GOTTLIEBEN C.3.
I.
Gotliubun, Gotteliebon, Gotlieben - Schloß und Siedlung - Hochstift Konstanz - Wasserschloß bei Tägerwilen (TG) - Res. 1255 bis zur Eroberung durch die Eidgenossen 1499 - CH, Kanton Thurgau.
II.
Das Wasserschloß G. liegt westl. von → Konstanz an der Mündung des Seerheins in den Untersee, vor dem Hauptgebäude in Richtung des Rheins befindet sich heute eine Gartenterrasse, der das Schloß umgebende Garten wird von einer gezinnten Mauer mit zwei kleinen Rundtürmen umschlossen. Der Besitz gehörte zur Bischofshöri, dem Ausstattungsgut des Bm.s. 1250 baute Bf. Eberhard von Waldburg (1248-74) im Streit mit der Stadt → Konstanz eine Brücke, um → Konstanz Verkehrs- und Zolleinnahmen zu entziehen. Der Handel orientierte sich abernicht um, und die Gründung G.s blieb ein fehlgeschlagener Stadtgründungsversuch, die kleine Siedlung G. bestand in der Folgezeit ledigl. aus bfl. Bediensteten und Bauern. 1255 ist erstmals ein bfl. Aufenthalt belegt, Bf. Ulrich Pfefferhard (1345-51) versuchte nochmals einen Ausbau der Siedlung Im Spät- MA entwickelte sich G. zur wichtigsten bfl. Res., ohne daß sich aber die Konstanzer Bf.e nach dem endgültigen Verlust der Stadtherrschaft in ihrer Kathedralstadt in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s ganz aus → Konstanz zurückzogen. Nach der Eroberung durch die Eidgenossen 1499 dienteG. bis zur Auflösung des Hochstifts 1802 ledigl. als Sitz eines bfl.-konstanz. Obervogtes. Seit dem 19. Jh. befindet sich das Schloß in Privatbesitz.
III.
Das um 1250 errichtete Wasserschloß hat einen fast quadrat. Grundriß, der ältere zweigeschossige Wohnflügel mit hochliegendem Keller steht im N; in dessen Erdgeschoß befand sich bis 1829 die Kapelle, darüber im ersten Obergeschoß ein repräsentativer Saal. Die beiden sechsstöckigen Südtürme sind aus großen Sandsteinblöcken, an den Ecken Buckelquader, die Fenstergewände aus glattem Sandstein; das Tor öffnet sich an der Westmauer. Nach der frühneuzeitl. Chronistik verstärkte Bf. Ulrich Pfefferhard (1345-51) das Schloß weiter, erhöhte einen Turm und errichteteWall und Graben. Dendrochronolog. zu fassen ist erst der teilw. Wiederaufbau des bei einer Belagerung beschädigten Schloßes durch Bf. Johann Windlock (1351-56) i. J. 1355. Bf. Friedrich von Zollern (1434-36) ließ den Ostflügel bauen. Unter dem Ostflügel ist ein Keller von 6,55 m Breite und 2,30 m Höhe, am Gewölbe des Kellers finden sich drei Reliefschilde, wahrscheinl. von Bf. Friedrich. Otto von Sonnenburg (1474-91) ließ schließl. den Nordflügel umgestalten. Dem Umbau Bf. Ottos ist wohl noch ein hofwärts gerichteter Erker mit seinem Wappen zuzuordnen. Seine heutige neugot. Gestalt hatdas Schloß G. durch Umbauten der Jahre 1837/38, für die auch Teile des abgebrochenen Konstanzer Kreuzgangs verwendet wurden. Die Ausstattung der Innenräume, z. T. mit spätgot. Täfelung und Schnitzwerk, ist in der einzigen eingehenderen kunsthistor. Untersuchung des Baus durch Rahn ausführl. beschrieben (Rahn 1899, S. 169-176).
G., ursprgl. Außenres. und Konkurrenzgründung zur Bischofsstadt, war im 14. und 15. Jh. »das eigentliche bischöfliche Residenzschloß« (Feger 1963, S. 13), an dem nicht nur das persönl. Umfeld des Bf.s zu finden war, sondern auch weltl. und vereinzelt geistl. Verwaltungstätigkeit faßbar ist. Das Schloß diente zudem als Gefängnis. Die mehrfache Belagerung des Schloßes durch Adelige des Umlandes zeigt zudem neben der milit. die symbol. Bedeutung der spätma. Hauptres. Bis zur Eroberung G.s durch die Eidgenossen im Schwabenkrieg hielten sich die Bf.e in G. oftauf; der Einzug eines neuen Bf.s. in → Konstanz geschah von G. aus. Der in den frühen 60er Jahren des 14. Jh.s dichtende Haspel stellte in seiner Beschreibung der bfl. Res.en und Orte G. vor → Konstanz an die Spitze, widmete nur G. zwei Strophen und strich den Reichtum und die höf. Pracht G.s heraus.
Neben G., → Konstanz und → Kastell sowie den Stammsitzen der jeweiligen Bf.e spielen die im 13. Jhd. erworbenen bfl. Städte Kaiserstuhl und Klingnau im Aargau sowie seltener Neunkirch bei Schaffhausen als Residenzorte eine Rolle. Insbes. als Ausweichres.en sind Klingnau für Ulrich Pfefferhard (1345-52) und Heinrich von Brandis (1357-83) während Auseinandersetzungen mit der Stadt → Konstanz sowie Kaiserstuhl als Res. für Bf. Mangold von Brandis (1384-85) zur Zeit der avignones. Spaltung von Bedeutung; speziell Klingnau als Zentralort der bfl.Besitzungen im Aargau diente häufig als Aufenthaltsort fast aller Bf.e des SpätMA.
Quellen
Der Haspel, 1977. - Die Offnung von Gottlieben, in: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte 1 (1861) S. 15-23. - Regesta Episcoporum Constantiensium, 1-5, 1895-1941. - Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen, 1-4, 1982-90. - Thurgauisches Urkundenbuch, 1-8, 1917-67.
Literatur
Die Burgen und Schlösser des Kantons Thurgau, 2 Bde., Basel 1931-32. - Feger, Otto: Das Bistum Konstanz und der Thurgau, Steckborn 1963 (Veröffentlichungen der Heimatvereinigung am Untersee, 16). - Knoepfli, Albert: Vier Bilder zur Kunstgeschichte des Bodensee-Gebietes, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 99/100 (1981/82) S. 301-491. - Maurer/Reinhardt 1993. - Merten, Klaus: Die Burgenund Schlösser, in: Die Bischöfe von Konstanz, Bd. 2: Kultur, hg. von Elmar L. Kuhn u. a., Friedrichshafen 1988, S. 71-88. - Rahn 1899. - Reisser 1926. - Staiger, Franz Xaver: Gottlieben. Das ehemalig bischöflich-constanzische Schloß, in: Freiburger Diözesan-Archiv 10 (1876) S. 353-358. - Strauss, Hermann: Gottlieben am Rhein und Untersee (Kanton Thurgau), Kreuzlingen 1959 (Beiträge zur Ortsgeschichte des Bezirks Kreuzlingen, 13). -Tyler 1999.