GENF C.3. (Genève)
I.
Genua, Genava (5. Jh.), Geneva, Jenova (12. Jh.), Gebenna, (13. Jh.) - Stadt - Hochstift G., Gft. G. (bis 1394), Gft. bzw. Hzm. → Savoyen (nach 1394) - Bischofssitz, Res. der Bf.e von G. und zeitw. der Gf.en von G. - CH, Kanton G., Kantonshauptstadt.
II.
Stadt gelegen auf Hügel und in Niederung am Ufer des G.er Sees und der Rhône. Die Stadt war nach der Eroberung durch Julius Caesar röm. vicus, welcher auf einer kelt. Vorgängersiedlung beruhte. Nach den Alamanneneinfällen ca. 260 Verlegung des Civitas-Hauptortes von Nyon nach G., das in der Folge bis zum Ende des 3. Jh.s auch zum Bischofssitz wurde. Ältester Stadtkern, der auch nach dem Ende der röm. Provinzialverwaltung fortbestand, lag auf dem Hügel oberhalb von Fluß und See. Dort befand sich auch dieBischofskirche, deren ältester Bau von 350 bis 375 stammte, erweitert zu einer Doppelkirchenanlage ca. 400. G. bildete das Herrschaftszentrum der Burgunder, die 443 als Föderaten angesiedelt wurden; jedoch war die Stadt wohl spätestens seit 470 nur Nebenres. der Burgunderkg.e, deren Palast neben der Kathedralkirche lag und nach dem Ende der Burgunderreiches 534 von den Bf.en als Res. genutzt wurde. Vom Ende des 11. Jh.s an wurde das Stadtareal durch neue Stadtmauern erweitert, deren letzte 1364 errichtet wurden und auch Gebiete nördl. der Rhône einschlossen. Eine Brücke verband ältere undneuere Siedlungsareale sowie die Rhôneinsel.
Bevölkerungszunahme, verkehrsgünstige Situation und seit dem 13. Jh. die bedeutenden Messen förderten die Ausbildung einer Kommune, die - teils in Kooperation, teils in Gegnerschaft zum Bf. - 1387 von Bf. Adémar Fabri eine franchise erhielt, sich aber - nicht anders als die Bf.e - der Herrschaftsexpansion der Gf.en von G. und der Gf.en bzw. Hzg.e von → Savoyen zu erwehren hatte. Bereits Gf. Amadeus V. von Savoyen hatte sich 1287 mit der Eroberung der bfl. Burg auf der Rhôneinsel und dank der Position als vicedominus eine starkeStellung in der Stadt verschafft, die seine Nachfolger zu halten verstanden, bis die Kommune im Bündnis mit Bern und → Freiburg 1526 ein weiteres savoy. Vordringen verhinderte, zugl. damit aber die Stadtherrschaft des Bf.s beendete, der 1533 die Stadt verlassen mußte und - vergebl. seine Ansprüche reklamierend - vom Ende des 16. Jh.s an in → Annecy residierte.
III.
Die Bischofskirche St. Petrus wurde im 11. Jh. durch einen Neubau ersetzt, dieser wiederum unter Bf. Arducius de Faucigny und seinen Nachfolgern bis ca. 1230. Architekton. und stilist. Anleihen bestanden zw. den Kirchenbauten in G. und → Lausanne. Die älteste Res. des Bf. befand sich neben ihrer Hauptkirche, dort wo sich einst bis 534 der Palast der Burgunderkg.e stand, der selbst wiederum auf dem Fundus eines röm. praetorium angelegt worden war. Durch Grabungen konnten Bäder, Kapellen und eine große aulader bfl. Res. erschlossen werden. Ebenfalls nahe an der Bischofskirche lagen die Kurien der Domkapitulare. Das gesamte Ensemble mit Kirche, Palast und Kurien war seit Beginn des 13. Jh.s durch eine Mauer umgeben und bildete einen Immunitätsbezirk unter der Leitung des Kapitels. Im Zuge der Stadterweiterung errichtete Bf. Aymon de Grandson nach 1215 auf der Rhôneinsel eine Burg, die die neu errichteten Brücken sichern und als weitere bfl. Res. dienen sollte, in der auch der bfl. vicedominus seinen Sitz hatte. Kernstück der Anlage war ein stark befestigter quadrat.Turm im Anschluß an ein rechteckiges, einen Innnenhof umschließendes Gebäude, das Wohnbereiche, eine Kapelle und Loggien umfaßte; das Ganze war durch Gräben und Wälle zu den Wasserseiten umgeben. Amadeus V. von Savoyen eroberte 1287 nach 14wöchiger Belagerung die Burg und machte sie zum Zentrum savoy. Macht in der Stadt. Die Bf.e besaßen zeitw. als weitere Res. in der Stadt die ehem. von den Gf.en von G. erbaute und genutzte Burg an der süd-östl. Stadtummauerung Erstmals 1124 erwähnt, gelangte sie 1250 in den Besitz Peters II. von Savoyen, 1282 wiederum in den der G.er Gf.en undwurde 1316 durch Pfand den Bf.en veräußert, die aber nur vier Jahre später eine fast vollständige Zerstörung dieser Burg durch die → Savoyer Gf.en hinnehmen mußten. Ein Wiederaufbau, obwohl 1329 vertragl. zugestanden, überforderte die Mittel der Bf.e; ledigl. der Turm wurde erneuert, den - nach mehrfachem Besitzerwechsel - die Bf.e 1411 zurückkauften.
Die bedrohte Position der Bf.e, die nicht einmal innerhalb ihrer Bischofsstadt vor der Macht ihrer Konkurrenten sicher waren und Zerstörungen und Entfremdungen des baul. Substrates ihrer Res. erlitten, behinderte die architekton. und zeremonielle Ausgestaltung eines Hofes, wenngleich im 13. und 14. Jh. die institutionelle Ausstattung mit Kanzler, Offizial, procurator fiscalis, receptor generalis, Generalvikar, Weihbf. sowie einem conseil (seit 1375 nachgewiesen) durchaus gelang. Alle Institutionen waren in der Stadtkonzentriert, was angesichts der Kleinheit des Hochstifts und des Fehlens von potentiellen Nebenres.en auch nicht anders mögl. war.
Quellen
Mémoires et documents publiés par la Societé d'histoire et d'archéologie de Genève, Genf 1841ff.; Mémoire et documents publiés par la Société d'histoire de la Suisse romande, Lausanne 1838ff.
Literatur
Binz 1985. - Helvetia Sacra I, 3, 1980. - Bonnet, Charles: Les premiers monuments chrétiens de Genève, Genf 1976. - Bonnet, Charles: Les fouilles de l'ancien groupe épiscopal de Genève (1976-1993), Genf 1993. - Historie de Genève, 1986. - Les Pays romands, 1997.