LIEGNITZ C.7. (Legnica)
I.
Seit 1329 als böhm. Lehen schles. Mediatfsm. Der Hauptort im alten Siedelgebiet der trebowane nach W zum Queis hin wurde als alter oculus Silesiae betrachtet. Neben der Höhenburg Gröditzberg wurde 1248 das castrum Ligentze Sitz einer selbständigen Teillinie und 1331 um weitere Landstriche vermindert. Das Piastenschloß Haynau und die Nebenres. Lüben wurden anstelle got. Burgen für abgefundene Familienmitglieder eingerichtet. Hzg. Friedrich II. trat 1534 mit seiner Ehefrau Sophia von Brandenburgdas Vermächtnis seines kinderlos verschiedenen Bruders in → Brieg an und erwarb käufl. das Fsm. Wohlau hinzu. - PL, Dolnośląskie.
II.
Auf der linken Seite des Flußufers der Katzbach entwickelte sich die von Sümpfen umgebene Marktsiedlung, außerhalb deren Befestigung lag seit 1149 ein Kastellaneisitz (potestas legenicensis). Hzg. Boleslaus II. ließ 1252 südwestl. der Herzogsburg eine Stadt nach dt. Recht 1255 planmäßig anlegen und bis 1326 ummauern. Die Bürger erwarben 1315 Zollrecht, 1353 Münzrecht und 1372 die Erbvogtei. Hzgl. Res. und Gründungsstadt wurden nicht durch ein gemeinsames Verteidigungssystem zusammengefaßt, da ältere Vorburgsiedlungen und das Judenviertelangrenzten. Erst 1388 wurde die Burg in die Erweiterung des Mauerrings einbezogen. Ein Gegensatz zw. der fsl. Mitte und dem bürgerl. Ring mit Münze entwickelte sich allmählich. Neben → Breslau war die Stadt die einzige in Schlesien mit drei städt. Pfarreien und Archidiakonat (1261/62): Heiliggrab, St. Peter und Paul (Oberstadt) und Liebfrauen (Niederstadt). Hzg. Wenzel I. (1342-64) ließ mit Zustimmung seines Halbbruders Ludwigs I. von Brieg 1348 eine Kapelle zum Kollegiatstift erheben und 1363 bfl. bestätigen, das 1529 in die Johanneskirche verlegt wurde. Fsl. Förderung erfreutesich die kontemplative Frömmigkeit der Epoche durch die Einrichtung eines KartäuserKl.s i. J. 1449. Eine protestant. Universität war von 1527 bis 1530 geöffnet, die evangel. Kirchenordnung wurde 1535 erlassen.
III.
Die hzgl. Burg stand auf dem Gelände der aufgeschütteten Kastellaneiburg aus dem 11. Jh. und war ein unregelmäßiges Oval einer Fläche von einem Hektar mit einem Holzerdewall von 9 m umgeben. Heinrich I. ersetzte die ursprgl. Holzgebäude dieser Wehrburg Boleslaus' I. durch Steinbauten in spätgot. Stil. Die Piastenburg besaß drei starke Türme, einen dreigeschossigen freistehenden Rechteckbau und eine roman. Kapelle in Baugestalt eines außen zwölf- und innen sechseckigen Zentralraums mit Umgang. Die regelmäßige Geviertanlage mit Binnenhof markierten derPetersturm mit Achteckaufbau und zylindr. Zeltdachabschluß, der im Untergeschoß runde Hedwigsturm mit weitvorspringenden Zinnenkranz und der viereckige Lübener Turm in der Nordwestecke des Hauptburghofes an der Mauer. Auf einem Grdr. von 61,5 × 16,5 m und drei Stockwerken mit Satteldach war der Palas weitaus größer als der Breslauer. Unweit dieses Gebäudes stand die zweistöckige Burgkapelle St. Benedikt Laurentius mit Chorquadrat und Apsis im O sowie ein Verbindungsgang zum Repräsentationsgeschoß. Links davon lag ein spätroman. Südflügel mit Treppen, Vorsälen undGemächern sowie eine got. Seitenkapelle Heinrichs IV. Den Schloßhof ließ Friedrich II. großzügig als Teil der Stadtbefestigung ausbauen. Das Renaissanceportal des Meisters Georg von Amberg von 1533 am Haupteingang war ein Torbau aus Sandstein mit getrenntem Durchlaß für Fußgänger und Fuhren mit Ornamenten an Säulen und Kapitellen. Erhalten sind mehrere Geschosse zweier frei innerhalb des Walles stehender Wehrtürme und Ruinen eines vierkantigen Turmes an der Nordwestecke sowie aufgehendes Mauerwerk eines roman. Palas mit Rundbogenfenstern und Überreste der polygonalen Schloßkapelle. Das SchloßLignitz zeigt der Kupferstich des Janssonius (Antwerpen 1657).
Quellen
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Literatur
Burgen, Schlösser und Gutshäuser in Schlesien, 1, 1982, S. 17-30, 62-67; 2, 1987, S. 6, 11-13, 20-22. - Goldberg, in: Deutscher Städteatlas 3,4, 1984. - Jaeckel, Georg: Geschichte der Liegnitz-Brieger Piasten, Bd. 1: Die geschichtliche Entwicklung bis zu Herzog Georg II. von Liegnitz-Brieg-Wohlau (1547-1586); Bd. 2: Joachim Friedrich von Liegnitz-Brieg-Wohlau (1586-1602) bis zum Ende des Piastengeschlechts, Lorch 1980/82 (Beiträge zur Liegnitzer Geschichte, 10/12). - Jaeckel, Georg:Die Liegnitzer Erbverbrüderung von 1537 in der Brandenburgisch-preußischen Politik bis zum Frieden von Hubertusburg 1763, Lorch 1988 (Beiträge zur Liegnitzer Geschichte, 18). - Köbler 1988, S. 300. - Legnica, in: Drabina, Historia, 2000, S. 99-117. - Legnica. Zarys monografii miasta, Red. Stanisław Dąbrowski, Breslau u. a. 1998 (Monografie Regionalne Dolnego Śląska). - Maroni, Jerzy: Legnica 1241, Warschau 1996. - Menzel, JosefJoachim: Art. »Liegnitz«, in: LexMA V, 1991, Sp. 1974f. - Ptak, Marian: Die Konföderation von Mannen und Städten des Herzogtums Liegnitz im Jahre 1506. Zum politischen Leben der schlesischen Stände, in: Silesiographie, 1998, S. 385-392. - Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs, 2001, S. 289-295. - Schmilewski, Ulrich: Vom ›kindischen‹ Herzog zum Bewahrer landesherrlicher Rechte? Zur Person und zur Politik Herzog Boleslaus I. von Liegnitz († 1278), in: Silesiographie, 1998, S. 185-197. - Schlesisches Städtebuch, 1995, S. 237-246. -Säkularkanonikerstifte der Reichskirche, 1997, S. 109. - Weber, Matthias: Die Schlacht von Wahlstatt und ihre Bewertung im Wandel der Zeiten, in: Wahlstatt 1241. Beiträge zur Mongolenschlacht bei Liegnitz und zu ihren Nachwirkungen, hg. von Ulrich Schmilewski, Würzburg 1991 (Beiträge zur Liegnitzer Geschichte, 21), S. 129-147. - Webersinn, Gerhard: Liegnitz, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 15, 1977, S. 283-295.