Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LEITOMISCHL C.3. (Litomyšl)

I.

Luthomisl (um 981); Lutomisl (1108); Lutomizlo (1160); Lutemuschel (1289); Luthomuschl (1351); Luthomissl (1356).- Grenzburgstätte der Slawnikiden (981). Marktniederlassung, 1259 Stadt. 1141 wurde im Areal der Burgstätte ein Prämonstratenserstift gegr. 1344 entstand das Bm. durch die Abtretung eines Teiles des Stiftsbesitzes und durch die Ausgliederung der Chorherren für das Domkapitel. Der neue bfl. Palast entstand im drittenViertel des 14. Jh.s bei der ursprgl. Klosterbasilika. 1425 wurde der Palast zum Sitz des hussit. Hauptmanns, 1568 wurde er abgerissen (das sog. Alte Schloß), in seiner Nachbarschaft wurde das heutige Renaissanceschloß gebaut. - CZ, Region Ostböhmen.

II.

Die Grenzburgstätte des Geschlechtes der Slawnikiden an dem Flußchen Loučná erwähnt zum Jahre 981 Cosmas; nach jüngsten Forschungen lag sie ungefähr 3 km entfernt vom heutigen L. An sie könnte die Verwaltungsburg der Zeit der Přemysliden angeknüpft haben. Die Aufgabe der Burgstätte bestand im Schutz des sog. Trstenický Handelsweges, der → Böhmen und Mähren miteinander verband. Die Bedeutung des bis ans Ende des 13. Jh.s bestehenden Weges war Schwankungen ausgesetzt. In L. selbst ist auf den Hügel seit dem 11. Jh. eine kleinere Fürstenburgbelegt, bei der am Ausgang des gleichen Jh.s durch den Fs.en Břetislav eine Kirche, wahrscheinl. ein kleineres Benediktinerkl. gegr. wurde. Dieses übergab 1145 Fs. Wladislaw II. unter Anwesenheit des Bf.s von → Olmütz, Heinrich Zdík, dem Prämonstratenserorden. Der Orden erbaute hier eine dreischiffige Basilika, ein Konventgebäude und die Pfarrkirche zum hl. Klemens, die den Bewohnern der Marktniederlassung und dann jenen der Stadt in der Vorburg dienen sollte. Aus dem Besitz und aus den Mitgliedern des Prämonstratenserstiftes und in seinen Räumlichkeiten wurde 1344 das Bm. errichtet.Die unterhalb des Kl.s gelegene Marktniederlassung L. wurde von Přemysl II. Ottokar 1259 mit einem Stadtrecht norddt. Herkunft ausgestattet. 1263 wurde dieses Recht als das Recht der Stadt Königgrätz näher bestimmt. Der Stadtrat wird zum ersten Mal 1346 erwähnt, in der Zeit als die Stadt schon bf. Besitz war. Seit 1351 wurde an der Stadtmauer gebaut, seit 1365 waren in der Stadt Zünfte tätig, 1401 erwarb die Stadt das bedeutende Recht eines Jahrmarktes, aber erst 1418 wurde das Rathaus als erster Steinbau in der bisher aus Holz erbauten Stadt errichtet. Das Stadtgericht war gleichzeitigoberste Gerichtsinstanz für alle Städtchen und Dörfer, die dem Bf. und dem Domkapitel unterstanden. Gute Beziehungen zw. den Bf.en, die die Stadt wirtschaftl. förderten, und der Stadt, zugl. aber Unselbständigkeit der Stadt, dokumentiert neben den städt. Privilegien auch die period. Anwesenheit des Bf.s auf den wichtigen Sitzungen des Stadtrates und der Kauf des Stadthauses durch Agnes, Mutter des Bf.s Johann d. Eisernen, die dorthin aus → Prag übersiedelte. 1421 unterwarf sich die Stadt freiwillig dem von Johann Žižka geleiteten Heer und ging zum hussit. Städteverband über.1425 wurde sie erneut von den Hussiten besetzt. Damals flüchtete das Kapitel aus der Stadt und damit war in der Wirklichkeit die Existenz des Bm.s beendet, obwohl es formell bis 1554 fortbestand. Seit 1432 war L. im Besitz des adeligen Geschlechtes der von Kostka von Postupice, ihnen folgten 1567 die Herren von Pernstein.

III.

Der bfl. Bezirk knüpfte räuml. an das Prämonstratenserstift an, dessen Gebäude der Südseite seiner dreischiffigen Kirche anlagen. Ein Teil der Prämonstratenser-Chorherren bildete das Domkapitel, und auch die Konventskirche wurde zum bfl. Dom. Der erste Bf. - ein Prämonstratenser - residierte in den ursprgl. Räumlichkeiten des Stiftes, der zweite, Johann von Neumarkt, nahm in L. keinen dauerhaften Aufenthalt. Erst dann erwies sich die Notwendigkeit des Baus eines neuen Bischofssitzes. Genaue Daten sind nicht bekannt. Dem Bau gingen Eigentumsstreitigkeiten zw.dem Bf. und dem Domkapitel voraus, zu deren Schlichtung es zum ersten Mal am Ende der sechziger Jahre und erneut am Ende der neunziger Jahre des 14. Jh.s kam. Nach der endgültigen Abmachung behielt das Kapitel als gemeinsames Kapitelhaus die ursprgl. Konventgebäude an der südl. Front der Basilika und die anliegenden kleineren Bauten einschließl. der Schule. Der alte Palast hinter dem Ostabschluß des Doms und der neue Bischofspalast, der der Nordfront der Basilika entlang errichtet wurde - freilich mit größerem Abstand als ihn die südl. gelegenen Bauten hatten - fielen gemeinsam mit der freienGartenfläche dem Bf. zu. Zw. den beiden Palästen stand die Bischofskapelle St. Quirinus. Vor dem Westportal der Basilika befand sich das Haus des Offizials, südl. davon lagen der Friedhof und die städt. Pfarrkirche zum hl. Klemens. Den gesamten Komplex umschloß eine Mauer mit zwei Pforten, von denen die Hauptpforte den Eintritt vom Stadtzentrum in den neben dem Haus des Offizials gelegenen Raum und weiterhin auf den Dom zu gewährte, das Nebentor bildete den direkten Zugang zur hl. Klemenskirche und zum Kapitelviertel. Die Nordmauer des ganzen Bezirks fand ihre Fortsetzung durch die Mauer derStadtbefestigung bis zum Fluß hin. Die Stadtbefestigung umzingelte die Stadt und knüpfte an den südl. Teil der Ummauerung des bfl. Komplexes bis hinter das Nebentor zum Kapitelviertel an. Drei Viertel der Befestigungsanlagen der im Terrain höher gelegenen Burg bildeteten folgl. gleichzeitig den nordöstl. Teil der Stadtbefestigung. Die städt. Hauptkommunikation zog sich flußabwärts in ungefähr nordsüdl. Richtung hin. Voll funktionsfähig wurde die bfl. Res. erst unter Bf. Johann dem Eisernen, der in L. einen ständigen Wohnsitz hatte.

Nach der Unterwerfung der Stadt unter die Hussiten wurde der Bischofsdom zum Teil zerstört und der neue Bischofspalast als Sitz des hussit. Hauptmanns genutzt, der deshalb erhalten blieb. Die anderen Gebäude einschließl. der Kirchen wurden allmähl. zerstört oder brannten aus, bis sie 1490 dem Erdboden gleichgemacht wurden. Der neue Bischofspalast diente als das sog. Alte Schloß bis 1568, als auch er niedergerissen wurde und in seiner unmittelbaren Nachbarschaft nach SO mit dem Bau eines neuen Renaissanceschlosses begonnen wurde. Die archälog. Erforschung der ma. Burg ist seit 1959 imGange.