Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOCHBURG C.7.

I.

Hachberg (12. Jh.), v. a. ab dem 18. Jh. zunehmend H. - Höhenburg und Festung am Nordostrand der Freiburger Bucht - Herrschaft Hachberg. - Mgf.en von Baden 1161-1684 (Nebenlinie 1218-1415, ab 1415 Nebenres. der Hauptlinie, später Baden-Durlach). - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Freiburg, Landkr. Emmendingen.

II.

Edelfreie von H. ab 1102 gen. 1161 urkundet Mgf. Hermanns IV. von Baden auf der Hochburg. Vermutl. ab 1218 Sitz einer Seitenlinie Baden-H. (seit 1239 gen.). 1352 an die Stadt → Freiburg, die hier auch Öffnungsrechte besaß, verpfändet und 1356 mit der Mitgift der Tochter des Freiburger Patriziers Johannes Malterer ausgelöst. 1415 erwarb mit Mgf. Bernhard I. die Badener Hauptlinie Burg und Herrschaft. Die Burg diente fortan v. a. als wichtiger milit. Stützpunkt und als Sitz von Vögten, zeitweilig auch der Hofhaltung. 1525 im Bauernkriegerfolglos von den aufständ. Bauern angegriffen. 1515 bzw. 1535 kam die Burg an die Linie Baden-Durlach. Unter Mgf. Karl II. erfolgten ab 1552 ein Umbau der Oberburg sowie ein umfangr. Ausbau der Festungswerke. Während der vorübergehenden Landesteilung nach dem Tod Karls II. 1577 diente die H. dessen Sohn Jakob III. als Res., wurde in dieser Funktion jedoch 1588 teilw. vom neu erworbenen Schloß im nahen → Emmendingen abgelöst. Nach dem Tod Jakobs 1590 kam es unter dessen zweitem Bruder Mgf. Georg Friedrich zu Beginn des 17. Jh.s zu einem weiteren Ausbau der Festungsanlagen. 1634wurde die zum Jahrhundertanfang noch mehrfach zur mgfl. Hofhaltung genutzte Burg von ksl. Truppen eingeschlossen und mußte 1636 wegen Mangel an Proviant übergeben werden. Anschließend wurden die Befestigungswerke von den Kaiserlichen demoliert. 1660-68 erfolgten unter Mgf. Friedrich VI. Instandsetzungsarbeiten und ein neuerl. Ausbau der Befestigungen (ab 1667 unter Leitung von Georg Andreas Böckler). 1677 mißlungener Überrumpelungsversuch durch die Franzosen. Nachdem ein weiterer Ausbau der Anlage nicht erfolgversprechend schien, wurden die Festungswerke 1681 unter Mgf. Friedrich Magnusgeschleift, um den Franzosen keinen Anlaß für einen neuerl. Angriff zu bieten. 1684 brannte die Oberburg aus Unachtsamkeit prakt. vollkommen aus. Zwar wurden Versuche einer notdürftigen Überdachung unternommen, doch besetzten 1688 die Franzosen die Burg, die sie 1689 in allen wesentl. Teilen sprengten und schleiften. Gedanken an einen Wiederaufbau wurden 1698 endgültig fallengelassen. Ab dem Ende des 19. Jh.s und v. a. ab 1971 Freilegungen und Instandsetzungsarbeiten.

III.

Ausgedehnte Ruine auf einem langgestreckten Höhenzug oberhalb des Brettenbachtales. Im Zentrum die im Ursprung hochma. Kernanlage über längl.-ovalem Grundriß mit je einem runden und einem quadrat. Bergfried an den Enden (12./13. Jh.), weitere ma. Bebauung entlang der Ostfront (u. a. Kapelle) und nordwestl. des südl. Turmes. Diese Trakte v. a. unter Mgf. Karl II. in der Mitte des 16. Jh.s erhebl. verändert. Entlang der Ostfront mehrteiliger Wohnbau, im N mit erdgeschossiger Küche und Bäckerei, daran anschl. Kapellenbau sowie im S der Neue Bau (vor 1556)mit Erdgeschoßhalle, obergeschossigem Saal mit Kamin und (Altar?-)Erker sowie darüberliegenden Wohnräumen. Der Bau nordwestl. des südl. Turmes um 1600 als Küchenbau eingerichtet. Nördl. und östl. der Oberburg eine umfangr., im Kern spätma., im 16. Jh. ausgebaute Unterburg mit südl. anschließendem Vorhof. Darin ausgedehnte Wirtschaftsgebäude (Pfisterei, Küferei, Roßmühle, Burgvogtei, Wette, Brunnen, Schmiede, Speicher). Entlang der West- und Südfront eindrucksvolle Reste der Verstärkung von 1552-77 mit hoher Mantelmauer, gefüttertem Graben mit eingestellten Soldatenhäusern, zwei Bastionen, zweiRondellen und südwärts gerichtetem ummauertem Felsblock als Bollwerk. Davor allseits umlaufend die Reste des äußeren Befestigungsringes des 17. Jh.s mit sieben großen Bastionen und Toranlage. Auch gegen den Kopf des sog. Hornwaldes südl. der Burg wurden im 17. Jh. Feldbefestigungen vorgeschoben. Westl. der Ruine ein Maierhof mit Resten einer dem 16. Jh. entstammenden Umwehrung mit Mauer und Türmen.

Quellen

GLA Karlsruhe, Abt. 115.

Bender, Helmut/Knappe, Karl-Bernhard/Wilke, Klauspeter: Burgen im südlichen Baden, Freiburg 1979, S. 29-37. - Brinkmann, Rolf: Burgruine Hochburg [Emmendingen 1994]. - Herbst, Christian Philipp: Die Burg Hachberg im Breisgau. Karlsruhe 1851. - Schaab, Meinrad: Gemarkung des Schlosses Hachberg von Friedrich Benjamin Seuffert 1784, in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Erläuterungen I,Stuttgart 1977.