Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KÖLN C.2.

I.

Lat. Colonia, dt. Colne, Coelne, Collen oder dgl. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. K., kreisfr. Stadt.

II.

Die Stadt liegt in verkehrstechn. günstiger Lage am Rhein. Der Strom bildete seit jeher eine der wichtigsten Verkehrsadern, dessen Bedeutung nach dem Zerfall der Römerstraßen noch zunahm. Bei K. veränderte der Rhein seinen Charakter von einem Mittelgebirgs- in einen Tieflandstrom. Von K. an konnten Schiffe mit größerem Tiefgang und damit mit einer größeren Ladung eingesetzt werden, die wg. der Stromschnellen und Untiefen oberhalb K.s nicht mehr verkehren konnten. Außerdem kreuzten sich in K. wichtige Straßenzüge von O nach W und von N nach S. Diese Situationnutzten die K.er für ihren Handel und bauten ihre Stapelrechte aus, die fremde Kaufleute zum Verkauf in K. zwangen. V. a. der Weinhandel wurde in der Stadt monopolisiert, so daß man im Hansebereich von K. als »Weinhaus der Hanse« sprechen konnte. Auch wg. der günstigen wirtschaftl. und verkehrstechn. Situation stieg die Bevölkerung schnell an und betrug im SpätMA wohl bis zu 40 000 oder mehr Einw. Jedenfalls war sie damals die größte Stadt des Deutschen Reiches jenseits der Alpen und eine der größten Städte Europas überhaupt. Entsprechend ihrer Bedeutung für den Verkehrentwickelte sich auch ihr Handel und Gewerbe. In K. gab es ein hochspezialisiertes Exportgewerbe und Fernhändler mit Beziehungen in fast alle Teile des abendländ. Europa und stellenweise sogar darüber hinaus. Die Wirtschafts- und Finanzkraft der Handelsmetropole wurde auch von den Ebf.en in Anspruch genommen, aber seit 1288 nicht mehr als Herren der Stadt, sondern als Antrags- oder Bittsteller und Kunden. Die K.er Bucht zählt zu den fruchtbaren Bördelandschaften. Dazu kommen ebenso fruchtbare Landstriche in der Voreifel, die in der Regel den Nahrungsmittelbedarf der großen Stadt deckenkonnten.

K. war eine Gründung der Römer. Zu einem nicht mehr exakt feststellbaren Zeitpunkt vor 9 nach Chr. wurde das oppidum Ubiorum als Vorort der Ubier mit der ara als zentraler Kultstätte gegr. 50 nach Chr. erhob Ks. Claudius es auf Wunsch seiner Frau Agrippina zur Colonia und gab ihr den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA). Für kurze Zeiten unterhielten Ks. oder Usurpatoren seit dem 3. Jh. nach Chr. für ihre Reiche oder Teilreiche Res.en in K. und bewohnten dann das repräsentative Prätoriummit der Schauseite zum Rhein. Über die Ausbreitung des Christentums im Rheinland und K. fehlen aussagekräftige Quellen für die frühe Zeit. Um 300 muß es aber eine christl. Gemeinde in K. gegeben haben. Denn 313/14 ist der erste K.er Bf. namens Maternus als Teilnehmer an Synoden in Rom und Arles bezeugt. Zu dessen Zeit bestand bereits eine Kirche an der Stelle des heutigen Doms in der unmittelbaren Nähe zum Nordtor der Römerstadt. Nach dem Tod des Bf.s Severin 397 bricht die Bischofsliste für die Spätantike ab. Wahrscheinl. ist in den Wirren der darauf folgenden Völkerwanderungszeit kein neuerBf. mehr ernannt worden. Dennoch muß eine christl. Gemeinde unter den neuen Herren, den Franken, bestehen geblieben sein, wie Grabinschriften bezeugen. Erst seit dem 6. Jh. sind wieder Bf.e nachzuweisen. Schon unter den Merowingern, die zeitw. in dem alten Prätorium residierten, stiegen K.er Bf.e zu Ratgebern der Kg.e auf. Das führte dazu, daß dem K.er Bf. die Kirche in → Utrecht unterstellt wurde. Die enge Verbindung zum Königshaus blieb auch unter den Karolingern erhalten. Als Karl der Große → Sachsen in sein Reich eingliederte und eine Neuordnung derKirchenorganisation am Ende des 8. Jh.s durchsetzte, erhob er Bf. Hildebold zum Ebf. von K. und unterstellte ihm die neu zu gründenden Bischofssitze in → Münster, → Osnabrück und → Minden. → Bremen scherte bald aus und wurde ein eigenes Ebm. → Lüttich kam jedenfalls schon unter Karl dem Großen in den K.er Metropolitanverband.

Die Entwicklung der Stadt lag seit den Ottonen und seit der Ernennung Bruns, des Bruders Ottos des Großen, in den Händen der Ebf.e. Die Herrscher, die bis zu den Karolingern noch in K. Pfalzen unterhielten, zogen sich aus K. zurück und überließen die Herrschaft den Ebf.en, die maßgebl. an der ersten Erweiterung der Stadt zum Rheinufer hin, an der Errichtung der Rheinvorstadt und an deren Befestigung beteiligt waren. Im 12. Jh. wurde die Rheinvorstadt abermals erweitert und wohl im darauf folgenden Jh. mit einer Mauer umgeben. Bereits 1106 umgaben die Bürger die Vorstädte Niederich im N undAirsbach im S sowie einen Siedlungskern um St. Aposteln im W mit einer Stadtbefestigung. 1180 wurden durch eine umfassende Umwallung weitere Gebiete einbezogen und ein Halbkreis erreicht, der bis in die Neuzeit hinein der Siedlung genügte. Schon in der Spätantike traten neben den Dom weitere Kirchen, die mit Stiften verbunden wurden. Die Ebf.e, aber auch andere, gründeten zusätzl. Stifte und Kl. In dem Kranz der Kirchen lag der Dom als Sitz des Ebf.s. Die Vielzahl der Kirchen um den Dom hoben den Ort aus dem Land heraus und machten ihn in den Augen den Zeitgenossen zum »heiligen Köln«.

III.

Der K.er Bf. residierte zunächst in seinem Dom und den damit verbundenen Gebäuden. Aber spätestens in der Ottonenzeit hat sich der Ebf. ein palatium an der Südseite des Domchors errichten lassen, das später als palatium antiquum, als alter Bischofspalast, überliefert ist. Unter Ebf. Reinald von Dassel wurde 1164 der neue zweigeschossige Palast an der Südseite der Domimmunität, der Hacht, errichtet. Dieser Bau enthielt einen großen Saal im ersten Stock für Repräsentationszwecke, ursprgl. wohl mehrere Kapellen, aberzuletzt nur noch die Thomaskapelle. In dem Gebäude befanden sich weitere Gemächer für den Ebf. und sein Gefolge. Später trat dazu noch das Offizialat, das in dem Palast untergebracht wurde. Zur Versorgung des Ebf.s und bes. zur Instandhaltung des Gebäudes gab es Hofhandwerker, die mit kleineren Lehen ausgestattet und für die Reparaturen zuständig waren.

Die Ebf.e verfügten seit alters über die Gerichtshoheit über die Stadt und über verschiedene andere Regalien wie die Zölle oder das Münzrecht, ferner über Grundbesitz v. a. in und an der Domimmunität und im Marktbereich. Der wirtschaftl. Aufschwung der Stadt führte zu höheren Einnahmen aus Zöllen, Marktabgaben und Akzisen für die ebfl. Kammer. Dazu traten die Einnahmen aus der Gerichtsbarkeit.

Obwohl im Dom der Sessel des Ebf.s stand, er auch nach seiner Wahl auf den Altar gesetzt zu werden pflegte und er in seinem Palast über ein repräsentatives Gebäude verfügte, zog er vielfach im Auftrag der Kg.e und Ks. im Lande umher und verbrachte mehr Zeit im Sattel seiner Pferde als in K.

Seit dem 11. Jh. emanzipierte sich die Stadtgemeinde zunehmend von der ebfl. Herrschaft, schränkte die Einkünfte ein, indem sie für Zölle und Akzisen feste Tarife vereinbarte und keine Erhöhungen mehr zuließ. Infolge der Inflation verloren die Einnahmen an Wert. V. a. aber wurden die herrschaftl. Ansprüche der Ebf. beschnitten, bis Siegfried von Westerburg nach der verlorenen Schlacht bei Worringen 1288 seine Ansprüche aufgeben mußte. Siegfrieds Nachfolger haben zwar K. häufig aufgesucht, aber die Stadt nicht mehr als ihre Res. betrachtet. Sie mieden zunehmend ihren Palast im S des Doms.Das Gebäude verfiel, weil es nicht mehr wie früher gebraucht wurde. Die Ebf.e erhielten einen neuen bescheideneren Hof an der Trankgasse im N ihrer Kathedrale. Der Hof war zwar zeitw. verpachtet, stand den Ebf.en aber während ihrer Aufenthalte in der Stadt als Niederlassung zur Verfügung. Obwohl sich die Ebf.e zunehmend aus K. zurückgezogen hatten, blieb die Stadt trotzdem ein Zentrum ebfl. Verwaltung und Herrschaft. Denn in K. blieb das Domkapitel als erster und wichtigster Stand des Stifts. In der Kathedrale wurde der Ebf. nach seiner Wahl auf den Altar zum Zeichen seiner neuen Würdegesetzt. In K. wäldigte er die Schöffen des Hohen weltl. Gerichts an und setzte sich auf den Stuhl des Greven, wenn er gewählt war oder ihm gehuldigt wurde. Im Dom feierte er Gottesdienste. Der Dom war schließl. die Pfarrkirche des hohen Adels des Erzstifts. Schließl. gelang es dem Ebf. auch nach der Schlacht bei Worringen, die Stadt zu Huldigungen und zu feierl. Einritten zu bewegen. 1550 hat Adolf III. von Schauenburg zum letzten Mal einen feierl. Einritt zelebriert und eine Huldigung der K.er Bürgerschaft vor dem ebfl. Palast entgegengenommen. Seine Nachfolger, v. a. die aus dem Hause→ Wittelsbach, haben ihre Ansprüche auf die Eingliederung K.s in ihr Territorium nie aufgegeben, aber nicht durchsetzen können. K. blieb ideelles Zentrum des Erzstifts, hatte den Ebf. jedoch zunehmend aus der Stadt herausgedrängt und damit seine Rolle als ebfl. Res. eingebüßt.