Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LEAL C.3. (Lihula)

I.

L. liegt an einer Bucht des westestländ. Festlands, der Landschaft Maritima oder Wiek. Nach der Christianisierung gehörte es sowohl zum werdenden Gebiet des Hochstifts → Ösel-Wiek als auch zur Komturei L. des Deutschen Ordens. Die Burg lag auf einer Anhöhe in Küstennähe. Bischofssitz war L. nominell in den Jahren 1211-19 für den ersten Bf. der Esten, Dietrich (Theoderich) von Treiden, in den folgenden Jahren für das Bm. Südestlands, bis der Bf. des östl. Teils von Südestland sich seit 1235 nach seinem neuen Bistumssitz → Dorpat benannte. Der Bf.des neuen westl. Bm.s für die Inseln und die Wiek ging 1242 nach Alt-Pernau. - EST, Kr. Läänemaa.

II.

L. war wg. seiner günstigen Lage am Meer gegenüber den Inseln schon in vorchristl. Zeit ein kleiner Mittelpunkt. 1220 ließen sich zeitweilig die Schweden hier nieder, die aber bald von den Öseler Esten vertrieben wurden. Bald nach Gründung der dt. Burg entstand bei dieser ein Flecken, der 1298 u. ö. zwar zerstört, aber wieder aufgebaut wurde. Ein Kirchspiel entstand spätestens 1241. Auch ein Zisterzienserinnenkl. ist schon im 13. Jh. entstanden. Am Ausgang des MA hatte der Flecken eine beachtl. Größe, ehe die Kriege des 16. Jh.s zu einem Niedergangführten, von denen sich der Ort erst im 19. Jh. erholte.

III.

Die aus einer estn. Wallburg hervorgegangene Anlage hat einen spitzovalen Grdr. Vom Haupthaus sind durch zwei parallele Gräben die Vorburgbereiche getrennt.

1238 haben der Bf. und der → Deutsche Orden gemeinsam begonnen, aus Stein die Burg zu bauen, wobei der Burgteil des Ordens keine Türme haben durfte. Die Anlage wurde »Stenberch« gen. Der Verlauf der Mauer richtete sich nach den natürl. Gegebenheiten des Burgberges, den schon die estn. Vorgängereinrichtung genutzt hatte. Die von innen an die Umfassungsmauer angelehnten Gebäude sind gleich groß, weil dies beide Herren so vereinbart hatten. Die Burg ist in den Kriegen des 16. Jh.s stark beschädigt worden und zerfiel im 17. Jh. Heutige Mauerreste lassen erkennen, daß Kalk- undZiegelsteine zum Bauen verwendet wurden.