GODESBERG C.2.
I.
Godenesberg (722/723), Guodanesmons (800-814), Vuodenesberg (947), Gudesberg, Gudensberg (1143), Gudenesberg (1143), Gudinsberg/Wudinsberg (1. H. 13. Jh.), G. (1249). - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Köln, zu Bonn; Bad G.
II.
Die Godesburg liegt auf einem Vulkankegel rund 60 m über dem Rhein. Nach drei Seiten fällt der Kegel steil ab. Nur nach W ist die Erhebung weniger schroff. Daher lag dort auch der Zugang, der bes. stark befestigt war. Die Burg beherrschte das Tal, an dem der Rhein aus dem Mittelgebirge heraustritt, und den Weg am linken Rheinufer, der auch als Treidelpfad genutzt wurde. Mit der Burg verbunden war ein Zoll, der von Fuhrleuten gefordert wurde, aber wenig erbrachte. Die Befestigung diente in erster Linie der Durchsetzung und Aufrechterhaltung der Landesherrschaftund bildete den Sitz eines Amtmanns.
Ursprgl. mag auf dem Bergkegel ein Wotansheiligtum gewesen sein, von dem sich aber keine Spuren erhalten haben. Die Römer errichteten auf dem Berg möglicherw. einen Äskulaptempel. Unter den Karolingern scheint an die Stelle des röm. Baus eine Michaelskapelle getreten zu sein. Erst am 15. Okt. 1210 ließ Ebf. Dietrich I. den Grundstein für die Burg legen, die unter Konrad von Hochstaden vollendet werden konnte. Dessen Nachfolger verstärkten die Burg und ließen weitere Gebäude innerhalb der Ringmauer errichten. Spätestens unter Walram von Jülich (1332-49) wurde sie zu einer der wichtigstenund am besten ausgebauten Burgen Kurkölns.
Am Fuße der Burg entwickelte sich eine kleinere Siedlung, deren Bewohner aber hauptsächl. von der Landwirtschaft lebten. Erst der Ausbau der Burg führte zu einer stärkeren Differenzierung der Einwohnerschaft. Denn die Ebf.e und die Verwalter des Amts benötigten Handwerker, um wenigstens die einfacheren Arbeiten sofort ausführen zu können, Boten für ihre Briefe, Personen für Dienstleistungen usw. Waren des gehobenen Bedarfs bezogen die Verwalter bzw. die Ebf.e aus anderen Orten, v. a. aus → Köln.
Die Godesburg war spätestens seit dem 14. Jh. der Vorort eines Amts und damit die zentrale Sammelstelle für Natural- und Geldabgaben und Steuern jegl. Art. Auf der Burg saßen stets ein Amtmann und ein Kellner, der für die Einnahmen und Ausgaben zuständig war und die Rechnungen führte. In der Burg ließen sich die Ebf.e mit ihrem Gefolge immer wieder nieder. Die Godesburg war zwar nie der bevorzugte Residenzort, aber doch ein Ort mit auffallend vielen Aufenthalten vieler Ebf.e während des 14.-16. Jh.s. Wg. ihrer festen Mauern und ihrer fast unbezwingbaren Lage auf einemBergkegel wurde sie von mehreren Ebf.en als Gefängnis v. a. für »politische« Gefangene wie bspw. für den Erbvogt Gumprecht von Alpen 1374-78 genutzt. Die Godesburg ragte aber insbes. dadurch aus der Masse der kurköln. Burgen hervor, daß in ihr ein Teil der wichtigen Privilegien hinterlegt wurde. Sie diente wg. ihrer sicheren Lage als Archiv. Erste Nachrichten für diese Nutzung liegen aus dem Jahr 1386 vor. Jedoch ist davon auszugehen, daß bereits mehrere Jahre zuvor Privilegien in ihren Mauern in Sicherheit gebracht worden waren. Erst im Laufe des 16. Jh.s wurden die Archivalien nach→ Bonn gebracht.
III.
Die Burg selbst hatte eine größere Vorburg, in der Pferde, aber wohl auch ein Teil des Gefolges in Zelten untergebracht werden konnte. In der Hauptburg stand in der Mitte ein Bergfried, dessen Keller als Verließ, also als Gefängnis, diente. Einige Räume scheinen - nach der Ausstattung zu urteilen -, für den Ebf. im Falle einer Belagerung hergerichtet worden zu sein. Ansonsten besaß er Räumlichkeiten, die bequemer waren und mehr Platz boten, wo auch Gäste untergebracht werden konnten. V. a. aber stand in der Burg ein Gebäude mit einem repräsentativen Saal, indem der Ebf. Gäste empfangen, Gastmähler geben und Feste ausrichten konnte. Dieser Saal wird wohl mit Stoffen, Tuchen und Tapeten ausgestattet worden sein. Jedenfalls ließ Ebf. Wilhelm von Gennep solche Gegenstände in → Brüssel für die Burg kaufen.
Mit der Eroberung und Zerstörung der Burg i. J. 1583 verlor sie ihre Funktion als Res. wie auch als sicherer Ort zur Aufbewahrung wichtiger Privilegien. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, sondern blieb eine Ruine und hatte ihre Rolle ausgespielt. Die Aufgaben, die ihr einst zugedacht worden waren, hatte die → Bonner Res. übernommen.
Literatur
Wiedemann, Alfred: Geschichte Godesbergs und seiner Umgebung, 2., verm. Aufl., Bad Godesberg 1930.