Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LEUCHTENBERG C.7.

I.

Als Herkunftsbezeichnung bzw. Name der Dynastie der später gefürsteten Lgf.en von L. ab 1118 in wechselnder Schreibung zunächst Lukenberge, Liuͦkenberge, Ludenberge, Luggenberc u. a., Liuchtenberg u. ä. 14. Jh., Lewtenberg u. ä. 14./15. Jh., seit 14. Jh. zunächst vereinzelt auch Leuchtenberg (vgl. Reitzenstein, 1986). Etymologie: Personenname Liuko* oder nahegelegenes Flüßchen Luhe, dann auf Verb mhd.liuhten, leuchten gedeutet. Ca. 1225 als Burg bezeichnet: castrum [...] Livcginberge (Archiv der Grafen zu Ortenburg, 1984, Nr. 15).

Die Höhenburg (573 m ü. d. M. - heutiger Landkr. Neustadt/Waldnaab) erhebt sich auf vorspringendem Bergrücken des Naabberglandes 170 m über dem Tal des Flüßchens Luhe und ist rundum weithin sichtbar. Als Stammburg von der Dynastie durchgehend in Besitz gehalten, wurde die Burg wiederholt erneuert und im SpätMA kontinuierl. mit niederadligen Amtleuten besetzt. Als Aufenthaltsorte der Lgf.en treten auch andere Burgen hervor. Frühestens Ende des 14. Jh.s, regelmäßig und nachweisbar seit der zweiten Hälfte des 15. Jh.s wurde anstatt der Burg L. die 15 km entferntgelegene Stadt → Pfreimd von den L.ern als Hauptres. genutzt. - D, Bayern, Reg.bez. Oberpfalz, Kr. Neustadt an der Waldnaab.

II.

Südl. und östl. unmittelbar an die Burg und deren Zugang anschl. entstand eine gleichnamige kleine, offensichtl. unbefestigte Siedlung, die ungefähr seit 1400 mit wenigen Häusern nachweisbar ist. Im 15. Jh. muß die Ansiedlung das Marktrecht erworben haben. 1506 treten Bürgermeister und Rat von L. als Urkundenaussteller in Erscheinung. Noch im 16. Jh. bilden Handwerker den Kern der Einwohnerschaft, was auf die ursprgl. Funktion des Marktes für die Burg hinweist. Mit der Weihe einer Kirche in Luckenberge auf Bitten des L.er Gf.en Gebhard I.zu Waldeck i. J. 1124 durch Bf. Otto I. von Bamberg könnte auch die Kirche im nahegelegenen Michldorf gemeint gewesen sein (Mutterkirche für L. vor 1587), da eine Burgkapelle wie die später in der Burg vorhandene üblicherweise nicht geweiht wurde. Jedenfalls fehlt noch in einer Privilegierung der Lgf.en i. J. 1363 zugunsten der Kleriker in der Lgft. ein Hinweis auf eine Kirche zu L. Gegenüber → Pfreimd, das sich im 15. Jh. zur Residenzstadt entwickelte, blieb der verkehrsmäßig abgelegene Markt L. immer unbedeutend.

III.

Die im Umriß noch weitgehend, wenn auch ruinös erhaltene mächtige Burganlage bestand aus einer Hauptburg von ca. 60 m Länge und 30 m Breite. Die Vorburg, anschl. an die Hauptburg teilw. ebenfalls ummauert, wurde in einem Umfang angelegt, der ungefähr zwei- bis dreimal so groß war wie derjenige der Hauptburg. Um 1225 wird die Burg und der reparaturbedürftige Bergfried erstmals ausdrückl. erwähnt. Vor 1268 wurde die Burg von Hzg. Ludwig II. belagert, möglicherw. zerstört. Reste des älteren Baus aus dem 12./13. Jh. sind nur noch im Bereich des Bergfriedsfeststellbar. Vorwiegend im 14. Jh. (Ulrich I., † 1334, als Erbauer?) muß die Burg mit Ringmauer, Bergfried und Palas im wesentl. neu errichtet worden sein, wie baugeschichtl. Analysen ergeben haben. Doch fehlen schriftl. Zeugnisse hierfür. Dürnitz (Gesindebau), der äußere Teil der Toranlage, die Zwingermauer und einige weitere Gebäudeteile der Hauptburg sowie der Umbau der älteren Burgkapelle stammen aus dem 15. Jh. und wurden wohl zum Teil als eine Reaktion auf die Hussitenkriege errichtet. Eine Inschrift Lgf. Leopolds von 1440 am Mittelpfeiler der Burgkapelle bestätigt die Baumaßnahmen injener Zeit. Die Inschrift ist einer der frühesten Hinweise für den Anspruch der L.er auf den Fürstentitel. Einige weitere Funktionsgebäude für die Verwaltung wie Gerichtsschreiberei und Kasten wurden in noch späterer Zeit im Bereich der Vorburg errichtet, sind heute jedoch verschwunden.

Quellen

Archiv der Grafen zu Ortenburg, 1984.

Kunstdenkmäler Bayerns: Bezirksamt Nabburg, 1910, S. 80-99. - Reitzenstein 1986. - Seitz 1971, hier S. 35.