KORNELIMÜNSTER C.4.1.
I. / II.
Bezeichnung und Zugehörigkeit siehe Art. B.4.1. Kornelimünster. - D, Nordrhein-Westfalen, Stadtteil von Aachen.
III.
K., Hof. Über die Klostergebäude aus der Gründungszeit der Abtei ist nichts näheres bekannt. Durch Ausgrabungen konnte in den Jahren 1959-63 der Grdr. der Kirche und einiger angrenzender Bauten nachgewiesen werden, zum größten Teil auch die Immunitätsmauer. Das karoling. Kl. wurde nach streng rechtwinkligem Bauschema auf einem Quadrat von 100 × 100 m Kantenlänge errichtet, dessen Zentrum die Klosterkirche bildete. Es dürfte sich, ganz im Sinne der anian. Reform, um eine »Musteranlage« gehandelt haben. Nach den Zerstörungen in denNormannenkriegen 881 und 892 wurde das Kl. im 10. Jh. wieder hergestellt. In der Folgezeit kam es zu einer ständigen Erweiterung von Kirche und Klosteranlage. Der Gründungsbau der Abteikirche, einer dreischiffigen Basilika mit Querhaus und Chorrechteck, entwickelte sich im Laufe der Jh.e zu einer mächtigen, fünfschiffigen Kirche, an deren Hauptchor, quasi als Endpunkt, 1706 die Korneliuskapelle nach O angebaut wurde. Die lange Baugeschichte erklärt auch die reiche architekton. Vielfalt des Gotteshauses, das nicht nur als Klosterkirche, sondern auch als Wallfahrtskirche mit ihremHeiltumsschatz weit in die Region ausstrahlte und sich neben dem Aachener Münster behaupten konnte. Der Brandschatzung des Kl.s durch die Aachener Bürger i. J. 1310 fielen die Hälfte des Westbaus der Abteikirche sowie die angrenzenden Klostergebäude zum Opfer, die vergrößert wieder aufgebaut wurden. Einen Höhepunkt in der jüngeren Geschichte der Abtei bilden die Abbatiate Heriberts von Lülsdorf (1450; 1481) und Heinrichs von Binsfeld (1491-1531). Unter ihrer Herrschaft gelangte die Abtei zu erneuter Blüte, sowohl in spritueller Hinsicht als auch in der Selbstdarstellung nach außen. Beidesetzten umfangr. Um- und Neubauten ins Werk. 1498 wurde der große innere Torbau ganz aus Bruchstein errichtet, mit ihm der sich westl. anschließende Querflügel. In der ersten Hälfte des 17. Jh.s erfolgte die Wiederherstellung des Dormitoriums sowie anderer Bauten, die infolge von Kriegszerstörungen und Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen worden waren. 1682 ließ Abt Johann Theodor von Hoen-Cartiels (1675-96) das äußere Eingangstor mit flankierenden Rundtürmchen, die den wehrhaften Charakter unterstreichen, errichten. Abt Hyacinth Alphons Gf. von Suys (1713-45) begann den vollständigenNeubau des Kl.s, den sein Nachfolger Carl Ludwig von Sickingen-Ebernburg (1745-64) vollendete. Es entstand eine fünfflügelige, zweigeschossige Barockanlage, deren Repräsentationsräume und die Abtswohnung den Mitteltrakt des Cour d'honneur bilden. Der Abtstrakt mit seiner siebenachsigen Front und dem Mittelrisalt von drei Achsen hebt sich von den umgebenden Flügelbauten ab und zeigt das Selbstverständnis seines Erbauers, dessen Wappen von zwei Löwen im Tympanon gehalten wird. Den Ehrenhof schloß ursprgl. ein hohes Ziergitter nach W ab. Der große Empfangssaal des Abtesliegt im Untergeschoß des Mitteltraktes, geschmückt mit Stuckornamenten und Deckengemälden, die in ihrem Programm auf die Stellung des Abtes und die Bedeutung seines Amtes hinweisen. Das prächtige Treppenhaus führt zum Rittersaal, der in seiner baukünstler. Ausstattung die übrigen Räume, darunter die Abtskapelle und das Jagdzimmer, übertrifft. Die ecclesia triumphans ist Gegenstand und Mittelpunkt des großen Deckengemäldes. Überaus prachtvolle Stukkaturen gliedern die Wände, geschmückt mit Stuckreliefs, allegor. und symbol. Emblemen von starkerAusdruckskraft. Den prächtigen Stuckkamin krönt der doppelköpfige Reichsadler, seitl. das Wappen des Erbauers sowie Horn und Tiara des hl. Cornelius, Emblem des Münsterländchens, der abteil. Herrschaft. Während die übrigen Gebäudeflügel einfacher ausgestattet sind, verdient der Priorsaal mit seiner reich bebilderten Kassettendecke im nördl. Flügel bes. Erwähnung. Der Kamin trägt ebenfalls das Wapen des Abtes von Suys. Der Neubau der Klosteranlage mit ihrem sehr auf Repräsentation ausgerichteten Abtstrakt dokumentiert den Machtanspruch und Herrschaftswillen, die geistl. und weltl. Gewalt desAbtes von K., der die Abtei zur Res. ausbaute. Nach der Aufhebung des Kl.s gelangte die Klosterkirche in den Besitz der kathol. Pfarrgemeinde, die übrigen Klostergebäude durch Verkauf und Einrichtung einer Tuchfabrik zunächst in Privatbesitz. 1876 wurde die Klosteranlage durch die preuß. Regierung in ein Lehrerseminar umgewandelt, zudem der äußerste Südflügel angebaut sowie umfangr. Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt. Nach Aufhebung des Lehrerseminars zunächst Heimatmuseum des Landkreises Aachen. Der Zweite Weltkrieg brachte schwere Beieinträchtigungen der Gebäude mit sich. Seit denfünfziger Jahren des 20. Jh.s beherbergen sie das Bundesarchiv, Zentralnachweisstelle, sowie seit 1976 die Ausstellung »Kunst aus Nordrhein-Westfalen« mit Werken zeitgenöss. Kunst, die sich heute im Besitz des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen befinden und nach umfangr. Sanierung der Gebäude seit 1995 wieder zugängl. sind.