft und von ihrem Käufer völlig zerstört. Zwei riesige Statuen vom Anfang des 17. Jh.s, die die theolog. Tugenden Glaube und Hoffnung darstellen und die Fassade der Kirche geschmückt hatten, wurden am Eingang des Friedhofs aufgestellt. Alle Objekte, die in der Abteikirche und in der Kirche der Kapuziner verblieben waren, wurden in einem Raum der Distriktverwaltung zusammengetragen. Die Reliquien des hl. Deicolus und des hl. Columban wurden in einen Schrank geräumt. Als ein Beamter des Distrikts damit begann, sie zuverbrennen, protestierten seine Amtskollegen heftig und befahlen, die Reliquien aus dem Feuer zu ziehen. Zusammen mit den noch nicht verbrannten wurden sie in eine Seidenschärpe gewickelt und bis 1838 versteckt gehalten.

Quellen

Archives départementales de Haute-Saône, Inventaire sommaire [...]. Archives ecclésiastiques, Série G und H, von Jacques Dunoyer de Segonzac und Auguste Eckel, Vesoul, 1901, hier H 578 bis H 600, abbaye bénédictine de Lure, liasse, darunter H 578, inventaire des titres de l'abbaye von 1756 sowie H 581, Diplom Ottos I. vom 6. April 959, Original und Kopien. - Archives départementales du Doubs, Inventaire sommaire des Archives départementales du Doubs antérieures à1790 par Jules Gauthier, Bd. 1 und 2, Besançon 1883, Série B, hier B 443, liasse, 16 Stück Perg., 1 Papier, 5 Siegel und B 507, liasse, 21 Stück Perg., 1 Papier, 10 Siegel. - Archives départementales du Pas de Calais, Inventaire sommaire des Archives départementales du Pas de Calais antérieures à 1790, par Jean Marie Richard, Bd. 1 und 2, Série A, Arras, 1878, hier A 399, liasse, 107 Stück Perg., 38 Siegel, sowie A 70, liasse, 20 Stück Perg., 4 Siegel. - Sources parisiennes, 2001, Nr. 7, 21, 47 , 83, 286, 287, 288, 289,482, 500, 526, 1419, 1475. - BNF, Fonds Moreau, Nr. 494, fol. 43: 1345, April: Urteil des bailli von Burgund gegen den Abt und den Konvent in Bezug auf die Schleifung der Befestigungen in Lure (Kopie des 18. Jh.s)

Besson 1846. - Denifle 1, 1897, Nr. 802, 2, 1899, S. 696-701. - De provincia Vesuntionensi, 1860. - Girardot, Jean: L'abbaye et la ville de Lure des origines à 1870, Vesoul s. d. - La Haute Saône. Nouveau dictionnaire des communes, 6 Bde., Vesoul 1969-74, hier Bd. 3, S. 372. - Histoire de la Franche-Comté, 1-8, 1977-79. - Locatelli, René: Sur les chemins de la perfection, Publications de l'Université de Saint-Etienne 1992. -Moyse 1973. - Trévillers, Jules de: Sequania Monastica, Dictionnaire des abbayes, prieurés, couvents, collèges et hôpitaux conventuels et ermitages de Franche-Comté et du diocèse de Besançon, Vesoul 1953.