HABSBURG C.1.
I.
Habechisburg (nach 1106), Havichsberg (1108), Havesborc (1114), Havekesburg (1167) Habisburhc (1199), Habspurc (1238/39) - namengebender Sitz und eine der zentralen Burgen der Gf.en von Habsburg von 1020/30 bis etwa 1230. - CH, Kanton Aargau, bei Brugg.
II.
Die H. (»Habichtsburg«) liegt in der Gft. Aargau auf dem Gipfelgrat des Wülpelsbergs, einem Höhenzug des Jura, der sich dem rechten Aareufer entlang gegen → Brugg erstreckt. In der Nähe vereinigen sich die ehem. schiffbaren Flüsse Aare, Reuß und Limmat und kreuzten sich zwei Fernstraßen. Bronze- und römerzeitl. Funde weisen auf ur- und frühgeschichtl. Besiedlung hin, unweit der H. befand sich das röm. Kastell Vindonissa (Windisch). Seit dem 10. Jh. verfügten die Habsburger in diesem Gebiet zwar über einen bedeutenden grundherrschaftl. Komplex, das»Eigen«, die Grafschaftsrechte waren jedoch in der Hand der Gf.en von Lenzburg. Erst nach deren Aussterben 1172/73 gingen sie an die Habsburger über.
Es gilt als gesichert, daß die H. um 1020/30 vom Frühhabsburger Radbot im Zuge des hochmal. Landesausbaus als Herrschaftszentrum in einer ausgedehnten Rodungszone errichtet wurde. Bei der Teilung der Hausgüter 1232/34 kam die H. an die ältere, später kgl. Linie des Hauses, sie wurde von diesem Zeitpunkt an aber nicht mehr als Res. benutzt. Die Habsburger bevorzugten fortan Laufenburg, die Lenzburg, → Brugg und den Stein von Baden. Die vor 1244 bei Meggen (Kanton Luzern) errichtete Neu-H. war nicht als Familiensitz konzipiert.
Im 14. Jh. hatten habsburg. Dienstmannen Teile der H. mit dazugehörigen Gütern zu Lehen: Die Truchsessen von H.-Wildegg besaßen die Hintere Burg, die Vordere, damals bereits nicht mehr bewohnte, war in der Hand der Herren von Wülpelsberg und später der Herren von Wohlen. 1372 vereinigte Henmann von Wohlen beide Burglehen. Als die Eidgenossen 1415 im Zuge der Eroberung des Aargaus die Burg belagerten, erkannte er die Lehenshoheit der Stadt Bern an. 1418 erhielt Bern die den Habsburgern in diesem Gebiet abgenommenen Besitzungen als Reichspfandschaften. 1420 kam die H. an Peter von Greifensee,1457 an die Stadt Bern, 1462 an Hans Arnold Segesser, 1469 an das Kl. Königsfelden und 1528 wieder an Bern. Seit 1804 befindet sich die Anlage im Besitz des Kantons Aargau.
Unterhalb des Südhangs liegt auf einer fruchtbare Terasse das Dorf H. (eigene Gemeinde, 1529 vier Häuser), von dem aus die Burggüter bewirtschaftet wurden. Nordöstl. der H. entstand an einem Aareübergang das Städtchen Brugg (Marktrecht bald nach 1200, Stadtrecht 1284).
III.
Die Gesamtanlage der H. erstreckte sich über etwa 100 m. Archäolog. Untersuchungen ergaben, daß ein ungewöhnl. großes, um 1030 errichtetes Saalgeschoßhaus im Bereich der Vorderen Burg - im O des Komplexes - den ältesten Kern bildete. Im letzten Drittel des 11. Jh.s, wohl um 1270, erfolgte der Zubau eines Ost- und Nordturms sowie weiterer starker Befestigungslagen, im Verlauf des 12. Jh.s wurde der Kernbau aufgestockt, wohl noch vor 1200 eine zweigeschoßige Burgkapelle errichtet. Bereits um 1230 wurde die Vordere Burg aber verlassen. AufAbbildungen des 17. Jh.s noch in ruinösem Zustand erkennbar, ist sie spätestens seit dem frühen 19. Jh. vollständig verschwunden. Die bis heute erhaltene Hintere Burg bildet eine in sich geschloßene Anlage: Um einen Innenhof gruppieren sich im W ein großer Megalithturm, der an ihn angebaute Palas und ein in den Bering einbezogener Nordturm, der als ältester Teil der Anlage gilt. Er wird in das ausgehende 11. oder frühe 12. Jh. dat. Der auf rhomb. Grdr. errichtete Megalithturm dürfte dem frühen 13. Jh. angehören, der dreigeschoßige Palas dagegen erst dem späteren 13. oder dem frühen 14. Jh.1559 wurde der Palas erneuert und umgebaut, 1594 entstand im Burghof ein Wohntrakt.
Die H. gilt als frühe Steinburg mit ausgeprägt repräsentativen Bauformen von monumentaler Prägung. Sie dokumentiert damit die bedeutende Stellung der Frühhabsburger.
Quellen
Steinacker, Harold: Regesta Habsburgica, 1. Abt., Innsbruck 1905.
Literatur
Frey, Peter: Die Habsburg im Aargau. Bericht über die Ausgrabungen von 1978-83, in: Argovia 98 (1986) S. 23-116. - Kläui, Paul: Beitrag zur ältesten Habsburgergenealogie, in: Argovia 72 (1960) S. 26-35. - Maurer, Emil: Der Bezirk Brugg. Habsburg, Basel 1953 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, 2). - Merz, Walther: Die Habsburg, Aarau 1896. - Merz, Walther: Die mittelalterlichen Burganlagen und Wehrbauten des KantonsAargau, Aarau 1906. - Meyer, Werner: Habsburgischer Burgenbau zwischen Alpen und Rhein, in: Kunst und Architektur in der Schweiz 47 (1996) S. 115-124. - Siegrist, Jean Jacques: Die Acta Murensia und die Frühhabsburger, in: Argovia 98 (1986) S. 5-21.