FREISING C.3.
I.
Im 8. Jh. zunächst hzgl. Burg, ist F. wohl ab 739 Bischofssitz an der Isar, wird 744 erstmals als Frigisinga gen., seit 777 auch Frisinga, seit dem 13. Jh. erscheinen Freisingen und Freising. Die spätestens um 1000 städt. Ansiedlung am Domberg, an der Grenze zw. tertiärem Hügelland im N und der Münchner Schotterebene im S, verliert ihre zentralörtl. Funktion im städtearmen Alpenvorland Südbayerns mit der Gründung → Münchens und → Landshuts im12./13. Jh., bleibt aber Res. der F.er Fbf.e und Hauptstadt des kleinen Hochstifts F. bis zu dessen Aufhebung i. J. 1802. Der Domberg mit der Domkirche und dem fbfl. Residenzbau beherrscht die bescheidene Bürgerstadt. - D, Bayern, Reg.bez. Oberbayern, Kr. F.
II.
Am linken Isarufer bestand im 8. Jh. auf dem späteren Domberg eine Pfalz des agilolfing. Herzogshauses. Nach der Überlieferung war es St. Corbinian, der hier i. J. 739 ein Bm. errichtet hat und das Bischofsamt übernahm. Mit dem Bm. F. war ein kirchl. Mittelpunkt für die städtelose Landschaft des westl. bayer. Alpenvorlandes geschaffen. Bis ins HochMA polit. und kulturelles Zentrum (Bf.e Arbeo und Otto I., »Otto von Freising«), wird F. seit dem 12. Jh. von den aufstrebenden bayer. Hzg.en - zunächst der Welfe Heinrich der Löwe, ab 1180 die→ Wittelsbacher - territorial isoliert, zeitw. gar in seiner Selbständigkeit bedroht und wirtschaftsgeograph. dauerhaft an den Rand gedrängt: Die Etablierung von hzgl. kontrollierten Isarübergängen in → Landshut im N und → München im S, die rasch zu Residenzstädten aufstiegen, anstelle des F.er Marktortes Oberföhring sowie die Ausbildung eines nahezu geschlossenen hzgl. Territoriums der → Wittelsbacher im Alpenvorland im 13. Jh. ließen für das nun entstehende Hochstift F. trotz beträchtl. Grundherrschaften im Umkreis des Bischofssitzes keine wesentl.territoriale Ausbreitung zu. Unberührt von dieser negativen Entwicklung blieb der weit gestreute Fernbesitz der Bf.e im Ostalpenraum und an der österr. Donau (nach moderner Zuordnung in Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten, Südtirol und Slowenien); allerdings gelang es den Bf.en nicht, für diese wirtschaftl. bedeutenden Grundherrschaften die Landeshoheit zu erringen; ebensowenig für den Großteil des Besitzes im Umkreis F.s.
Der F.er Domberg in beherrschender Lage hoch über der Isar beherbergte offensichtl. bereits die agilolfing. Herzogspfalz des 8. Jh.s; nach der Gründung des Bm.s drängten sich hier bis zum Ende des Hochstiftes mit der Säkularisation 1802 auf engem Raum eine Reihe von zentralen Einrichtungen zusammen. Der Domkirche Mariä Geburt und St. Korbinian nachgelagert, nahm das Domkl. die östl. Spitze der Hochfläche ein. Westl. des Domes schließt sich der Domhof und westl. an diesen angrenzend spätestens seit dem 14. Jh. die Wohnstatt der Bf.e - zunächst Burg, dann Residenzbau - an. Den Westteilder Hochfläche nahm das Stift St. Andreas ein.
Direkt unterhalb des Berges bestand nach N hin bereits im frühen MA eine Siedlung; i. J. 996 verlieh Ks. Otto III. dem F.er Bf. für dieses suburbium entlang der Marktstraße vom Isarübergang nach W einen Tagesmarkt, den zuvor kgl. Zoll und das Regensburger Münzrecht. Allerdings erwies sich die verkehrsgeograph. Lage der Stadt nicht als günstig zu den großen Handelswegen des HochMA, weil auf der gegenüberliegenden Isarseite das ausgedehnte Feuchtgebiet des Erdinger Mooses einer Straßenführung von SO her im Wege stand. Bezeichnend für die problemat. Lage F.s ist der -letztl. gescheiterte - Versuch der F.er Bf.e, das 25 km südl. gelegene (Ober-)Föhring zu einem Marktort an einem der wichtigsten Fernstraßenübergänge über die Isar auszubauen. Nicht in F., sondern in Föhring überspannte eine Brücke den Fluß; hier wurden die bfl. Münzen geschlagen. Die Verlegung des Flußüberganges ins weiter südl. gelegene → München durch Hzg. Heinrich den Löwen von Bayern setzte diesen Bestrebungen F.s um die Mitte des 12. Jh.s ein Ende. Auch angesichts der übermächtigen Konkurrenz → Münchens und → Landshuts kam F. im SpätMA und in derfrühen Neuzeit keine bes. Bedeutung in Handel und Gewerbe zu. So ist F. v. a. ausschließl. Residenzstadt der Fbf.e und mit einer Vielzahl von Stiften und Kl.n geistl. Stadt geblieben. Die Stadt stand immer unter ungefährdeter bfl. Herrschaft; seit 1359 folgte das F.er Stadtrecht dem Vorbild des Oberbayer. Landrechts Ks. → Ludwigs des Bayern für oberbayer. Landstädte.
III.
Die fbfl. Res. auf dem Domberg geht auf eine Burganlage aus dem ersten Viertel des 14. Jh.s zurück. Sie wurde seit dem frühen 16. Jh. im Sinne einer Res. der Renaissance neu gestaltet. Treibende Kraft war dabei zunächst Bf. Philipp von der Pfalz (Regierungszeit 1498-1541), der ab 1519 durch Stefan Rottaler Laubengänge erbauen ließ; 1524-27 wurde als Wohnbereich des Bf.s der jetzige Westflügel errichtet. Ihre endgültige Gestalt erhielt die nunmehr vierflügelig um einen Arkadenhof angeordnete Anlage im frühen 17. Jh.
Am Nordrand des Domberges, also zur Stadtseite hin, ließ Bf. Philipp in den Jahren 1534-37 durch Hans Reiffenstuel eine weitere Residenzanlage als Altersruhesitz errichten, den »Neubau« oder das »Philipp-Schloß«. Der vierflüglige Bau, als Stadtschloß ohne jeden Wehrcharakter konzipiert, war der erste seiner Art in Südbayern und geht insofern der bekannteren Stadtres. Hzg. Ludwigs X. in → Landshut voraus.
Das histor. Ensemble auf dem F.er Domberg ist trotz vielfacher baul. Eingriffe bis tief ins 20. Jh. hinein im wesentl. erhalten geblieben.
Literatur
Albrecht 1995. - Das Bistum Freising in der Neuzeit, 1989. - Freising, 1989. - Hochstift Freising. Beiträge zur Besitzgeschichte, hg. von Hubert Glaser, München 1990 (Sammelblatt des Historischen Vereins Freising, 32). - Lanzinner, Maximilian: Geistliche Residenzstädte im bayerisch-fränkischen Raum vom 15. zum 17. Jahrhundert, in: Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte 44 (1999) S. 13-41. - Leutner 1996. - Mass 1986. -Stahleder, Helmuth: Hochstift Freising (Freising, Ismaning, Burgrain), München 1974 (Historischer Atlas von Bayern. Altbayern, 33).