Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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JAUER C.7. (Jawor)

I.

Als böhm. Lehen 1368 schles. immediates Erbfsm. Der ehemalige Teil des Liegnitzer Hzm.s entstand 1278 als eigene neue Einheit Löwenberg, die Bolko I. - († 1301) erhielt. Durch eine Erbschaft fiel das Teilfsm. 1346 an Bolko II. von Schweidnitz und hatte dessen Nichte Anna zur Erbin, die 1353 Kaisergemahlin → Karls IV. wurde. Nach Ableben ihrer Tante Agnes ging das Land an Annas Sohn Kg. → Wenzel IV., dessen Landeshauptmann im ehemaligen Piastenschloß untergebracht wurde. Im Gebiet lagen die alte Gauburg der Boboranein Bunzlau und Abschnittsburgen wie Bolkoburg über Bolkenhain, Schweinhausberg und Lehnhaus bei Lähn. - PL, Dolnośląskie.

II.

In der von der wütenden Neiße umflossenen Ebene vor dem Bober-Katzbach-Gebirge lag am rechten Flußufer bereits vor 1242 die Herzogsburg als eine der Res.en Bernhards von Löwenberg. Ein Kastellan war 1252 vorhanden, Landvogt und Münzrechte folgten. Dem Zentrum dt. Rodungsdörfer wurden Magdeburger Recht und Stadtprivilegien verliehen. Die seit 1275 erwähnte Stadt war von 1314 bis 1392 Herzogssitz.

III.

Im W und S der Herzogsburg waren zwei Steingebäude aufgeführt, die 1520 bastionsartig ausgebaut wurden. Ein sog. Palast der Hzg.in Agnes diente neben dem Liegnitzer Tor als Witwensitz. Auf Bitten des schwed. Königshauses erlaubte 1648 der kathol. Landesherr für die andersgläubigen Stände und Untertanen des evangel.-augsburg. Bekenntnisses den Bau von vorläufigen Fachwerkgotteshäusern außerhalb der Stadtmauern und ließ sog. Friedenskirchen in den ehemaligen Hauptstädten Jauer, → Schweidnitz und → Glogau zu. Unter strengen Auflagen wareninnerhalb eines Jahres am entlegenen Standorte die Arbeiten zu vollenden, vergängl. Material für die schindel- und strohgedeckten Holz- und Lehmbauwerke zu benutzen, Türme und Glocken verboten. Die in den 1650er Jahren ummauerte jauersche Gebäudegruppe war religiöses Refugium, im Inneren reich verzierte geistige Stadt in der Stadt.