LANDSHUT C.7.
I.
Gegr. 1204 (Hermann von Niederalteich: Ludwicus dux Bawarie castrum et oppidum in Lantshvt construere cepit) am Übergang über die Isar, offensichtl. mit sprechendem Namen. Zentralort und Hauptres. des Hzm.s Bayern seit der allmähl. Verdrängung aus → Regensburg (Freie Stadt 1245); seit 1255 Hauptstadt, Regierungssitz und Hauptres. des Hzm.s Niederbayern-L. Machtvolle Höhenburg über glanzvoll angelegter Planstadt. Nach dem Aussterben der niederbayer. Linie der Wittelsbacher 1503 im 16. Jh. Nebenres. der gesamtbayer. MünchenerHzg.e. - D, Bayern, Reg.bez. Niederbayern, Kr. L.
II.
Am Isarhochufer gelang es Ende des 12. Jh.s dem bayer. Hzg., in Auseinandersetzung mit den Bf.en von → Freising und → Regensburg, zuerst eine Warte zu errichten (wohl am Burgberg), dann den Isarübergang vom regensburg. → Straßburg nach L. zu verlegen; die offenbar umsichtig geplante Gründung von Burg und Stadt steht im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Kampf um die alte Hauptstadt → Regensburg. Die von den Hzg.en neu angelegte Stadt, die wichtigste der wittelsbach. Gründungsstädte, umfaßte die Burg (im 16. Jh.Trausnitz gen.), den großen Straßenmarkt der Altstadt, die um 1300 angelegte parallel verlaufende breite Neustadt und 1338 einen neuen Stadtteil Freyung. Maßgebl. Komponenten waren auch die Hauptpfarrkirche St. Martin, die Pfarrkirche St. Jodok in der Freyung, im S am Fuß des Burgbergs das sehr alte Judenviertel (1450 Vertreibung aus der Stadt), im N am Isarübergang das wichtige Hl.-Geist-Spital (belegt 1208); außerhalb, aber mit der Stadt bald untrennbar verbunden, lagen das 1232 gegründete Zisterzienserinnenkl. Seligenthal, bald fsl. Grablege, sowie Dominikaner- (1261) undFranziskanerkl. (1280). Die Stadt liegt kirchl. an der Grenze der Diöz.n → Freising (rechts der Isar) und → Regensburg (links der Isar), welche Randlage den kirchl. Einfluß schwächte. Im Vordergrund stand die Zentralität als Hauptstadt, wobei L. zwar aus den umliegenden Landgerichten (→ Rottenburg, Erding, Teisbach) eximiert war, aber schon im ersten Herzogsurbar um 1230 ein großes officium aufwies. Wirtschaftl. Grundlage war überwiegend das fruchtbare Bauernland, von mittlerer Bedeutung auch die Handelsstraßen zu Land und zuWasser.
Früh entwickelte sich, vom Hof gefördert, die Kommune: 1252 sind ein Stadtsiegel, 1256 die civitas und provisores civitatis bezeugt; 1279 erscheinen erste Ansätze eines Rates, der seit dem 14. Jh. durch den Inneren Rat mit zwölf Ratsherren, Äußeren Rat und Gemain ausgebaut wird. Bereits 1313 tritt die Stadt, angesichts unmündiger Hzg.e, polit. handelnd auf, im 14. Jh. könnte hohe Gerichtsbarkeit in ihrer Hand sein. Das Stadtrechtsprivileg von 1279 wurde bis 1364 durch Verleihungen und Kodifizierungen ausgebaut. Die überaus engen Beziehungen zw.der landesherrl. Res. und der Stadt dokumentieren nicht nur die vielfache hzgl. Förderung (1279: die domicilia principum sind bes. mit emunitatibus et libertatibus zu begaben, Herzog 1957, Nr. 123) und die im 15. Jh. deutl. werdende Verlegung hzgl. Amtssitze in die Stadt (z. B. Zollhaus in der Altstadt, Harnischhaus in der Ländgasse - beide auch hzgl. Wohnung, hzgl. Kanzlei im Martin-Mair-Haus), sondern auch die höf. Feste, die die Stadt als Bühne benutzten (z. B. Fürstenhochzeiten 1452 und 1475, Turniere 1458 und1493). Diese Gemeinsamkeit überdauerte die heftigen Konflikte um 1400, von denen die Unruhen 1408-10 die bedeutendsten waren: Heinrich der Reiche überwältigte im Ringen um den Umfang der Landshuter Rechte die Bürgerstadt und bestrafte maßgebl. Familien mit Tod, Verbannung und Konfiskation. Seit Mitte des 15. Jh.s ist davon aber nichts mehr zu spüren, vielmehr wird Landshut bis zum Ende des Jh.s tatsächl. zu einer Stadt der »Reichen Herzöge«.
III.
Die große Burganlage geht auf das 13. Jh. zurück, bietet sich aber heute in der Umgestaltung der Zeit nach 1568, nach einigen Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und einem großen Brand 1961 dar. Der entscheidende Kernbestand des 15. Jh.s (gut ablesbar am detaillierten Holzmodell von Jakob Sandtner 1572) sind Fürstenbau (Neue Dürnitz), Dürnitzbau mit Kapelle (Alte Dürnitz), Damenstock (Hofküche), Torbau, Brunnenbau und ein Bergfried (Wittelsbacher Turm); dazu kommen der Bereich der (außer Kellerei und Brauhaus) weitgehend verschwundenen Vorburg, dann Zwinger,Mauer mit Tortürmen sowie spezielle Zugangswege. Über die einzelnen Bauphasen ist bisher wenig bekannt, desgleichen über die Architekten. Intensive Bauzeiten müssen sogleich nach der Gründung im 13. Jh. eingesetzt haben (schon 1205 als wichtige Burg erwähnt; 1235 längerer Aufenthalt Ks. → Friedrichs II.; mehrere Landtage; hochbedeutende Burgkapelle) - Rekonstruktion für diese Zeit bei Zorn 1979, S. 64f. - sowie im 15. Jh. (Fürstenbau-Erweiterung 1451; neue Zufahrt; Pfarrkirche Hl. Blut). Von der ursprgl. ma. Ausstattung bietet nur noch die BurgkapelleSt. Georg einen allerdings überwältigend großartigen Eindruck. In der Tradition älterer Palast- und stauf. Doppelkapellen zeigt sie einerseits höchstrangige Holz- und Steinbildwerke aus dem Anfang (z. B. Kreuzigung) und der Mitte des 13. Jh.s (Heiligenfiguren der Empore), andererseits ausgezeichnete Altartafeln des Weichen Stils der Epoche der Reichen Hzg.e (1425 und 1450/60): Beziehungen dieser Kunstwerke weisen im 13. Jh. nach Frankreich und Italien, im 15. nach → Böhmen und → Wien. Die Kapelle zeigt damit sowohl die europ. Verbindungen wie den fast kgl.Repräsentationsanspruch der Hzg.e (Vesperbild mit hl. Lanze). Zur geistl. Hinterlassenschaft ist auch die Pfarrkirche Hl. Blut nahe der Res. zu rechnen (frühes 15. Jh.), deren einzigartige Flankentürme wohl nach Holland weisen. Das Schicksal der übrigen Bauteile (z. B. neue Zimmer der Hzg.in im Fürstenbau, 1451; neue Schlossküche im Damenstock, 1476) müßte im Einzelnen, v. a. aus den Rechnungen, rekonstruiert werden; sie dürften eine umfassende Hofhaltung zu Ende des 15. Jh.s darbieten, bei der allerdings schon ein Teil der Verwaltung (z. B. Kanzlei, Zoll, Herzogskasten 1470) indie Stadt, andere Funktionen (z. B. Frauensitz, Schatzkammer) nach → Burghausen verlegt waren.
Während das Ende der L.er Linie 1503 polit. das Hzm. Niederbayern an München-Oberbayern anschloß, brachte dies der Res. noch keinen Niedergang; sie erlebte vielmehr als Sitz Hzg. Ludwigs X. (bis 1545), dann als Prinzenhof (Wilhelm V. 1568-79) einen nochmaligen Aufstieg und grundlegende Veränderungen, die hier in Stichworten gen. seien: Erbauung der großen Stadtres. Ludwigs X. nach mantuan. Vorbild 1536-43 (ital. und dt. Bau) auf dem Areal des Zollhauses; ein erhebl. Ausbau der Gebäude auf der Trausnitz und deren Umgestaltung im Sinne der Renaissance, v. a. der »italienische Anbau« mitder 1575-78 erbauten Narrentreppe (von Friedrich Sustris, nach der Commedia dell'Arte); weiter die Anlage des Hofgartens (Neuer Lustgarten) 1574/79 auf dem Burgberg; in der Stadt die Errichtung des mit Renaissance-Fresken bemalten Landschaftshauses 1557; schließl. 1598 die Verlegung des Stiftes St. Kastulus von Moosburg nach L. Seit dem 17. Jh. tritt die Bedeutung Landshuts als Res. ganz zurück; nur wenige Spuren hinterließ der Aufenthalt des Hzg.s Wilhelm von Pfalz-Birkenfeld-Gelnhausen, des Begründers der sog. hzgl. Linie der Wittelsbacher in L. (1789-1800).
Quellen
Landshuter Urkundenbuch, 1-2, 1959/63.
Literatur
Baader, Bernt: Der bayerische Renaissancehof Herzog Wilhelms V. (1568-1579), Leipzig 1943. - Becher, Hans-Dieter: Landshut, München 1978 (Historischer Atlas von Bayern. Altbayern, 1,43). - Bleibrunner, Hans: Landshut, die altbayererische Residenzstadt, 6. Aufl., Landshut, 1995. - Greipl 1991, S. 249-257. - Herzog, Theo: Landshuter Häuserchronik, Neustadt a. d. Aisch 1957. - Vor Leinberger. Landshuter Skulptur imZeitalter der Reichen Herzöge 1333-1503, 2 Bde., hg. von Franz Niehoff, Landshut 2001. - Liedke, Volker: Stadt Landshut, München 1988 (Denkmäler in Bayern. II, 24). - Lietzmann, Hilda: Der Landshuter Renaissancegarten Herzog Wilhelms V. von Bayern, München 2001. - Mader, Felix: Stadt Landshut, München 1927 (Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Niederbayern, 16). - Seligenthal. Zisterzienserinnenabtei 1232-1982. Beiträge zur Geschichte des Klosters, Landshut 1982. -Spitzlberger, Georg: Die Juden im mittelalterlichen Landshut, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 110/111 (1984/85) S. 165-238. - Spitzlberger 1993. - Staudenraus, Alois: Chronik der Stadt Landshut in Bayern, 2 Bde., Landshut 1832. - Störmer, Wilhelm: Die Wittelsbacher und die Anfänge Landshuts, in: 1204. Zu den Anfängen der Stadt Landshut. Beiträge zum öffentlichen Kolloquium in Landshut am 1./2. Dezember 1997. Red. T.Stangier, Landshut 2002 (Schriften aus den Museen der Stadt Landshut, 6), S. 11-24. - Zeit der frühen Herzöge, 1-2, 1980. - Ziedek, Holger: Der Hof zu Landshut, in: Hofkultur, 1996, S. 53-68. - Zorn, Eberhard: Landshut. Entwicklungsstufen mittelalterlichen Stadtbaukunst, Landshut 1979.