KREMSIER C.3. (Kroměříž)
I.
Cromesir (1131), Cromezir (1207), Crimsir (1235), Chremsier (1245). Die Stadt liegt in Mittelmähren am Fluß March - Burg, Stadt, Bm., seit 1777 Ebm. Olmütz. - CZ, Region Südmähren.
II.
K. lag am Schnittpunkt der großen europ. Verkehrswege - an der Kreuzung des Bernsteinhandelswegs, der von der Adriaküste entlang der March nach N bis → Olmütz und weiter zur Ostsee führte, und der Querstraße, die vom Salzkammergut (→ Salzburg, → Linz) über Znaim und K., weiter über das heutige Ostrau nach Polen ging. Der Stadtkern liegt auf einem Plateau, das sich zum rechten Marchufer senkt.
K. ist die älteste Stadt des Olmützer Bm.s, zu dem die Stadt bis zur Aufhebung der Patrimonien i. J. 1848 gehörte. Bf. Johann II. kaufte in den Jahren 1104-26 K. mit Tavernen, der Brückenmaut und einem Hof, zu dem elf Dörfer gehörten, vom Olmützer Fs.en Otto II. Bf. Bruno von Schauenburg (1245-81) ließ in den Jahren 1256-62 den Marktflecken zu einem befestigten städt. Gebilde mit einem viereckigen Hauptplatz umgestalten. Er baute den roman. Hof zu einer got. Burg um, deren Rest höchstwahrscheinl. der Kern des heutigen viereckigen prismat. Turms darstellt, und nahm den Bau derdreischiffigen St.-Moritz-Kirche in Angriff, die dem von ihm gegründeten Kollegiatkapitel dienen sollte. Das Kapitel ist zum erstenmal i. J. 1262 nachgewiesen. Früher befand sich an dieser Stelle eine Pfarrkirche mit einem Marien-Patrozinium aus der Zeit vor der Kolonisierung. Die Lage an der Kreuzung der Handelswege zeigt, daß die dortige Johanniterkommende mit der St.-Johannes-Täufer-Kirche und dem Spital um 1200 entstanden sein dürfte. Die Stadt wurde durch die Stadtmauer in der Form eines unregelmäßigen, 560 m langen und 440 m breiten Ovals mit Graben geschützt. An der Nordseite derStadtmauer schloß sich Brunos Burg an, die zugl. eine Dominante des Hauptplatzes bildete. Diese Tatsache bestätigt die Hypothese, daß die Burg gleichzeitig mit dem Hauptplatz entstand. In die Stadt führten zwei Tore (an der nordwestl. und südöstl. Seite). Das dritte, bis heute erhaltene Tor war nicht Bestandteil der Befestigung. Es wurde Anfang des 16. Jh.s in der unmittelbaren Nähe des Schloßes erbaut und ermöglichte den Zutritt zu den wirtschaftl. Schloßgebäuden: zur Bierbrauerei, Mühle, Schmiede, Münzhaus und Ställen. Die Burg wurde zum Zentrum eines Netzes von Lehen des Olmützer Bm.s,das am dichtesten in den böhm. Ländern war. Der erste Beleg einer Lehensverleihung stammt aus dem Jahre 1249. In der Mitte des 15. Jh.s bestand das Lehenssystem aus 289 Dörfern. Brunos Nachfolger, Dietrich von Grätz, legte i. J. 1290 fest, daß sich die Stadt nach dem Brünner Stadtrecht (früher dem Magdeburger Recht?) richten solle und daß 14 bfl. Dörfer in der Umgebung diesem Stadtrecht unterliegen werden. Er bestätigte auch das Recht, den Jahrmarkt am St.-Moritz-Tag und Wochenmärkte mittwochs und samstags zu veranstalten. Das Recht, weitere Jahrmärkte zu halten, wurde der Stadt von den böhm.Kg.en in den Jahren 1459 und 1528 erteilt. Die Schule wurde in der Stadt bereits i. J. 1380 erwähnt. Im Jahre 1322 genehmigte Kg. Johann einem Juden, der Geldgeschäfte betrieb, sich in der Stadt aufzuhalten. Die Olmützer Bf.e bewilligten den Juden, die bspw. im 16. Jh. aus Schlesien vertrieben worden waren, den Eingang in ihre Domänen. Bereits im Jahre 1606 gab es in der Stadt eine selbstverwaltete Judengemeinde, die eine Schule (= Synagoge), ein Haus des Rabbiners und 21 Häuser einschließl. eines Spitals besaß. Im Jahre 1432 wurde die Stadt von den Hussiten erobert und bis1500 verpfändet.
Bf. Stanislaus Thurzo (1497-1540) ließ die frühroman. Burg zu einem Schloß umbauen, das bis zum Jahre 1612 eine ständige Res. der Olmützer Bf.e war, die nur ausnahmsweise nach → Olmütz kamen. Neben einem Lehenshof befand sich im Schloß auch die Zentralverwaltung der Güter des Olmützer Bm.s, die zu den umfangreichsten im Land gehörten. Im Schloß hatte auch die bfl. Kanzlei ihren Sitz. Von dort aus verwalteten die Bf.e ihre Diöz., die bis 1777 ganz Mähren umfaßte. Thurzo führte auch den Aufbau der St.-Moritz-Kollegiatkirche zu Ende. In der Schloßgalerie befinden sich ein Komplex vonvier Tafelmalereien von Lucas Cranach d.Ä. aus den Jahren 1515-18, die sich Thurzo bei dem Maler bestellt hatte. Er war Mäzen sowohl der Olmützer Humanisten (Sodalitas Marcomannica in Olmütz) als auch der ausländ. Repräsentanten dieser Richtung (C. U. Velius, Ulrich von Hutten, Beatus Rhenanus standen bspw. mit Erasmus von Rotterdam in Briefwechsel). Die Veränderungen in K. fesselten die Aufmerksamkeit der mitteleurop. Humanisten: Caspar Ursinus Velius (1493-1539), der Geschichtsschreiber Ferdinands I., widmete der Stadt K. die Ode »De oppido Cremsyrio Moraviae« (1524). Ab1509 kamen böhm. und ausländ. Kg.e, päpstl. Legaten und Humanisten ins Schloß zu Besuch. Die Gunst der Herrscher spiegelte sich in der Erteilung von Privilegien wider - 1588 wurden der Fürstentitel und 1608 das Recht, Münzen zu prägen, erneuert. Das Münzhaus befand sich am Abhang unter dem Schloß, und die ersten Prägungen sind ab 1614 bekannt. Die älteste Vedute mit dem Schloß, die im Buch von Bartolomeus Paprocký von Hlahols »Spiegel der berühmten Markgrafenschaft Mähren« (Olmütz 1593) zu finden ist, schuf Johann Willenberger. Im Jahre 1606 wurde in K. der einzige Orden, derjenige desFranziskaner, eingeführt. Der Repräsentation und dem milit. Bedarf diente die Schloßgarde, die zum erstenmal i. J. 1582 erwähnt ist. Das Aufblühen der Stadt und der Res. unterbrach der Dreißigjährige Krieg. Im Jahre 1643 wurde die Stadt von den Schweden erobert und niedergebrannt. Von 244 Häusern blieben nur 69, die jedoch beschädigt waren. Schwer zerstört wurde auch das Schloß.
III.
Zu Beginn des 16. Jh., unter Bf. Stanislaus Thurzo (1497-1540), kam es zum frühgot. Umbau der Burg. Die Burg, während der Hussitenkriege wahrscheinl. beschädigt und zur Zeit des langjährigen Aufbaus der Stadt vernachlässigt, wurde zu einem Schloß im späten Renaissancestil umgebaut. Es ist ein zweistökkiges Gebäude mit vier Flügeln, die um einen Burghof herum angeordnet sind, einem Hauptturm und einem Erker (wahrscheinl. eine Kapelle). An die nordöstl. Seite des Schloßes schließt sich ein Schloßgarten an, der zum erstenmal i. J. 1509 nachzuweisen ist. SeinUmfang wurde allmähl. vergrößert; heute hat er ein Ausmaß von 64 ha, und sein heutiges Aussehen wurde seit den 90er Jahren des 18. Jh. gestaltet.
Nach der Zerstörung der Stadt durch die Schweden ließ Bf. Karl, Gf. von Liechtenstein-Kastelkorn, mit Hilfe der Architekten des Wiener Hofes F. Luchese (bereits i. J. 1666) und G. P. Tencalla einen Umbau des Objekts im Geist des Manierismus zu einem Fürstensitz durchführen. So entstand ein monumentales zweistöckiges Gebäude mit einem Halbstockwerk im Dachboden. Tencalla ließ den frühgot. prismat. Turm erhalten. Im Erdgeschoß des Gartenflügels befindet sich die salla terrena, im ersten Stock Repräsentationsräume (der Thronsaal,Beratungssaal, der kleine und große Speisesaal), im zweiten Stock der Lehenssaal, Bibliothekssäle und Gästezimmer. Außerhalb der Stadt ließ der Bf. einen ausgedehnten ital. Lustgarten (485 × 300 m) errichten. Im Garten, der Ziergarten gen. wird, befinden sich eine Kolonnade und eine achteckige Rotunde. Für die Bildergalerie im Schloß erwarb der Bf. ihre heute bedeutendsten Gemälde von Tizian, Pordenone, Veronese und van Dyck.