INGOLSTADT C.7.
I.
Ingoldesstat (villa 806). Der Name wird als Stätte des Ingold (stat, Stätte, Lände an einem Fluß oder Bach) gedeutet, sprachl. Rekonstruktion ohne schriftl. Beleg. I. (stat, bayer. Herzogsurbar von ca. 1231) 1312 Stadt, Haupt- und Residenzstadt des Teilhzm.s Bayern-I., Nebenres. der bayer. Hzg.e, Festung.
Burganlage Hzg. Ludwigs des Strengen (1253-94) am S-O-Eck der Stadtumwallung des 13. Jh.s an der Donau, Datierung nach 1255. - D, Bayern, Reg.bez. Oberbayern, kreisfrei.
II.
Lage im sog. I.er Becken der Donau zw. → Neuburg und Großmehring, auf der Hochterraße nördl. der Donau (teilt sich gerade bei I. in mehrere Arme) an der Einmündung der Schutter in die Donau, wichtiger Donau-Übergang. In der Reichsteilungsurk. von 806 werden I. und Lauterhofen als villae gen. Niederaltaicher Besitz (Überlassung des Königshofs 841 an Abt Gozbald von Niederaltaich durch Kg. Ludwig den Deutschen), Gf.en von Bogen als Vogtherren, nach deren Aussterben 1241 die Wittelsbacher Hzg.e. 1231 war I. Sitzeines hzgl. Amtes, einem »Kasten« als Sammelstelle für die Einnahmen, eines Richters, mit Brückenzoll und einem Grundbesitz von sechs Höfen, aber nicht belegt, ob Stadt im rechtl. Sinne.
Die Entstehung bzw. Gründung der Stadt auf hzgl. und niederaltaich. Boden erfolgte Mitte des 13. Jh.s (1294 Stadtmauer erwähnt). 1312 Bestätigung des Stadtrechts durch Hzg. Ludwig von Bayern. Es gibt keine schriftl. Nachweis zur Stadterhebung, die Erschließung erfolgt aus termini postquem/antequem, z. B. aus der Nennung eines I.er Bürgers 1254.
Zur Stadtanlage: Die Gliederung gab das wohl bereits vorhandene Straßenkreuz mit der an einer Höhenlinie entlang führenden W-O-Achse und der kurzen Achse von der Donaubrücke nach N sowie die rechteckige Stadtgestalt. Die Ausweitung im südwestl. Viertel war topograph. durch die Kante der Hochterrasse bestimmt. Im W lagen der Fluß Schutter mit Mühlen und im S die ausgesparte Donaulände. Sie stand in Bezug zum Klosterhof und später zur hzgl. Burg, dem Herzogskasten. Parallel zur großen W-O-Achse verliefen in der nördl. Hälfte eine parallele Straße nachgeordneter Art (Schul- und Milchstraße)und im Südostviertel weitere kleinere Straßen.
III.
I. wird aufgrund der wittelsbach. Teilungen 1255, 1310, dann 1392 Residenzstadt eines Teilhzm.s. Die Landesteilung von 1255 hatte die Bildung der Landesteile Ober- und Niederbayern zur Folge. In der Zeit des durch das Land reisenden Hofs gewinnt I. nach → München als zweitgrößte Stadt im oberbayer. Landesteil an Gewicht. Hzg. Ludwig der Strenge gab schon bald nach der Landesteilung eine hzgl. Burg mit Palas, das alte Schloß (später Herzogskasten) und Sekundärbauten in Auftrag. Der Hzg. hielt ab 1258 gelegentl. in I. Hof, dies setzte wohl seineBewohnbarkeit voraus. Durch die Landesteilung von 1310 wurde I. für wenige Jahre (1310-13) Hauptstadt des oberbayer. Landesteils Hzg. Ludwigs des Bayern. Der spätere Ks. → Ludwig der Bayer wurde zum großen Förderer I.s. In der zweiten Hälfte des 14. Jh.s erhielt I. die noch heute vorzufindende Stadtgestalt.
I. war seit 1392 Haupt- und Residenzstadt im Teilhzm. Bayern-I., das v. a. aus dem alten Stammland zw. Donau und Lech mit I., Aichach, Schrobenhausen und Rain am Lech, dem »Land vor dem Gebirge« mit dem Zentrum Wasserburg und dem »Land im Gebirge« mit Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel bestand, geworden. Mit dem zweiten I.er Hzg. Ludwig dem Bärtigen kehrt internationaler Glanz ein: Die Stadt wurde zum Kunst- und Kulturzentrum. Seine Beziehungen zu Frankreich geben seinen Bauvorhaben in I. weltläufiges Flair. In die bisherige kleinmaßstäbl. bürgerl. Stadt wurden nun Großbauten wiemächtige Pflöcke gerammt: die 1418 begonnene Neue Veste mit dem Neuen Schloß als Palas, die 1425 grundgelegte Herrschafts- und zweite Stadtkirche, die nach des Hzg.s Willen nach einem kostbaren Marienbildnis Pariser Herkunft den Namen Zur Schönen Unserer Frauen erhalten sollte, und das Pfründnerhaus, das 1472 Sitz der Universität wurde.
Im Zuge des Ausbaus zur Residenzstadt durch Hzg. Ludwig den Gebarteten erfolgten Eingriffe in die bisherige Struktur der Stadt. Am deutlichsten wird dies sichtbar beim Bau der Neuen Veste. Er versperrte die geradlinige Ausfahrt durch das Feldkirchener Tor und führte zum erzwungenen Ersatzbau des neuen Feldkirchener Tors von 1434. Zur Tragik Ludwigs des Gebarteten gehörte, daß er schon 1438 vor seinem aufständ. Sohn aus der Stadt nach → Neuburg ausweichen und Schloß und Münster unvollendet zurücklassen mußte.
Nach den Wirren des Landshuter Erbfolgekrieges 1503/04 verlor I. an Bedeutung als Residenzstadt, behielt aber den Titel und Rang einer Hauptstadt, wenn auch für den Landesteil an der Donau des ehemaligen Hzm.s Bayern-I. I. war aber auch Grenzstadt gegenüber dem neu gebildeten Fsm. → Pfalz-Neuburg geworden. Noch in der ersten Hälfte des 16. Jh.s wurde I. nun in viel weitergehendem Maße als bisher Landesfestung.
Am 1. März 1539 legte Albrecht, Sohn Hzg. Wilhelms IV. und später selbst Hzg., damals Student der Universität I., den Grundstein zur neuen Festungsanlage unter dem Motto »Christus zum ewigen Ruhm und zur Verteidigung des teuersten Vaterlands«. Sie ist Ausdruck des Selbstverständnisses der Landesherrschaft bes. in jener Situation konfessioneller Auseinandersetzung mit bes. Blick auf die Frontstellung zu Pfalz-Neuburg, das bis an den Burgfrieden der Stadt heranreichte.
Durch den Charakter als Landesfestung blieb der Residenzstadtcharakter in bestimmten Bereichen gewahrt. Stärker trat I. als fsl. Aufenthaltsort im Rahmen des Studiums der Wittelsbacher Hzg.e hervor. Zw. 1587 und 1597 studierte Hzg. Maximilian in I. und hatte die Söhne der vornehmsten bayer. Adelsfamilien in seiner Entourage versammelt. Unter Kfs. Maximilian I. waren zwei Aspekte maßgebend für I.: die Hohe Schule als Bollwerk des Glaubens und die Festung als Bollwerk im Dreißigjährigen Krieg. Maximilian starb 1651 in I. Er war der letzte Wittelsbacher, dessen Vorliebe für I. der Stadt denResidenzstadtcharakter verlieh.
Quellen
Quellen zur Ingolstädter Geschichte, 1-3, 1962-96. -
Literatur
Ettelt, Beatrix: Das Herzogtum Bayern Landshut 1392-1479, in: Bayern-Ingolstadt, 1992, S. 81-95. - Freilinger, Hubert: Ingolstadt und die Gerichte Gerolfing, Kösching, Stammham-Etting, Vohburg, Mainburg, Neustadt a. d. Donau, München 1977 (Historischer Atlas von Bayern. Altbayern, 46). - Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt von den Anfängen bis 1505, Ingolstadt 2000. - Riedel, Gerd: Ingoldesstat: archäologische Untersuchungen zu Ingolstadtim Mittelalter, in: Ingolstadt 2000. - Schönewald, Beatrix: Verwaltungsalltag in den Residenzen Landshut und Ingolstadt 1450-1500, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 102/103 (1993/1994) S. 159-169. - Straub 1965. - Straub 1993/94.