HEITERSHEIM C.6.
I.
Heim des »Heiter«(?). Funde weisen auf kelt., röm. und alemann. Besiedelung hin. Erste urkundl. Erwähnung im Lorscher Codex 777. Marktrechte 1466 und 1481; Erhebung zur Stadt 1810. - Ort in Südbaden. - Res. des Großpriors/Obersten Meisters des Johanniterordens in dt. Landen 1505-1806; seit 1548 Hauptort des Fsm.s H. - Im Jahr 1806 dem Großhzm. Baden einverleibt. - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Freiburg, Kr. Breisgau-Hochschwarzwald.
II.
H. liegt im Sulzbachtal an der Grenze zw. Breisgau und Markgräflerland südwestl. von → Freiburg i.Br. Kirchl. zur Diöz. → Konstanz, seit 1821 zur Erzdiöz. → Freiburg gehörend. Landwirtschaftl. geprägt, Weinbau, seit dem 15. Jh. zwei Jahrmärkte.
Im Jahr 1272 übertrug Gottfried von Staufen den Salhof in H. mit dem Kirchensatz mit Billigung seines Lehnsherrn, des Abtes von → Murbach, an das Johanniterhaus in → Freiburg, wo damals sein Bruder Rudolf Komtur war. Nach dem Aussterben des Ortsadels schenkte Mgf. Heinrich II. von Hachberg 1276 das gesamte Dorf H. mit Jurisdiktions-, und Vogteirechten an den Johanniterorden, der hier - erstmalig 1335 bezeugt - ein Haus einrichtete, das aber bis ins 15. Jh. in seiner Bedeutung hinter die Kommende → Freiburg zurücktrat. Durch Schenkungen und durch Kaufkonnten bis 1613 neun Dörfer in der Umgebung mit H. zu der Herrschaft, seit 1548 dem Fsm. H. vereinigt werden. H. wurde von Seiten des Ordens 1428 zur Res. der Vorsteher des dt. Priorats bestimmt. Ks. → Sigismund erteilte 1434 ein Privileg, in dem das Ordenshaus H. und seine Besitzungen von der Ladung vor auswärtige Gerichte befreit wurden. Der Großprior Johannes Heggenzer von Wasserstelz (1505-12) hat dann bei seinem Amtsantritt seinen Sitz in H. genommen, das bis zum Ende des Alten Reiches Res. der Obersten Meister in den dt. Landen bleiben sollte. In der Herrschaftsordnung von1620 wird denn auch folgerichtig von Unnserm Haupt- und Residenz Fleckhen Heittersheim gesprochen.
III.
Heggenzer begann mit den notwendigen Baumaßnahmen in H., um Raum für Verwaltung und Repräsentation zu schaffen. Die eigentl. Bauherrn des von Mauern, Wall und Graben umgebenen Wasserschlosses, das auf einem Stich von Matthäus Merian (Topographia Germaniae, Vol. Alsatia, 1663) - viell. etwas idealisiert - festgehalten ist, waren die Großprioren Johann von Hattstein (1512-46), Georg Schilling von Canstatt (1546-54) und dessen Neffe Georg von Hohenheim (1554-67). An der Stelle des alten Salhofes findet sich eine ovale Tiefburg, die noch der Spätgotik zuzuordnenist, dann aber im 18. Jh. modernisiert wurde. Der Turm trägt die Jahreszahl 1545 und das Wappen Johanns von Hattstein. Die Gebäude bestehen aus Ritterhaus (1595), weiteren Wohn- und Verwaltungsgebäuden, Zehntscheunen u. a. Das Großprioratsgebäude ist Anfang des 19. Jh.s abgetragen worden. Die Schloßkirche und der Friedhof, ursprgl. vor dem Schloß gelegen, wurden 1527 auf halbem Weg zw. Schloß und Dorf neu angelegt. Wohl als Reaktion auf die im Bauernkrieg erfolgte Plünderung des Schlosses hat Johann von Hattstein Ende der 1520er Jahre die Vorburg erbauen lassen. Ihm ist auch die Stiftung desSpitals St. Nikolaus zu verdanken. In der Amtszeit des Fürstpriors Philipp Wilhelm Gf. von Nesselrode und Reichenstein (1727-53) wurden, v. a. unter dem Aspekt der Repräsentation, weitere Um- und Ausbauten vorgenommen. Kunsthistor. am qualitätvollsten ist der die Vorburg beherrschende siebenachsige Kanzleibau mit Mansarddach (1730-40).
Angesichts des Mangels an Ordensgeistlichen stiftete Großprior Friedrich Hund von Saulheim 1616 ein Franziskanerkl., geweiht 1619, dessen Patres die Seelsorge im Fsm. H. sicherstellen sollten.
Nach dem Übergang an das Großhzm. Baden kamen die Gebäude in Privathand, wurden teilw. abgerissen oder umgebaut, zeugen aber immer noch von der Residenzfunktion der gesamten Anlage. In der 1826/27 nach dem Abbruch der Franziskanerkirche neu erbauten Pfarrkirche finden sich noch einige Grabmäler der Großpriore, die - von einigen Ausnahmen abgesehen - in H. ihre Grablege hatten.
Quellen
GLA Karlsruhe, Abt. 229: Heitersheim.
Literatur
1200 Jahre Heitersheim. Die Malteserstadt zwischen gestern und morgen, Heitersheim 1977. - Heitersheim. Aus der Geschichte der Malteserstadt, bearb. von Ingeborg Hecht, Heitersheim 1972. - Kraus-Mannetstädter, Karl: Heitersheim die Malteserstadt, Heitersheim 1952. - Schmid, Hermann: Die Minoriten im Malteser-Fürstentum Heitersheim 1807, in: Freiburger Diözesan-Archiv 101 (1981) S. 285-298.