LADENBURG C.3.
I.
Lopodun (2. Jh. nach Chr.); Lupodunum (um 370); Lobetdenburc (755); civitas Lobetenburgensis (1199). Stadt im Hochstift Worms; bfl. Stadthof, spätestens ab dem 10. Jh. wichtiger Zentralort des Hochstifts, ab dem 14. Jh. häufigster Residenzort der Bf.e von Worms bis Mitte des 17. Jh, ging 1705 im Gebietstausch mit der Pfgft. an diese über. - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Karlsruhe, Rhein-Neckar-Kr.
II.
Die Gemarkung L. liegt auf einem Flußschwemmkegel am nördl. Neckarufer. Am Knotenpunkt zweier früh faßbarer Heeres- und Fernhandelsstraßen und eines Neckarübergangs entstand nach ersten kelt. Siedlungsansätzen in der zweiten Hälfte des 1. Jh.s nach Chr. ein röm. Kastell, in dessen Nähe sich eine ummauerte Stadt mit kult. und kulturellen Einrichtungen bildete, die 98 zum Hauptort der civitas Ulpia Sueborum Nicretum erhoben wurde. Nach den Alamanneneinfällen fiel dieröm. Siedlung zu großen Teilen wüst, wurde aber in fränk. Zeit Hauptort des Lobdengaus und erscheint in karoling. Quellen als civitas publica. Aus kgl. Grundherrschaft erhielt der Bf. von Worms im Laufe des FrühMA zunehmende Rechte und Besitz, die alleinige bfl. Stadtherrschaft ist zweifelsfrei ab 965 belegt (Immunitätsprivileg Ottos I.). Der Bf. war mit einem eigenen Hofbezirk, Saalbau und Wirtschaftsgebäuden samt Amtmann präsent. Das Gaugericht tagte nördl. der Stadt (Stahlbühl), der Gaugf. hatte jedoch in L. keine Zuständigkeit. Nach einer vom Bf. gefördertenStadterweiterung um 1200 sind größere Adelshöfe der Wormser Ministerialität in L. auszumachen. Die Bürgergemeinde mit Schultheiß und Schöffen zeigt sich in den Quellen erstmals 1253, später wird auch ein Rathaus erwähnt. L. war trotz des gegebenen Handels und Gewerbes vornehml. agrar. geprägt und hatte im MA eine geschätzte Einwohnerzahl von 1 000-1 500. Die städt. Pfarrkirche St. Gallus hatte 1393 auch die Funktion als Hauptkirche der Landkapitel → Heidelberg und Weinheim. Obwohl Aufenthalte des Bf. in L. selten urkundl. faßbar sind, weisen die Ministerialenhöfe, der Domhof und dieSchaffnerei des Wormser Kapitels in L. auf die Zentralfunktionen des Residenzortes hin. Die Residenzfunktion L.s intensivierte sich seit 1220-30 noch, als die Auseinandersetzungen mit der Stadt → Worms zu einer permanenten Verdrängung des Bf.s aus seiner Kathedralstadt führten, während die Zentralverwaltungen des Bm.s und z. T. auch des Hochstifts immer in → Worms blieben. Dabei gibt es Hinweise, daß die bfl. Lokalverwaltung in L. auch Zentralaufgaben wahrnahm, ab dem 14. Jh. verdichten sich zudem auch die Belege für die tatsächl. Präsenz des Bf.s in L., freilich läßt die fürdas gesamte Bm. schlechte Überlieferungssituation auch hier Fragen offen. Mitte des 14. Jh. wurden seitens der L.er Bürgerschaft Emanzipationsbestrebungen wirksam, die zu einer Herrschaftsdestabilisierung mit wechselnden Schirmherrschaften und Fehden führten. 1370 konnte der ohnehin auf Kosten des Hochstifts Worms expandierende Pfgf. Rudolf I. dem Gf.en von Sponheim den Anteil seines 1353 mit dem Bf. geschlossenen Kondominatsvertrages über L. entreißen. Im Burgfrieden von 1385 wurde das pfälz.-worms. Kondominat in L. endgültig geregelt und hat bis 1705 bestanden. Davon ausgenommenblieb nur die wohnunge, der Bischofshof selbst. In Ermangelung anderer Orte blieb L. trotz des Kondominats Res. und wurde als solche gerade von Bf. Johann von Dalberg (1483-1503) häufig aufgesucht, in dessen Person sich die zunehmende Anlehnung des Hochstifts an die Pfgft. bes. manifestierte. Obwohl für mehrere Bf.e ein Ableben zu L. bezeugt ist, war die Stadt während der eigentl. Residenzzeit keine Grablege. Der territorialen Schwäche des Wormser Bm.s fiel schließl. auch die Res. L. zum Opfer. Da es defintiv ab 1663 keinen selbstständigen Bf. von Worms mehr gab unddauerhaft eine Personalunion, v. a. mit → Mainz, bestand, wurde der L.er Bischofshof nicht mehr als Res. genutzt. Schließl. ging L. 1705 in einem Gebietstauschvertrag an die → Kurpfalz über und der Bischofshof wurde kurpfälz. Amtshaus und Landschreiberei.
III.
Der Bischofshof stellte als befestigter Bezirk an der neckarseitigen Stadtmauer ein Geviert von jeweils 100 m Seitenlänge im Zentrum der Altstadt dar, dessen Züge heute noch im Grundriß und durch z. T. erhaltene Gebäude nachvollziehbar sind. Durch mehrere Königsaufenthalte des HochMA ist ein palatium belegt, das wohl den ma. Bischofssaal bezeichnet, der sich im bfl. Hofbezirk an das Langhaus der ursprgl. roman. St. Sebastianskapelle anschloß und vermutl. auf den Fundamenten eines fränk. Königsshofes aufruhte. Der bfl. »Saal«(aula) hatte Kellerräume zur Versorgung, repräsentative Räume in einem erhöhten Erdgeschoß und Wohngemächer in einem Obergeschoß. Um 1434 wurde dieses Gebäude noch einmal umgebaut und erweitert. Nach Bezug des neuen bfl. Schlosses im Laufe des 16. Jh.s diente der alte Saal u. a. als Zehntscheuer und wurde 1885 abgerissen. Das bis heute erhaltene, dreigeschossige Bischofsschloß ist im Kern ein Bau des 15. Jh.s, zw. 1590 und ca. 1620 wurden die nördl. und südl. Erkeranbauten errichtet, um 1610 der Treppenturm. Die innere Funktionsteilung der Geschosse entspricht derdes alten Saales. Durch die Fenstergewände, Eckausquaderung und durch zahlr. Wappensteine präsentiert es sich als ausgesprochenes Renaissance-Schloß. Zur Hauptstraße hin steht noch das ehemalige bfl. Amtshaus, das 1776 klassizist. umgebaut wurde. Dem Amtshaus gegenüber, außerhalb des eigentl. Hofbezirkes, befand sich der bfl. Bauhof, der sog. Engelhof. Die Bf.e besaßen noch einen 1445 erworbenen und danach ausgestalteten Lustgarten. Die Befestigungen des Bischofshofes wurden nach mehrfach wechselnden Besatzungen während des Dreißigjährigen Krieges geschleift, ansonsten blieb der baul. Schadenauch während des Pfälz. Erbfolgekrieges eher gering.
Quellen
Siehe die Angaben im Art. B.3. Worms, Bf.e von.
Literatur
Das Bistum Worms, 1997. - Dörr, Albert: Der Bischofshof in Ladenburg a. N. Eine Darstellung seiner Entwicklung auf Grund geschichtlicher und architektonischer Forschungen unter Beigabe von Abbildungen und geometrischen Aufnahmen, Mainz 1912. - Heukemes, Berndmark/Schaab, Meinrad: Ladenburg, in: Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim. Amtliche Kreisbeschreibung Baden-Württemberg, Bd. 3: Die Stadt Mannheim und die Gemeinden des Landkreises Mannheim, Karlsruhe 1970,S. 601-647. - Ladenburg: aus 1900 Jahren Stadtgeschichte, hg. von Hansjörg Probst, Ubstadt-Weiher 1998. - Schaab 1971. - Schaab, Meinrad: Ladenburg als wormsische Bischofsresidenz, in: Südwestdeutsche Bischofsresidenzen, 1992, S. 83-97. - Schaab, Meinrad: Hochstift Worms, in: Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte, 2, 1995, S. 504-512.