Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LANDSHUT C.2.

I.

Die Burg L. hat ihre Ursprünge in einer Bergfeste, die auf ein röm. Kastell (princastellum) im Bereich der heutigen Burgruine zurückgeht. Sie gab der Siedlung Bernkastel am Bergfuß ihren Namen. In einer landesherrl. Verordnung Jakobs II. aus dem Jahre 1505 taucht zum ersten Mal für die ebfl. Burg der Name »Landshut« auf.

Die Burg L. liegt auf einem 60 m hohen Schieferkegel oberhalb von Bernkastel-Kues, umringt von Weinbergen. Im 14. und 15. Jh. war sie oft Sommerres. der Trierer Ebf.e und Kfs.en - D. Rheinland-Pfalz, Reg.bez. Trier, Kr. Bernkastel-Wittlich.

II.

Erste urkundl. Erwähnung von Bernkastel in einem Testament Adalberos von Luxemburg (1033) und in einer Schenkungsurk. an die Abtei St. Matthias (1037). Verleihung des Stadtrechts für Berrincastel durch → Rudolf von Habsburg (1273-91) auf Bitten des Trierer Ebf.s Boemund I. Das bereits im 12. Jh. als eigene Pfarrei erwähnte Bernkastel erhielt 1386 eine neue Pfarrkirche (St. Michael), in deren Bau der starke Wachtturm der Stadtbefestigung (Michaelsturm) als Kirchturm integriert wurde. Von 1288 bis zum Ende des Trierer Kurstaatswar Bernkastel ununterbrochen im Besitz der Ebf.e von Trier. Unter ihrer Herrschaft erlebte Bernkastel im 15. und 16. Jh. eine Blütezeit. Mitverantwortl. hierfür war auch der an Bedeutung zunehmende Erzbergbau. 1508 siedelt das Domkapitel von → Trier kurze Zeit nach Bernkastel über; 1516 erhielt Bernkastel auch das Recht, kurtrier. Münzen zu prägen. 1586 Erlaß einer kfsl. Stadtordnung mit einem neuen, zehnköpfigen Rat, der unter Aufsicht des Amtmanns und des Kellners stand.

III.

Erbaut wurde Burg L. um 1277 von Heinrich II. von Finstingen (oder Vinstingen, † 1286), Ebf. von Trier, auf den Grundlagen einer älteren Anlage. Die Arbeiten an der Burg wurden von seinem Nachfolger, Boemund I. (1268-99), fortgeführt. Boemund, aus dem freiherrl. Geschlecht derer von Warsberg, stellte große Geldmittel bereit, um das Schloß mit prächtigen Säulen, Kammern, festen Mauern, Türmen und starken Brustwehren zu versehen. Außerdem verstärkte er die Stadtbefestigung. Im Jahre 1291 wurde Johann Spitz, dem Bruder des Nikolaus von Hunolstein,erlaubt, ein Burghaus zu errichten. In der Regierungszeit Ebf. Balduins von Luxemburg konnte die Anlage 1320 schließl. vollendet werden. Unter Ebf. Kuno II. von Falkenstein (1362-88) wurde die Burg als Res. der Ebf.e eingerichtet, und zwar vornehml. als Sommerres. Seit dem 15. Jh. wohnte der Amtmann von Bernkastel auf dem Schloß. Unter Ebf. Johann II., Mgf. von Baden (1456-1503), wurde sie weiter ausgebaut. Bei einem Besuch Ks. → Maximilians I. in der Stadt Bernkastel im Jahre 1512 übernachtete dieser in der kfsl. Amtskellnerei.

Das Hauptportal der Burg lag zur Moselseite (N) hin. Daneben in westl. Richtung befindet sich ein unterkellerter, erkerartig vorgebauter Pförtnersitz mit Fenster und einem Obergeschoß. Nach S schließt sich ein runder Treppenturm an, dessen Zugang dem Hof zugewandt ist. Längs der Südfront setzt sich ein Wohngebäude mit rundem Eckturm fort. Vom Eckturm führte - vorbei an dem mehrgeschossigen Palasgebäude an der 17 m hohen Westwand - ein Wehrgang zum Bergfried. Der runde, nach oben sich etwas verjüngende Bergfried an der Südostecke hat einen äußeren Durchmesser von 10 m und eine Höhe von 30 m.Die zwei hohen Räume werden von Kuppelgewölben überspannt. Die oberste Decke trug früher die Turmplattform. Das zweite Geschoß des Bergfrieds war vom Wehrgang aus über einen äußeren Treppenaufgang durch eine rechteckige Tür zugängl. Der Aufgang wurde durch einen Treppenlauf in Mauerstärke fortgesetzt. Die Burg galt im MA aufgrund ihrer starken Befestigungen und ihrer Lage als uneinnehmbar.

Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg 1639 von den Schweden und nach dem Krieg 1650 von den Franzosen besetzt. Diese Ereignisse mögen mit ein Grund für größere Wiederherstellungsarbeiten im Jahre 1662 gewesen sein, von denen die Haupttreppe, die kleine Treppe mit der Tür in die Kellerei bei dem Kelterhaus, das Zimmer des Kfs.en und das Antichambre mit Kaminen, die Küche, die Tür vor der Haupttreppe zur Küche, das Gewölbe unter dem Gang zum Speicher und auch die Gesindestube betroffen waren. Am 8. Jan. 1692 wurde die Burg durch einen Brand während der Besetzung durch frz.Truppen stark zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Quellen

Die Kunstdenkmäler des Kreises Bernkastel, hg. von Hans Vogts, Düsseldorf 1935. ND Trier 1981.

Kulturdatenbank Region Trier. - 700 Jahre Stadtrecht für sechs kurtrierische Städte: 1291-1991, Bernkastel, Mayen, Montabaur, Saarburg, Welschbillig, Wittlich (Ausstellungskatalog), bearb. von Dietmar Flach und Jost Hausmann, Koblenz 1991. - Martini, Matthias: Das Schloß Bernkastel, auch Landshut genannt, Trier 1840. - Schmitt, Franz: Bernkastel im Wandel der Zeiten, Bernkastel-Kues 1985.