KASTELL C.3.
I.
Castellum, Casteln, Kasteln - Burg - Hochstift Konstanz - Höhenburg bei Tägerwilen (TG) - Ausweichres. und Nebenres. in der ersten Hälfte des 12. Jh.s und von 1269 bis 1346. - D, Baden-Württemberg. Reg.bez. Freiburg, Kr. Rottweil.
II.
Die an der Straße von Zürich nach → Konstanz auf einem Plateau gelegene Höhenburg südwestl. von der Bischofsstadt erstreckte sich auf einer Länge etwa 90 m und entstand auf dem ursprgl. Ausstattungsgut der Konstanzer Kirche, der sog. Bischofshöri. Nach Ausweis der Chronik des Kl.s Petershausen erbaute Bf. Ulrich I. (1111-27) die Burg K. als Ausweichres., um vom Einfluß der Einw. von → Konstanz und dem umliegenden Adel unabh. zu sein. Bereits sein Nachfolger Ulrich II. (1127-38) mußte auf Druck des Gf.en Rudolf von Bregenz die Burgschleifen. Der Wiederaufbau fand nach kunsthistor. Befund wohl erst kurz nach 1200 statt, die Burg diente dann als Wohnsitz der Ministerialen von K., deren Ersterwähnung 1175 als von K. aber einen früheren Wiederaufbau mögl. erscheinen lassen. Erst 1269 ist mit Eberhard von Waldburg (1248-74) wieder ein Bf. auf K. belegt, wahrscheinl. wurde die Burg von Bf. Heinrich von Klingenberg (1293-1306) 1296 wieder für das Hochstift erworben, neben der Bischofspfalz wurde die von ihm weiter ausgebaute Burg zu seiner wichtigsten Res. Abgesehen von → Gottlieben und → Konstanz wurdeK. bis zur Amtszeit Bf.s Nikolaus von Frauenfeld (1334-44) zum wichtigsten Aufenthaltsort der Bf.e, Nikolaus residierte am Ende seiner Amtszeit fast ausschließl. dort. 1346 ist mit Ulrich Pfefferhard (1345-51) letztmals ein Konstanzer Bf. auf K. belegt, bis 1453 blieb die Burg meist an Konstanzer Bürger verpfändet. Am 11. März 1499 zerstörten die Eidgenossen im Schwabenkrieg K. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut, sondern um 1585 westl. davon das Schloß Ober-K. errichtet, dessen heutiger Bau 1725 fertiggestellt wurde.
III.
Von der Gestalt der Burg Bf. Ulrichs I. überliefert ledigl. die Chronik des Kl.s Petershausen den Einbau von getäfelten Decken in die Burgkapellen (laquearia duarum capellarum), die Bf. Ulrich II. an das Kl. Petershausen schenkte (Chronik des Kl.s Petershausen IV, 29). Ein in den Grundmauern erhaltenes Wohngebäude des 13. Jh.s maß 12 m auf 8 m. Der westl. gelegene 7 × 7,5 m große Bergfried besaß nach O die Mauerdicke von 2,5 m und einen Eingang auf 7,3 m Höhe. Von der Befestigung sind Restevon Ringmauer, Rundturm und Zugangstor erhalten, die Ringmauer von 1 m, die Schildmauer von 1,6 m Stärke.
Abgesehen von → Konstanz hielten sich die Konstanzer Bf.e im Früh- und HochMA v. a. in → St. Gallen, seltener in Zürich auf. Bfle. Res.en in Gaienhofen, das man als Jagdschloß im bfl. Forst ansehen wollte, Laufen am Rheinfall und → Meersburg können für diese Zeit nur vermutet werden. Neben → Konstanz bildeten die seit der Karolingerzeit im Besitz des Konstanzer Bf.s befindl. Schlösser Arbon und Bischofszell die wichtigsten Stützpunkte. Später als Sitz von Ministerialen kamen sie unter Bf. Eberhard von Waldburg (1248-74) wieder an das Hochstift, wurdenaber bereits im 14. Jh. mehrfach verpfändet. Bf. Hugo von Hohenlandenberg (1496-1532) baute um 1515 Arbon zu einer repräsentativen Nebenres. aus, Bischofszell wurde bereits ab Bf. Otto von Hachberg (1410-34) sowie mehrfach im späten 15. Jhd. und in der Neuzeit umgebaut.
K. kann als erste Res. außerhalb der Kathedralstadt und als erste Höhenburg der Konstanzer Bf.e zum Schutz vor Angriffen gelten. »Sie war nicht irgendeine Burg, sondern castellum: die Burg« (Derschka 1999, S. 330). Unter Bf. Nikolaus schließl. befand sich nicht nur sein Hof auf K., auch die weltl. Verwaltung wurde von der Burg aus ausgeübt, während Bistumsangelegenheiten in → Konstanz organisiert wurden. Der Dichter Haspel nennt bei seiner in den frühen 60er Jahren des 14. Jh.s entstandenen Beschreibung der bfl. Res.en undOrte K. an dritter Stelle nach Gottlieben und → Konstanz als Ort vergangenen höf. Lebens.
Quellen
Die Chronik des Klosters Petershausen, hg. und übersetzt von Otto Feger, 2. Aufl., Sigmaringen 1978 (Schwäbische Chroniken der Stauferzeit, 3). - Der Haspel, 1977. - Regesta Episcoporum Constantiensium, 1-5, 1895-1941. - Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen, 1-4, 1982-90. - Thurgauisches Urkundenbuch, 1-8, 1917-67.
Literatur
Die Burgen und Schlösser des Kantons Thurgau, 2 Bde., Basel 1931-32. - Burgen der Schweiz, Bd. 6: Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell, Zürich 1983. - Derschka, Harald Rainer: Die Ministerialen des Hochstiftes Konstanz, Stuttgart 1999 (VuF, Sonderbd. 45). - Krahe, Friedrich-Wilhelm: Burgen des deutschen Mittelalters Grundriß-Lexikon, Augsburg 1996. - Kreuzer, Georg: Das Verhältnis von Stadt und Bischof in Augsburg und Konstanz im 12. und 13. Jahrhundert, in: Stadt und Bischof,1988, S. 43-64. - Maurer/Reinhardt 1993. - Meyer, Johannes: Geschichte des Schlosses Kastell, in: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte 43 (1903) S. 70-191. - Rahn, Johann Rudolf: Die mittelalterlichen Architektur- und Kunstdenkmäler des Cantons Thurgau, Frauenfeld 1899. - Reisser 1926. - Tyler 1999.