Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KREUZLINGEN C.4.1.

I. / II.

Bezeichnung und Zugehörigkeit siehe Art. B.4.1. Kreuzlingen. - CH, Kanton Thurgau, Bez. K.

III.

Die ersten Klostergebäude wurden ab 1125 nur wenige Dutzend Meter südl. der Mauern der Stadt → Konstanz an der Strasse nach → St. Gallen errichtet. Während über drei Jh.en gehörte das Kl. gewissermaßen als Vorstadt zu → Konstanz, da sich die heutige Stadt K. erst ab dem 19. Jh. aus den umliegenden Ortschaften herausbildete. Das Kl. verteidigte aber der Stadt → Konstanz gegenüber von Beginn weg entschieden sämtl. Besitzrechte, was immer wieder zu heftigen Spannungen mit dem Konstanzer Rat und zuInterventionen der Bf.e führte. Nach der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen 1460 und insbes. im sog. Schweizer- oder Schwabenkrieg wurde die unmittelbar vor den Toren liegende Klosteranlage als milit. Bedrohung für die Stadt empfunden und 1499 von Konstanzer Truppen niedergebrannt. Im Dreissigjährigen Krieg wurde K. am 2. Okt. 1633 erneut zerstört, worauf → Konstanz verlangte, daß ein Wiederaufbau »einen Kanonenschuß« von der Stadt weg verschoben werden müsse. Mit zunehmendem Einfluß der Eidgenossen begann sich K. auch wirtschaftl. von → Konstanz zulösen, was im 18. Jh. zu neuen Differenzen mit der Stadt bezügl. Markt- und Hafenrechten führte.

Die heute sichtbaren Klostergebäude gehen auf einen Neubau aus der Mitte des 17. Jh.s zurück, der anstelle der 1633 zum zweiten Mal zerstörten Anlage auf einem neuen Gelände rund eineinhalb Kilometer südostl. des ursprgl. Standorts errichtet wurde. Von 1650-53 wurde als erstes die neue Klosterkirche nach Plänen des Konstanzer Stadtbaumeisters Stephan Gundertsrainer und des Steinmetzes Melchior Gruber errichtet. Die Konventsbauten wurden ein Jahrzehnt später unter der Leitung des Vorarlbergers Michael Beer von der Au und Jakob Saylers begonnen und 1685 fertiggestellt.

Vorgesehen war eine Anlage mit zwei geschlossenen Innenhöfen, von denen einer vollendet wurde, während zwei Flügel des zweiten Hofs nie realisiert wurden.

1760 wurde am nördl. Flügel der Klosterkirche eine Ölbergkapelle angebaut, und ab 1764 begann die Umgestaltung der Kirche und von Teilen der Konventsgebäude im Rokoko-Stil unter der Leitung des Vorarlbergers Johann Ferdinand Beer.

Das Kl. wurde 1848 aufgehoben und in ein Lehrerseminar umgewandelt, wobei der westl. Flügel mit dem Bibliothekssaal und 1854 die südwestl. der Kirche auf dem Friedhof stehende, 1672 geweihte Liebfrauenkapelle mit der Grablege der Chorherren abgebrochen wurden. Nach zwei umfassenden Renovationen im 20. Jh. brannte die Klosteranlage in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 1963 teilw. ab und wurde so weit als mögl. originalgetreu wieder aufgebaut, wobei im Seminarteil die völlig zerstörten Räume neu gestaltet wurden.