Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KÖTHEN C.7.

I.

Cothene (1156); Kochene (1290); Koethene (1302) - Burg und Stadt - Askanier; Gf.en bzw. Fs.en von Anhalt - ursprgl. Sumpfburg am Rande der späteren Stadt; zeitweilige Nebenres., seit 1603 bis 1847 Res. der Linie Anhalt-K. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. Dessau, Kr. K.

II.

Die vermutl. auf eine slaw. Wallburg zurückgehende, später zum Schloß ausgebaute Burg K. liegt im sumpfigen Ziethetal im ehemaligen Gau Serimunt. Obwohl erst 1396 urkundl. erwähnt, ist sie bereits vor der wohl in der Mitte des 12. Jh.s durch die Askanier angelegten Marktsiedlung vorhanden gewesen, taucht doch 1156 urkundl. ein Huswart de Cothene und wenig später ein Ministerialengeschlecht von K. auf.

Neben der Burg und dem Marktort gehörte das 1160 bezeugte, ebenfalls auf slaw. Ursprünge zurückgehende und später wüste Hohenköthen zu den ältesten archäolog. gesicherten Siedlungen im heutigen Stadtgebiet. K., das an der von → Magdeburg kommenden, hier nach → Halle und → Leipzig abzweigenden Handelsstraße lag, stellte bereits im 12. Jh. ein bedeutendes Handelszentrum dar, diente den Askaniern als Münzprägeort und war Archidiakonat des Erzstifts → Magdeburg. Es kam 1212 an die anhalt. Linie des Fürstenhauses und spielte als gelegentl. Nebenres. eine gewisseBedeutung.

Erstmals zum Jahre 1115 taucht in chronikal. Überlieferung ein Kothene als Schlachtort zw. Askaniern und Slawen auf, der sich möglicherw., jedoch nicht sicher, auf die spätere Marktsiedlung bezog. Diese wird erstmals 1194 urkundl. erwähnt und 1313 als civitas bezeichnet. Daneben entstand die erst 1377 urkundl. bezeugte Neustadt, die sich bald zur Konkurrenz der Altstadt entwickelte und mit dieser 1620 vereinigt wurde. In wirtschaftl. Hinsicht spielte neben dem Handel und der Nahrungsmittelproduktion die Tuch- und Lederherstellung und -verarbeitung eine Rolle.

Seit dem 14. Jh. hatte sich mit dem Rat ein Selbstverwaltungsorgan der Bürger gebildet, dessen Macht allerdings durch die fsl. Stadtherren beschränkt blieb. Versuche der Stadt, die Geldnot der Askanier im 15. Jh. zur Erwerbung von Rechten auszunutzen und diese über Gebühr zu beanspruchen, führten zu vereinzelten Konflikten, jedoch nicht zur Lockerung der fsl. Herrschaft. Die Fs.en, die von 1480-1547 und dann ab 1603 ihren festen Wohnsitz in K nahmen, bemühten sich ihrerseits um die Förderung der Stadt nicht nur auf ökonom., sondern auch auf geistig-kulturellem Gebiet, so durchdie Etablierung der »Fruchtbringenden Gesellschaft« zur Förderung der dt. Sprache von 1629-50 in K.

III.

Das genaue Aussehen der 1396 genannten Burg ist unbekannt. Sie lag an der Südwestecke des heutigen Schlosses und besaß eine Kapelle, die 1476 erwähnt wird. Ein Brand zerstörte 1547 große Teile der Anlage. Erst fünfzig Jahre später beschlossen die Fs.en von Anhalt den Wiederaufbau zu einer repräsentativen Res. mit Schloßgarten. Baumeister waren u. a. Jobst Schilling von Kleckwitz und die Brüder Franz und Peter Niuron aus Brieg. Als erster Teil wurde bis 1599 der noch heute erhaltene südl. Teil des Westflügels (Johann-Georg-Bau) errichtet. Er diente ursprgl.den Fs.en als Wohnung, besaß zudem eine Stube für die Hofleute und hat in der Folgezeit mehrfache Umbauten erfahren.    

Von 1600 bis 1608 folgte mit dem Ludwig-Bau der südl. dreigeschossige Haupttrakt mit Elementen der ital. Renaissance, 16 Achsen und einst reichem, von Melchior Brenner aus → Dresden gefertigten Steinmetzschmuck. Vor der Hoffassade befinden sich zwei hohe sechseckige Wendeltreppen, jeweils bekrönt mit einer welschen Haube. Im Innern bilden die unter dem Hofniveau liegende Kapelle und der darüber liegende »Große Saal«, in welchem die »Fruchtbringende Gesellschaft« ihre Sitzungen abhielt, das Kernstück. Westl. der Kapelle liegen die Bibliothek und »Conditorei«, östl. von ihrdie Sakristei.

An der Ostseite des Schloßkomplexes verlief ursprgl. eine Arkadenreihe mit einem Brückentor, an die sich das Pagenhaus anschloß. Dieses bildete zusammen mit den Anfang des 17. Jh.s errichteten Küche, Backhaus und Badestube sowie den Gesinde- und Vorratshäusern den Nordflügel, der wiederum an den nördl. Westflügel (Altes Amtshaus) anschloß. Letzterer stammte aus der Zeit um 1530, beruhte auf dem Unterbau des 15. Jh.s und gehörte damit zum ältesten erhaltenen Teil des Schlosses. Er wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört und später abgetragen. Zw. Amtshaus und Johann-Georg-Bau lagdas 1670 erbaute Torhaus.

Im 18. Jh. erfolgten durch Johann Michael von Hoppenhaupt d. Ä. 1725-28 die Errichtung der Orangerie und Veränderungen am Ludwig-Bau und in der Schloßkapelle. Die Hauptwache wurde 1745 erbaut und der Marstall von 1757-67. In der ersten Hälfte des 19. Jh.s gestaltete Gottfried Bandhauer den »Großen Saal« in klassizist. Formen, baute das Pagenhaus zum Ferdinand-Bau um und schuf die seit 1940 ruinöse Reithalle. Nach dem Aussterben der Linie Anhalt-K. wurde das Schloß als Schul-, Verwaltungs- und Museumsgebäude genutzt und an seiner Ostseite durch einen mehrgeschossigen Gefängnisneubauverunziert, den man 1992 wieder beseitigte.

Quellen

CDA. - Regesten der Urkunden zu Zerbst, 1909.

Anhalts Bau- und Kunst-Denkmäler, 1894, S. 232-238. - Dauer, Horst: Schloß Köthen, Leipzig 1989 (Baudenkmale, 70). - Die Kunstdenkmale des Landes Anhalt, hg. von Hermann Giesau, Band 2: Landkreis Dessau-Köthen, 1. Tl.: Die Stadt Köthen und der Landkreis außer Wörlitz, bearb. von Ernst Haetge und Marie-Luise Harksen, Burg b. Magdeburg 1943, S. 129-142. - Hartung, Oskar: Geschichte der Stadt Cöthen bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts, Köthen 1900. - Hoppe, Günther u. a.: Köthen (Anhalt) zw. den Jahren 1115 und 1949. Vier Beiträge zur Stadtgeschichte, Köthen 1991. - Rüger/Schmitt 1983. - Schicksale, 1978, S. 329. - Schulze, Robert: Köthen. Führer durch die Stadt und ihre Geschichte, Köthen 1923.