Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LAUENBURG C.7.

I.

Erste Erwähnung in der am Ende des 12. Jh.s verfaßten Chronik Arnolds von Lübeck zu 1182 mit unterschiedl. Schreibweisen: Louenburch, Lowenburg, Lawenburg, Louenborch, Luwenburg, die auch später so oder ganz ähnl. bleiben. 1215 erste urkundl. Erwähnung (SHRU I, Nr. 310). Deutung als »Löwenburg« möglich, doch unwahrscheinlich, da der Löwe das Symbol des Gegenspielers des Erbauers war (III.) Andere Deutungen: »Elbburg« (von slaw. labe, lave) oder »Waldburg« (von slaw. lowen).Höhenburg am Rande des steilen, rd. 40 m hohen Elbufers. Nach den anderen Seiten ebenfalls Steilabfälle, im NO etwas nachlassend. Hzm. Sachsen bzw. Hzm. Sachsen-Lauenburg, 1189/90-1227 unterbrochen durch welf. bzw. dän. Okkupation. Burg, später Schloß, 1182-1227 unter wechselnden Herren ohne Residenzcharakter, 1227-96 Nebenres. (Hauptres.: Aken und Wittenberg), 1296-1616 Hauptres., 1656/61-89 viell. Nebenres. (Hauptres.: Schlackenwerth/Böhmen außerhalb des Hzm.s). Zeitraum des Bestehens der Res. mind. 1227-1616. - D, Schleswig - Holstein, Kr. Herzogtum Lauenburg

II.

Schmale, langgezogene Straßensiedlung unmittelbar am Elbufer unterhalb des Steilhanges, abseits der ländl. Verkehrswege, ohne Elbbrücke und -furt (in der Residenzzeit!), ohne ackerbaul. genutzte Stadtflur. Aber: seit 1398 stadtnahe Mündung des Stecknitz-Kanals, der Trave/Ostsee mit Elbe/Nordsee verband (= erste künstl. Meeresverbindung in Europa).

Zollstätte wohl schon im 12. Jh., Markt seit der 1. Hälfte des 13. Jh.s, Münzstätte im 17. Jh. Gering entwickeltes Handwerk, Schifferkaufleute dagegen bedeutsam. Weder Gau- noch Grafschaftszentrum, aber Vogtsitz bzw. Amtsstadt und mehrfach Landtagsort; kein kirchl. Zentrum.

Siedlungsbeginn vermutl. noch im 12. Jh. unterhalb der Burg, Stadtwerdung (evtl. Stadtgründung) wahrscheinl. unter Hzg. Albrecht I. nach 1227. Indirekte Erwähnung als Stadt erstmals 1260, 1300 dann als vollausgebildete Stadt mit Rat, doch nur beschränkter Selbstverwaltung. Später zwei jährl. wechselnde Bürgermeister und vier Ratmänner erwähnt. Im wesentl. Ein-Straßen-Siedlung mit 2 Toren, im 16. Jh. durch die sog. Neustadt erweitert. Drei Vorstädte seit dem 16. Jh. dem Burgberg nördl. gegenüber und an dessen Seitenhängen, teilw. aus Burgvorwerken hervorgegangen, doch erst 1872 mit der Stadtvereinigt. 1417 Ersterwähnung des Schiffamtes, der bedeutendsten Gilde, bestehend aus etwa 20 Schifferkaufleuten, seit jenem Jahr mit dem von Hzg. Erich V. verbrieften Monopol, die Waren, die vom Stecknitz-Kanal nach Hamburg transportiert werden sollten, weiterzubefördern, so daß Stapelzwang bestand. Monopol bis 1844 bewahrt. Neben dem Elbhandel, dessen Bedeutung im 16. Jh. wuchs, bildeten v. a. die vielfältigen Bedürfnisse des hzgl. Hofes die Lebensgrundlage der Bürger. Einwohnerzahl im 16. Jh. um 1000, damit viell. seitdem etwas größer als → Ratzeburg und Mölln. Im wesentl.wohlwollende wirtschaftl. Förderung der Stadt durch die Hzg.e, allerdings bei begrenzten polit. Rechten. Keine Spannungen Stadt-Landesherr überliefert.

III.

Über Architekten, Baumeister und Künstler liegen keine Informationen vor. 1181/82 Erbauung der Burg durch Hzg. Bernhard von Sachsen an Stelle der 2km elbabwärts gelegenen Ertheneburg, die bis 1180 seinem Vorgänger und Widersacher Heinrich dem Löwen gehörte. Steinmaterial erwähnt, aber anscheinend auch größere Erd- und Holzbestandteile, da sie wohl 1182 bereits fertig war und noch im selben Jahr völlig zerstört wurde. Einige Jahre danach Wiederaufbau. Aus der Zeit vor 1429 sind bis auf eine allg. gehaltene Nachricht von 1339, daß eine Burgkapelle existierte,keine weiteren Informationen über die Architektur überliefert. Jenem Jahr gehören aber zwei Urk. an, nach denen die hzgl. Brüder Erich V. und Bernhard II. das Wohnrecht auf der Burg teilten, und sie sind die einzigen schriftl. Zeugnisse vor dem Brand des Schlosses von 1616, die sich detailliert zur Gesamtheit der vorhandenen Wehr-, Wohn- und Wirtschaftsarchitektur äußern. Ergänzt werden sie durch zwei Karten, die Tilemann Stella von Siegen 1579 sowie Georg Friedrich vom Berg 1586 von der Burg anfertigten, ohne dabei aber immer genau zu sein, und durch mehrere Einzelhinweise aus dem 16. und17. Jh. Danach stellte sich die Res. als schrittweise vergrößerte und allmähl. zum Schloß umgebaute Burg dar, demnach als Baustil-Konglomerat, das keine einheitl. Konzeption erkennen läßt. Ein vielfach angenommener Brand im 15. Jh. und ein anschließender Neubau unter Hzg. Johann IV. (1463-1507) sind nicht nachweisbar. Erst 1616 wurde das Schloß definitiv durch Brand weitestgehend zerstört und als Res. aufgegeben. Versuche nach 1656, eine repräsentative Barockanlage zu errichten, führten ledigl. zum Bau bzw. Wiederaufbau eines Schloßflügels, der heute neben einem Geschützturm von 1477 den baul.Rest der einstigen Res. bildet, ergänzt durch das Rondell des ehemaligen Fürstengartens von 1656/61, der auf dem östl. sich anschließenden Plateau angelegt wurde.

Nach der ersten Zerstörung 1182 wurde die Burg wahrscheinl. durchweg in Stein erbaut, da sie bis 1227 mehrmals hart umkämpft, jedoch nie erobert wurde. Die erst 1429 bezeugte, aber wohl schon um 1200 vorhanden gewesene Steinmauer umfaßte viell. nicht das ganze Terrain. Ausmaße: ungefähr 175 × 100 m. Zugang im NO, anscheinend über zwei Brücken und einen Vorhügel dicht östl. der heutigen Brücke. In der Nähe des Zugangs, womögl. im Bereich des sog. Fürstengartens, die Vorburg bzw. Burgvorwerke. Dort befand sich außerdem das Brückengericht, die höchste sächs.Gerichtsstätte, die nach einer Nachricht von 1509 ummauert war. Im Innern der Hauptburg wurden 1429 gen.: der Bergfried, der Brunnen, das große und kleine Steinwerk, das Vogthaus, das Back- und Brauhaus, die Küchen und das Fleischhaus. Umstritten ist, ob im noch vorhandenen Geschützturm von 1477 der umgebaute Bergfried zu erkennen ist oder ob dieser an anderer Stelle stand. Unter dem großen Steinwerk ist wahrscheinl. der Palas zu verstehen, dessen Grundmauern im verbliebenen Schloßtrakt enthalten sein dürften. Nicht unberechtigt wäre die Annahme, daß die 1429 erwähnten Gebäude in der Zeit derRenaissance nicht nur im Aussehen verändert, sondern auch durch neue Gebäude ergänzt wurden. Bekannt ist aber ledigl. der Bau der Schloßkirche unter Franz II. (1581-1619), die die Burgkapelle ablöste. Zur Verschönerung des Geländes des nunmehrigen Schlosses ließ Franz II. darüber hinaus einen Schloßgarten - viell. als Vorläufer des späteren Fürstengartens - mit einer Wasserkunst anlegen. Ein Inventar vom Jahre 1624, angefertigt nach Aufgabe der Res., nennt als verbliebene Baulichkeiten: den (nach 1656 erneuerten) Schloßtrakt, einen Bierkeller, ein Brauhaus, eine Küche, ein Schlachthaus sowieeinen Kornboden, und auch daraus geht nicht hervor, daß die Schloßbauten nach 1429 noch wesentl. erweitert wurden. Möglicherw. veränderte sich die Bausubstanz gegenüber dem späten MA - von Treppentürmen, Erkern und Verzierungen abgesehen - so gut wie nicht.

Quellen

Arnoldi Chronica Slavorum, hg. von Georg Heinrich Pertz, Hannover 1868 (MGH SS rer. Germ. XIV) - Schleswig-Holsteinische Regesten und Urkunden, 1-16, 1886-1997.

Kaack, Hans-Georg: Burg und Stadt Lauenburg. Geschichtliches und geographisches Umfeld, Entste- hung, Wirtschaft, Recht und Verfassung, in: Lauenburgische Heimat. NF, 131 (1991), S. 3-71. - Nissen 1995.