FÜRSTENAU C.3.
I.
Vorstenowe (1344), Verstenowe (1402), Forstenauwe (1495), Furstenauwe (1516), Fastenouwe (1578), Fürstenaw (1642). Der Name, zusammengesetzt aus den Worten Versten (Fs.) und owe (Aue), bezeichnet eine von Wasser umgebene fsl. Feste. - Schloß F., Grenzfestung - Hochstift Osnabrück - Res. der Bf.e von Osnabrück 1555-1668. - D, Niedersachsen, Regbez. Weser-Ems, Kr. Osnabrück (Land),Landkr. Bersenbrück.
II.
F. liegt in der Ebene am Ostrand des F.- Lingener Höhenzuges zw. dem Muckenbach und dem Ettenfeld und galt als wichtige Station an dem Handelsweg von Flandern und Holland nach Hamburg, → Bremen, und → Hannover. Durch die seit der Mitte des 13. Jh.s einsetzenden Bemühungen der Osnabrücker Bfe. um territoriale Eigenständigkeit rückte das Osnabrükker Nordland in den Mittelpunkt des Interesses. Um zu verhindern, daß die Gf.n von Tecklenburg, die seit dem Sturz Heinrichs des Löwen um 1180 die Osnabrücker Kirchenvogtei innehatten,ihren Machtanspruch auf die Landeshoheit ausweiten konnten, ließen die Osnabrücker Bf.e eine Kette neuer Stiftsburgen errichten. Bf. Gottfried von Arnsberg (1321-49) gelang 1344 schließl. die Fertigstellung der Burg F. Aber erst unter Bf. Johannes von Hoya (1552-74) wird F. schließl. zur dauerhaften Res. der Bf.e von Osnabrück. Das Amt F. war von 1344 bis 1885 Verwaltungsmittelpunkt des Nordlandes. Neben → Iburg war F. in der zweiten Hälfte des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jh.s. die wichtigste Res. der Osnabrücker Bf.e.
Im Schutz der Burg entstand um 1350 die planmäßige Anlage der mit Wall, Graben und Plankenzaun umwehrten gleichnamigen teilselbstständigen Bürgersiedlung. Vermutl. um 1360 erhielt der Ort die Weichbildrechte und wird in einer Urk. des Jahres 1402 wicbolde tor Verstenouwe gen. Bestätigt wurden u. a. das alte Gewohnheitsrecht des Ortes, die Zehntfreiheit der Ackerflur auf zwölf Jahre, Akziseeinnahmen, das Brüchtengericht und der Wiederaufbau der Wehranlagen mit Tortürmen, Wall, Graben und Palisaden, die bei einem Brand um 1400 zerstört worden waren. Am 1. Jan. 1642verleiht Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg dem Ort als Zeichen des Dankes für die von den Bürgern während der Belagerungszeiten des Dreißigjährigen Krieges bewiesene Standhaftigkeit und Treue das Recht der Stadtnennung und zehn Jahre später erfolgte die Aufnahme ins Kolleg der Städte des Osnabrücker Stiftslandtags.
Die Altstadt bildet ein mit der Schmalseite an dem Ostwall der quadrat. Burg planmäßig angelehntes Rechteck mit einer Grundfläche von 200 × 300 m. Längs durch die Mitte des Stadtkerns führt die Hauptstraße, die Burg und Hohes Tor mit einander verbindet. In der Mitte verläuft eine Querstraße, die sich nördl. auf die St. Georgs-Kirche zu zum quadrat. Marktplatz ausweitet. Zunächst gab es zwei, später drei Tore mit Zugbrücken, Brustwehr und Schanze. Das Hohe Tor, das Hauptwerk der Ortsumwehrung hatte ein Vortor. An der Ostseite, südl. des Hohen Tores, sind entlangdem Stadtgraben für das 16. und 17. Jh. Stadtmauern nachweisbar. Der ma. Stadtkern wurde in zwei Abschnitten ausgebaut; 1527 wurden die Häuser der Neustadt für die Erweiterung der Schloßanlage abgebrochen, ab 1800 begann der Ausbau vor den Toren. Im 14.-18. Jh. ist F. Marktort für den südl. Teil des Osnabrücker Nordlandes. Durch das Marktprivileg, erteilt 1495 durch Bf. Konrad von Rietberg (1482-1508), erhielt der Ort einen Markt von Sonnabend vor Michaelis bis zum nächsten Mittwoch. Für das 16. und 17. Jh. sind Weber in der Herstellung des Hausmacherlinnen und der bes. im Amt F. erzeugtensog. Wolllaken nachweisbar. Dabei handelt es sich aber durchweg um Hausbetriebe. Im 17. Jh. ist das häusl. Braugewerbe stark vertreten. Landwirtschaft und Handwerk bleiben jedoch Haupterwerbsquelle. Um 1512 hatte der Ort vermutl. ca. 550 Einw.
III.
Der heutige Burgkomplex setzt sich aus drei Renaissanceflügeln, einem vierten, neuen Flügel und dem Bergfried zusammen. Von ursprgl. Bau der Burg F. von 1344 sind keine Nachrichten überliefert. Es ist jedoch vermutet worden, daß sie ähnl. der nur wenige Jahre zuvor entstandenen Burg bei Settrup mit quadrat. Bergfried aufgeführt wurde. Schriftl. Zeugnissen nach hat Bf. Heinrich von Holstein (1402-10) ein Wohngebäude mit Glasmalerei erbauen lassen. Bf. Konrad von Rietberg (1482-1508) verstärkte die Befestigung mit neuen Wällen und Gräben. Ihm wird auch dieErrichtung des Saalgebäudes zugeschrieben, da sich außen im Innenhof der Schloßanlage das Wappen des Bf.s findet. Weitere festungstechn. Ausbauten folgten unter Erich von Braunschweig-Grubenhagen (1508-32) i. J. 1527, wobei für die Erweiterung des Burggrabens zum Festungsgraben und den Ausbau mit Basteien und Wällen die Fürstenauer Neustadt abgerissen wurde. Bf. Johann von Hoya (1552-74) gestaltete die ma. Burg zum Schloß und zur Res. um. Sein Wappen mit der Jahreszahl 1555 findet sich über dem zugemauerten Eingang im Binnenhof. Zur Ausgestaltung gehörten die Gartenanlagen und derumgebaute Saalbau. Einschneidende Erweiterungen und Neugestaltungen im Schloßbereich und insbes. in der Burgkapelle erfolgten unter Bf. Heinrich von Sachsen-Lauenburg (1574-85). Unklar ist, ob dabei eine Dreiflügelanlage oder eine Vierflügelanlage entstand. In der heutigen Sakristei der Katharinenkirche befand sich vermutl. ursprgl. eine Privatkapelle Heinrichs von Sachsen-Lauenburg. Dafür sprechen die Heizbarkeit (ein Renaissance-Kamin ist erhalten) und die aufwendige Gestaltung. Die Stuckreliefs über dem Zahnschnittfries des Kamins zeigen die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradiesdurch den Erzengel. Diese wird gerahmt von zwei Medaillons mit Profilköpfen. Ein got. Kreuzrippengewölbe mit den bfl. Attributen Kreuz, Kelch und Petrusschlüsseln an den Konsolen überspannt den Raum. Nachdem in den ersten Jahren des 17. Jh.s wenig für den Erhalt der Festung unternommen worden war, ordnete Franz Wilhelm von Wartenberg (1625-34) 1628 die Instandsetzung F.s an. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde F. mehrfach von den schwed. Truppen erobert, dabei beschädigt und in der Folge wieder instandgesetzt. Infolge der letzten Kriegshandlungen wurden noch einmal dieBefestigungswerke verstärkt. Hohe Wälle schlossen die Festung nach außen ab; auf den breiten Graben folgte wiederum ein Wall. Diesem vorgelagert waren ein Graben und der Mühlenteich. Äußere Befestigung bildeten das Amtsvorwerk und die Wassermühle. Die der Burg nach S und O vorgelagerten Schanzwerke (Rondell und Sternschanze) wurden bald nach dem Dreißigjährigen Krieg geschleift. Mit der Verlegung der Res. nach → Osnabrück und dem Bau des dortigen Schlosses verlor F. an Bedeutung.
Quellen
StA Osnabrück, Rep 100/8/35; Rep 350 Fü, Nr. 153; Rep 150 Fü. - Ertwini Ertmanni cronica, 1891. - Niederdeutsche Bischofschronik, 1894. - Osnabrücker Urkundenbuch, 1-6, 1892-1989.
Literatur
Bruch, Rudolf vom: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück, Osnabrück 1930 - Lenski, Lothar: Vertheidigung des Schlosses und Städtleins Fürstenau durch den Drosten Michael Kobolt Wilhelm von Tambach i. J. 1647, in: Osnabrücker Mitteilungen 104 (1999) S. 227-252. - Prinz 1934. - Rothert, Hermann: Schloß und Stadt Fürstenau, in: Heimatbuch des Kreises Bersenbrück 1 (1933) S. 180-215. - Schröder, August: Geschichte der StadtFürstenau, Kurzfassung, Quakenbrück 1951. - Schröder, August: Die Anfänge der Stadt Fürstenau, unter besonderer Berücksichtigung der Freiheitsurkunde vom 29. Sept. 1402, in: Verstenove - Fürstenau 1402-1952, hg. von der Stadtverwaltung Fürstenau 1952, S. 11-38.