Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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GIEBICHENSTEIN C.3.

I.

Givicansten (961), Gibichenstein (987), Gebichinstein (1164), Gybekinsteyn (1269), Gevekenstein (1341) - Burg und Flecken - Erzstift Magdeburg; Ebf.e von Magdeburg - Höhenburg oberhalb der Saale; bevorzugter Aufenthaltsort des Ebf.s in S des Erzstiftes bis 1503. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. Halle, Kr. Halle (Saale).    

II.

Die Burg G. liegt im slaw. Gau Neletici rechts der Saale auf einem steilen Porphyrfelsen. Schon in frühgeschichtl. Zeit ist im Gebiet um G. die Salzgewinnung bezeugt. Gemeinsam mit einer Saline erscheint G. auch bei seiner Ersterwähnung 961, als die Burg mit dem ganzen Gau Neletici durch Kg. Otto I. dem Magdeburger Moritzkl. geschenkt wurde. 968 gelangte sie an das neubegründete Ebm. Magdeburg, zu dem sie auch kirchl. gehörte (seit dem 12. Jh. Archidiakonat Halle). 987 wurden der Magdeburger Kirche von Kg. Otto III. Zoll, Bann und Münze in G. verliehen.Während Zoll und Münze später mit der Stadt → Halle verbunden waren, blieb für das benachbarte Landgebiet bis in die Neuzeit ein Landgericht zuständig, das unter dem Vorsitz des Vogtes von G. tagte.    

Der G. diente schon im 10. Jh. verschiedenen Ebf.en als Aufenthaltsort, im 11. und 12. Jh. gleichzeitig auch zur Verwahrung kgl. Gefangener. Seit 1116 wurde der Burg ein geistl. Mittelpunkt des südl. Erzstiftes in Form des Augustiner-Chorherrenstiftes Neuwerk zur Seite gestellt.

Nachdem in der ersten Hälfte des 14. Jh.s die Burg sich mehrfach in der Hand von Pfandinhabern befunden hatte, wurden seit der Regierung des Ebf.s Dietrich Portitz (1361-67) wiederholt Baumaßnahmen vorgenommen. Im Itinerar der folgenden Ebf.e spielte die Burg neben dem Kathedralsitz → Magdeburg stets die wichtigste Rolle. Mit der Fertigstellung der Moritzburg in → Halle i. J. 1503 enden die Aufenthalte der Ebf.e auf dem G. Burg und Amt blieben aber der Wirtschaftshof der Res. → Halle und lieferten den Grundstock der Versorgung des Hofes.

Aufgrund der räuml. Nähe zur Stadt → Halle war mit der Burg G. keine städt., sondern ledigl. eine um verschiedene Burgmannenhöfe entstandene dörfl. Siedlung verbunden, deren Pfarrkirche St. Bartholomäus erstmals 1290 erwähnt wird. Die Bewirtschaftung der Feldflur lag v. a. in der Hand der Amtswirtschaft und von Bürgern der Stadt → Halle.

III.

Die Burg G. bestand seit dem 15. Jh. aus der sog. Oberburg auf dem schmalen Porphyrfelsen sowie der kastellförmigen Unterburg südl. davon. Die östl. angrenzende sog. »Alte Burg« dürfte nach archäolog. Erkenntnissen bis ins 12. Jh. der Standort der Burg gewesen sein. Gegen Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jh.s scheint die Bebauung der heutigen Oberburg vorgenommen worden zu sein. Die Erneuerung in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s ging möglicherw. mit der Errichtung eines neuen Palas und gotisierenden Umbauten an den roman. Burggebäuden einher.In die Mitte des 15. Jh.s fällt die Erbauung der Unterburg in ihrer heutigen Form. Errichtet wurde eine kastellartige Anlage mit Randhausbebauung im S und W, umgeben von einem Trockengraben.

Auch im späten 15. Jh. diente der an der Nordseite der Oberburg gelegene Palas als bfl. Wohnung, in deren Nähe sich auch die der hl. Margareta geweihte Burgkapelle befand. Im Palas sind auch Räume mehrerer Räte sowie die erst 1524 erwähnte Kanzleikammer zu suchen. Der im SO gelegene Torturm ist als einziges Gebäude der Oberburg noch heute erhalten. Die Unterburg scheint v. a. den Wirtschaftsbetrieb der Burg aufgenommen zu haben. Inschriftl. auf 1473 dat. ist das in der Mitte der Burg stehende Kornhaus, das um 1500 auch die schweren Waffen des Ebf.s enthielt.