LANDSBERG C.7.
I.
Civitas Holm (961); Landsberc (1174); Landisberg (1185); Landesberch (1207); Landisperch (1235); Landisberg (1378); Landisperg (1404); Landeßbergk (1517) - der Ortsname als Kompositum geht auf mhd. lant im Sinne von Land, Gebiet und Heimat und dem Zusatz Berg zurück und bezieht sich auf den weit im flachen Gelände sichtbaren Felsen - im 12. Jh.Zentrum der gleichnamigen Mgft., auch sächs. Ostmark gen. - zunächst nur Titulaturmark, 1261-91 selbständiges Fsm., 1291-1347 Bestandteil der johanne. Linie der brandenburg. Askanier, 1347 Rückkauf durch Wettiner und Ausgabe als Lehen an Schenken von L.; bis 1815 Teil des Kfsm.s → Sachsen, dann preuß. Provinz Sachsen-Anhalt, 1952-90 Stadt im Kr. Delitzsch, Bezirk Halle.
L. liegt am nördl. Rand der Leipziger Tieflandsbucht - bis auf die Doppelkapelle völlig eingeebnete Burganlage auf Porphyrfelsen, 1156-85 häufige Aufenthalte Mgf. Dietrichs von der Ostmark, 1265-85 Res. Mgf. Dietrichs des Weisen von L. 1285-91 Res. Mgf. Friedrich Tutas von L. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. Halle, Saalkr.
II.
Die Siedlung am Fuße des Porphyrfelsens entwickelte sich erst im Zusammenhang des Burgenbaus in der zweiten Hälfte des 12. Jh.s. Die 961 erwähnte civitas Holm, heute Gollma und 1 km von L. entfernt, weist das Gebiet als Teil des otton. Burgwardsystems aus. Bei der von Mgf. Konrad von Meißen 1156 vorgenommenen Aufteilung der wettin. Allode und Lehen übereignete er seinem Sohn Dietrich die Niederlausitz (Ostmark) und Eilenburg, welcher sich ab 1174 comes de Landsberc nannte. L. nahm sicher als SuburbiumVersorgungsaufgaben für die Burg wahr. Die unregelmäßige Straßenführung deutet darauf hin. Außerdem erscheint L. nicht als planmäßige Stadtgründung. Die Bebauung ist stark dem Gelände angepaßt. Die Stadtkirche in ihrem Grdr. geht auf das 12. Jh. zurück. Über das gesamt MA hinweg behielt L. einen bäuerl.-handwerkl. Charakter und bekam auch erst 1442 Stadtrecht. Vor dem 16. Jh. gibt es keine Belege für das Wirken eines städt. Rates. Die Stadt wurde als schriftsässiges Städtlein dem Amt Delitzsch unterstellt. L. profitierte nicht von seiner Lage an der Handelsstraße von → Lüneburgnach → Leipzig, ein Marktgeschehen ist für die Frühzeit nicht belegt.
III.
Im Bereich des Burgberges wurden bisher keine planmäßigen Grabungen vorgenommen, so daß es kein abgesichertes Bild vom Äußeren der Anlage gibt. Nur die Torsituation am südwestl. Aufgang zum Plateau ist durch Suchschnitte geklärt. Nach der Verhängung der Reichsacht über Otto Schenk von Landsberg 1508 wurden die Bauwerke in den darauffolgenden Jahren bis auf die Doppelkapelle abgetragen und aufgehendes Mauerwerk blieb nur an wenigen Stellen in situ so die Fundamente eines freistehenden Rundturmes an der Nordspitze sowie Reste der Mauerumwehrung. Vermutl.umfaßte die bebaute Fläche 12 000 qm, wovon noch ein Teil durch den Steinbruch verloren ging. Ausgangspunkt für die Res. bildete eine nicht zweifelsfrei überlieferte Abtei auf dem Kapellenberg (ca. 1136-50), die im Zusammenhang des Burgenbaus nach 1160 als Doppelkapelle umgebaut wurde, sowie ein slaw. Burgwall, der aus einem konzentr. System von Wällen und Gräben am Fuße des Berges bestand.
Das castrum Landesberc wurde unter Einbeziehung des Kirchenbaues unter Mgf. Dietrich von der Ostmark errichtet und ist im wesentl. um 1174 fertiggestellt worden. Vermutl. handelte es sich um eine geschlossene Anlage mit drei Höfen. Zw. dem Tor und der freistehenden Doppelkapelle schob sich ein langgestrecktes W-O gerichtetes Gebäude, welches den Zugang zum inneren zweiten Burghof abriegelte. Sicher handelt es sich um den Wirtschaftstrakt. Zw. Rundturm im W und Doppelkapelle im O sperrte ein weiteres Gebäude den zweiten vom dritten Burghof ab. Hart an der nördl.Außenmauer weisen Steinsetzungen in situ auf einen weiteren langgestreckten Gebäudekomplex, ebenfalls unklarer Funktionszuweisung. Daß es eine Verbindung (Galerie?) zw. dem vermutl. herrschaftl. Wohnbereich und der Doppelkapelle gegeben hat, darauf weisen die Balkenaufleger an der schlichten Nordseite des Kirchenbaues hin. Die Doppelkapelle, ein turmartiger Rechteckbau mit drei Apsiden aus mehrheitl. Backstein, entstand zw. 1195-1200 unter Mgf. Konrad von Landsberg. Das zugemauerte Portal im 2. Stock ist als ursprgl. Zugangsbereich für den Mgf.en anzusprechen. Das breite Mittelschiff mit denzwei schmalen Seitenschiffen und der Westturmhalle vermittelt den Eindruck eines Zentralraumes und geht mit einem Mittelschacht über zwei Geschosse. Die Bauornamentik an den Säulen und Pfeilern ist von erstaunl. Vielfalt, kein Kapitell gleicht dem anderen und Figurendarstellungen schmücken die Apsiden. Die nordöstl. Freisäule stellt vermutl. den Bauherren und seine Gemahlin dar. Die lichtdurchflutete Oberkapelle weist reifere Schmuckformen auf als die Unterkapelle. Die Anlage diente nicht als Grablege. Das dritte Obergeschoß dienre vermutl. dem Geistlichen als Wohnraum. DieWalmdachgestaltung geht auf Sanierungsarbeiten i. J. 1662 zurück.
Da L. als selbständiges Fsm. nur von 1261-91 bestand, sind keine Nachrichten über die Ausgestaltung des namensgebenden Mittelpunktes überliefert, obwohl man bei der Größe der Gesamtanlage von einem ausgeprägten höf. Leben sprechen kann. Auch gibt es kaum in L. ausgestellte Urk.n.
Quellen
CDB. - Horn 1725. - Regesten der Markgrafen von Brandenburg, 1910-55. - Regesten der Urkunden des Sächsischen Landeshauptarchivs (948-1300), hg. von Harald Schieckel, Berlin 1960 (Schriften des Sächsischen Landeshauptarchivs, 6). - CDSR I,A, 1-3, 1882-98. - Wegele 1870.
Literatur
Brachmann, Hans: Landsberg, in: Archäologie, 1989, S. 718-720. - George 1993. - Giese 1918. - Kutscher 1979. - Markgraf, Bruno: Der Stand der siedlungsgeschichtlischen Forschung für Leipzigs Umgebung, in: Schriften des Vereins für Geschichte Leipzigs 10 (1911) S. 1-81. - Mylius 1893. - Nickel 1968. - Nitzschke 1965. -Obst 1887. - Pätzold 1997. - Podehl 1975. - Puttrich 1845. - Schieckel, Harald: Herrschaftsbereich und Ministerialität der Markgrafen von Meißen im 12. und 13. Jahrhundert. Untersuchungen über Stand und Stammort der Zeugen markgräflicher Urkunden, Köln u. a. 1956 (Mitteldeutsche Forschungen, 7). - Schmidt, Berthold/Nitzschke, Waldemar: Untersuchungen in slawischen Burgen zwischen Saale undFläming, in: Ausgrabungen und Funde 20 (1975) S. 43-51. - Sehmsdorf 1993. - Strantz, Karl Friedrich von: Krieg des Markgrafen Johann von Brandenburg mit den Markgrafen Friedrich von Meißen und Diezmann von Landsberg oder Osterland 1291-1292, in: Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges 68 (1846) S. 273-78.