FRIESACH C.3.
I.
Friesah (860). Der vom slaw. Wort breg (Ufer) oder breza (Birke) abgeleitete Name wurde vor oder um 800 eingedeutscht. Burgen und Stadt der Ebf.e von Salzburg im Hzm. und Land Kärnten; Ebf. von Salzburg - Nebenres. - A, Kärnten.
II.
Kg. Ludwig der Deutsche schenkte 860 den Königshof F. gemeinsam mit zahlr. anderen Höfen in Kärnten und der Steiermark an das Erzstift Salzburg. Dieser Hof wird nördl. vom heutigen Stadtzentrum beim »Fürstenhof« lokalisiert. F. war damals ein Gegendname, der das gesamte obere Metnitztal bezeichnete und ebenso eine Gft., die sich am Beginn des 11. Jh.s in der Hand des Gf.en Wilhelm, des Gatten der hl. Hemma von Gurk, befand. Bereits 975 hatte Ks. Otto II. der Wwe. Imma, der Großmutter der hl. Hemma, für den Ort Lieding im Gurktal, an dem sie den Baueines Kl.s begonnen hatte, das Markt-, Münz- und Zollrecht verliehen. Da dieses Kl. nicht vollendet wurde, erhielt Gf. Wilhelm 1016 von Ks. Heinrich II. die Erlaubnis, das Markt- und Zollrecht auf einen beliebigen Ort in seiner Gft. F. zu übertragen. Wilhelm errichtete in Grafendorf (ca. 2 km südöstl. der heutigen Stadt) einen Markt, den seine Wwe. Hemma nach seinem Tod an das von ihr gegründete adelige Damenstift Gurk schenkte. Im Jahre 1072 kam dieser Markt, der ebenfalls F. gen. wurde, an das Salzburger Eigenbm. → Gurk, das Ebf. Gebhard mit den Gütern des aufgehobenen Damenstiftesausstattete.
In seiner Auseinandersetzung mit Kg. Heinrich IV. ließ Ebf. Gebhard auch in F. eine Burg errichten bzw. eine bereits vorhandene Wehranlage ausbauen, die auf dem Petersberg vermutet wird. Der ksl. (Gegen-)Bf. von → Gurk, Berthold von Zeltschach, verlieh 1106 den Markt F. an den Gf.en und späteren Hzg. von Kärnten, Engelbert von Spanheim. Dieser belagerte 1123/24 die Salzburger Feste auf dem Petersberg, wurde aber zurückgeschlagen und verlor den (Gurker) Markt F., den die ebfl. Truppen durch eine Kriegslist einnahmen. Nachdem Hzg. Engelbert seinen Ansprüchen entsagt hatte, wurdeder Gurker Markt auf Betreiben Ebf. Konrads I. von Salzburg zerstört und neben den von → Salzburg errichteten Markt an den Fuß des Petersberges verlegt. Ein Jh. lang bestanden der Salzburger Markt im N der heutigen Stadt und der Gurker Markt im S nebeneinander, sie wurden getrennt verwaltet und besaßen eigene Marktrichter. Die Bf.e von → Gurk, die F. zeitw. als ihren wichtigsten Sitz betrachteten, suchten ihre Rechte durch Urkundenfälschungen zu sichern, zogen sich aber vor der überlegenen Macht der Ebf.e in einem Kompromiß 1232 aus F. zurück und bauten die Feste→ Straßburg im Gurktal zu ihrer Res. aus.
Ebf. Konrad I. ließ Burg und Markt F. derart ausgestalten, daß sie nach den Worten seines Biographen »eher der Wohnsitz des Kaisers als eines Bischofs zu sein schienen«. 1192 wird F. als burgus und ab 1215 als civitas bezeichnet. Damit war es die älteste und im HochMA bedeutendste Stadt Kärntens, auch wenn die Ummauerung erst gegen die Mitte des 13. Jh.s erfolgte. Die seit der ersten Hälfte des 12. Jh.s von den Ebf.en geprägten »Friesacher Pfennige« waren zeitweise die wichtigste Münze im Ostalpenraum. Nach der dreimaligenZerstörung der Stadt durch Kg. Přemysl Otakar II. von Böhmen und Albrecht I. von Österreich wurde der zentrale Stadtbereich zw. 1292 und 1323 durch die Anlage mächtiger Mauern und Gräben geschützt. Teile des ehemaligen Salzburger Marktes im N und des Gurker Marktes im S wurden damit zu Vorstädten. Ebf. Friedrich III. von Salzburg verlieh F. 1339 ein Stadtrecht.
Seit 1124/30 war F. ein bevorzugter Aufenthaltsort der Salzburger Ebf.e. So wie → Salzburg im N diente F. im S als Hauptsitz und Verwaltungszentrum des Ebm.s und erfüllte bis zum Ende des MA die Funktion einer ebfl. Nebenres. Es war Schauplatz wichtiger polit. und kirchl. Zusammenkünfte, diente zahlr. Ebf.en als Fluchtort bei krieger. Auseinandersetzungen und wird im 12. Jh. ausdrückl. als Pfalz (palatium) bezeichnet. An Zahl der klösterl. Niederlassungen übertraf F. die Bischofsstadt → Salzburg bei weitem, an Wirtschaftskraft kam es ihr zeitw.gleich. Auch die Bf.e von → Gurk und die Bf.e von → Lavant, die hier am Ende des 13. Jh.s eine Burg (Schloß Lavant) errichteten und den Ebf.en häufig als Vizedome dienten, nützten F. als Res. bzw. Nebenres. Während die Bf.e von → Lavant auch in der Neuzeit bis 1803 häufig in F. präsent waren, kamen die Salzburger Ebf.e seit dem 16. Jh. nur mehr selten nach F., wo sie durch ihren Vizedom vertreten waren.
III.
Der älteste Teil der ebfl. Hauptfeste auf dem Petersberg ist ein Kapellenbau, die sog. Gebhardskapelle, aus der Zeit Ebf. Konrads I. um 1140. Ein zweiter, größerer Kapellenbau, der fälschl. als Bergfried bezeichnet wird, entstand in der Zeit zw. 1180 und 1230. Unter Ebf. Eberhard II. wurde in der ersten Hälfte des 13. Jh.s ein repräsentativer Palastbau um einen rechteckigen Innenhof errichtet, von dem sich nur mehr geringe Reste erhalten haben. Er diente den Ebf.en bei ihren häufigen Aufenthalten in F. als Wohn- und Herrschaftssitz und konnte vor wenigenJahren in seinen Grundzügen erfaßt werden. Im 14. und 15. Jh. wurde er gemeinsam mit späteren Baukörpern zur sog. »Burghauptmannschaft« verbunden. Der letzte Ausbau der Burg erfolgte in Zusammenhang mit der Bedrohung Kärntens durch die Osmanen am Ende des 15. Jh.s unter Ebf. Leonhard von Keutschach; im 16. Jh. wurden nur mehr baul. Verbesserungen und Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Nach dem Stadtbrand von 1673, der auch den Petersberg erfaßte, blieben die ausgedehnten, funktionslos geworden Anlagen bis ins 20. Jh. eine Ruine. Die Burg wurde seit dem 12. Jh. von Bgf.en verwaltet,seit 1267 standen Hauptleute an der Spitze des gesamten milit. Personals. Die ebfl. Vizedome residierten seit dem 13. Jh. auf der Burg Geiersberg im N der Stadt F. Weitere Wehranlagen wie der in die Stadtmauer eingefügte Rotturm und die befestigte Propstei Virgilienberg im S erhöhten die Verteidigungsbereitschaft. Seit der Mitte des 15. Jh.s waren die Funktionen des Vizedoms und des Hauptmanns vereinigt, der Rotturm an Privatpersonen vergeben.
Unterhalb der Salzburger Hauptfeste errichteten die Bf.e von → Lavant eine Burg auf dem Petersberg, die 1293 erstmals gen. wird. Die Lavanter Bf.e hielte sich das ganze 14. Jh. hauptsächl. auf dieser Burg auf und führten von hier ihre Amtsgeschäfte. Obwohl sie im 15. und 16. Jh. seltener nach F. kamen, wurde die Burg 1561 umgebaut und diente weiterhin als zweite Res. Im 16. und 17. Jh. war sie teilw. an Pfleger verpachtet, welche die Herrschaft Lavant verwalteten. Nach dem Stadtbrand von 1673 wurde auch die Burg Lavant nicht mehr hergestellt; die Bf.e, die vom frühen 18. Jh. bis1803 Salzburger Vizedome in F. waren, benützten die Propstei St. Mauritz und Magdalena in der Stadt, die sie 1780 erhalten hatten, als Aufenthaltsort.
Quellen
Monumenta historica ducatus Carinthiae, 1-11, 1896-1972. - Vita Chunradi archiepiscopi, hg. von Wilhelm Wattenbach, Hannover 1854. ND 1963 (MGH SS XI), S. 63-78.
Literatur
Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach, 1991. - Dopsch, Heinz: Der auswärtige Besitz, in: Geschichte Salzburgs, 1,2, 1983, S. 951-982. - Hemma von Gurk, 1988. - Die Friesacher Münze im Alpen-Adria-Raum, hg. von Reinhard Härtel, Graz 1996 (Grazer grundwissenschaftliche Forschungen, 2; Schriftenreihe der Akademie Friesach, 1). - Jaksch, August von: Die Entstehung der Stadt Friesach, in: Carinthia 1, 92 (1902) S. 133-146. - Ogris, Alfred:Der Kampf des Bistums Gurk um Friesach bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts., in: Carinthia 1, 161 (1971) S. 163-174. - Ogris, Alfred: Die Bürgerschaft in den mittelalterlichen Städten Kärntens bis zum Jahre 1335, Klagenfurt 1974 (Das Kärntner Landesarchiv, 4). - Wadl, Wilhelm: Friesachs historische Entwicklung - ein Überblick, in: Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach, 1991, S. 1-71. - Wutte, Martin: Aus Friesachs Vergangenheit, in: Carinthia 1, 95 (1905) S. 37-50. - Zechner1938. - Zedrosser, Thomas: Die Stadt Friesach in Kärnten. Ein Führer durch ihre Geschichte, Bau- und Kunstdenkmäler, 3. Aufl., Klagenfurt 1953.