Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LORSCH C.4.1.

I.

Lauresham (764), Laurissa (1166), Lorse (1300), Lorsch (1410). Kl. und Marktort - Fsm. L. - Ebf.e von → Mainz seit 1232 - Jagdres. auf dem Gelände der ehem. Reichsabtei. - D, Hessen, Kr. Bergstraße.

II.

Am Flüßchen Weschnitz liegt L. gegenüber von → Worms rechtsrhein. auf einer Sanddüne zw. den überregionalen Nord-Südstraßen Steinerstraße (in Flußnähe) und Bergstraße (auf halber Höhe). Sumpfland und Wälder bilden die Umgebung. Bereits im Herbst 989 hielt sich Otto III. anscheinend nur wg. eines Jagdaufenthalts in L. auf, und das Nibelungenlied schildert um 1200 die Ermordung Siegfrieds im Rahmen einer höf. Jagd, von → Worms aus gesehen, über Rîn; die Hs. C nennt zusätzl. den östl. L. gelegenen Odenwald. Indieser Zeit hatte sich die Abtei L. gegen die Konkurrenz des Bf.s von → Worms durchgesetzt und besaß in den umliegenden Wäldern ausgedehnte Jagdrechte. 1423 zählte der Lorscher Wildbann 24 Wildhuben (Revierförstereien), die letztl. auf der Forstorganisation der Karolingerzeit beruhen. Aber weder die alte Reichsabtei (764-1232), noch die spätere Prämonstratenserabtei (1248-1555) machten aus L. eine Jagdres., sondern schufen nur die Grundlage für deren neuzeitl. Entwicklung.

III.

Um 1560 richtete → Kurpfalz als Inhaber der Pfandschaft Bergstraße anstelle der Prämonstratenserpropstei eine Schaffnerei ein. Sitz war das »Steinhaus« südl. der Klosterkirche, das wohl im 16. Jh., aber auf einem alten Gewölbekeller errichtet wurde. Als Jagdhaus wurde das sog. Neuschloß erbaut. Nach Rückerwerb der Pfandschaft verlegte → Kurmainz die Schaffnerei L. 1624 in den Propsthof nach Bensheim. Das »Steinhaus« in L., später »kurfürstliches Haus«, konnte nun anstelle des verfallenen Neuschlosses als Jagdschloß für Hofjagdengenutzt werden. Seit 1652 war es auch Sitz des Forstamtes von Starkenburg. 1695 wurde außerdem ein großer »Tiergarten« (Jagdgehege) eingerichtet. Nach der Einnahme von Landau kamen zur Hofjagd am 3. Okt. 1702 nach L. auf Einladung des → Mainzer Kfs.en Lothar Franz von Schönborn als Gäste Kg. Joseph I. und Kfs. Johann Wilhelm von der Pfalz.

Ehrismann, Otfrid: Nibelungenlied. Epoche, Werk, Wirkung, München 1987. - Gockel 1970. - Minst, Karl Josef: Merians Kupferstich vom »Closter Lorsch«, in: Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch, Lorsch 1978 (Geschichtsblätter Kreis Bergstraße. Sonderbd., 4), S. 391-402 (früher in: Geschichtsblätter für den Kreis Bergstraße 8 [1975] S. 118-129) - Scherer, Wingolf: Zur Struktur und Funktion der kurmainzischen Forst- und Jagdverwaltung ab 1650 amBeispiel des Starkenburger Forstamtes in Lorsch, in: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 26 (1993) 235-242. - Scherer, Wingolf: Jagden im Lorscher Tiergarten 1695 bis 1740, in: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 27 (1994) S. 111-119. - Scherer 1996. - Scherer, Wingolf: Starkenburgische Forst- und Jagdgeschichte (Nachtrag), in: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 30 (1997) S. 83-89. - Voorwinden, Norbert: Lorsch im »Nibelungenlied«. Die Hs. C als Bearbeitung einer schriftlichfixierten mündlichen Dichtung, in: Stauferzeit. Geschichte, Literatur, Kunst, hg. von Rüdiger Krohn, Bernd Thum und Peter Wapnewski, Stuttgart 1979 (Karlsruher kulturwissenschaftliche Arbeiten, 1), S. 279-294. - Wehlt 1970.