Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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JÄGERNDORF C.7. (Krnov)

I.

1377 vom přzemyslid. Hzm. Troppau abgespalten und zum eigenen Fsm. erhoben. In wechselhafter territorialer Entwicklung gehörte es bis 1390 zu Mähren, ab 1411 → Böhmen, 1421 den Ratiborer Piasten und war damit schles. Mediatfsm. Das J.er Land kam in die Hände der Přzemyslidin Barbara, einer Schwester des J.er Hzg.s Johann IV., die mit dem Piasten Johann IV. von Auschwitz-Ujest (Gleiwitz) vermählt war und gezwungen wurde, den geringen Besitz an den Kg. abzutreten. Ladislaus II. erkannte die Nachfolge nicht an und zog J. als erledigtesLehen ein, um es 1493 an den böhm. Kanzler, Frh. Johann von Schellenberg auszutun. Die Tochter der Hzg.in heiratete einen Sohn des Kanzlers. Mit dem Tode der Hzg.in 1510/11 endete die nominelle Bindung J.s zum Gesamtverband des alten Hzm.s → Troppau. Mgf. Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach konnte 1523 den Sohn Schellenbergs veranlassen, ihm das Fsm. J. für 58 900 ungar. Gulden zu verkaufen. Der Mgf. heiratete Beatrix von Frangepán, die Wwe. des Prinzen Johann Corvin, und Johann von Oppeln überschrieb ihm 1526 die Herrschaft Beuthen mit dem Ziel, ganzOberschlesien in seinen Besitz zu bekommen. Die fränk. → Hohenzollern faßten J. mit Beuthen und Oderberg zusammen, was 1603 die Brandenburger → Hohenzollern erhielten. Nach wiederholten Besitzerwechseln gelangte 1623 alles an den Fs.en von Liechtenstein, der seit 1614 ebenso Hzg. von → Troppau war. - CZ, Moravia-Silesia.

II.

Die Stadt Kyrnow (1240) bzw. Jegerdorf wurde vor 1253 angelegt, erhielt 1279 die Stadtprivilegien bestätigt und wurde 1355 Sitz eines Archipresbyterates mit 16 Pfarreien. Nach der Eroberung 1474 ließ Matthias Corvinus kgl. Münzen schlagen.

III.

Das spätgot., festungsähnl. Schloß mit Renaissanceelementen wurde ab 1531 an Stelle der Schellenburg von brandenburg. Baumeistern errichtet und bildete in der Konfessionalisierungszeit das Zentrum des oberschles. Protestantismus aus.