Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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FEGEFEUER C.3. (Kiviloo)

I.

Neghennor (1322), Vegevur (1413), Veghever (1415), Fegefur (1541); vermutl. ursprgl. dt. Veghever abgeleitet von estn. Väägevere und volksetymolog. zu Veghevur entstellt. - Dorf und Burg, 33 km südöstl. Reval. - Bm. Reval, Bf.e von Reval. - Nebenres. - EST, Kr. Harjumaa.

II.

Bei dem 1241 im »Liber Census Daniae« genannten Dorf Kiulo, Kirchspiel Kosch, läßt sich 1322 der Hof F. im Besitz des Revaler Bf.s nachweisen. In dem nur 7 km entfernten bfl. Hof Kaunissaar ist der Bf. im 14. Jh. mehrfach belegt. Seit dem frühen 15. Jh. ist F. der bfl. Haupthof in Harrien. Seit Johannes Ochmann, der zum ersten Mal 1414 hier nachweisbar ist, haben alle nachfolgenden Revaler Bf.e den Ort wiederholt aufgesucht. 1443 noch Hof gen., erwähnen die Quellen zum ersten Mal für 1474 das Schloß (castrum);wie die erhaltenen Mauerteile belegen, wurde der Bau des Steingebäudes in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s begonnen, der endgültige Ausbau erfolgte im letzten Viertel, unter Bf. Simon von der Borch (1477-92). Im russ.-livländ. Krieg wurde das Schloß 1558 und 1560 von den Russen verbrannt und zerstört.

III.

Das Hauptgebäude wurde aus zwei Flügeln gebildet, die, wie das auch bei Konventshäusern des Deutschen Ordens übl. war, unter einem rechten Winkel aneinandergefügt wurden. Im übrigen Teil wird der Hof von Holzgebäuden umgeben gewesen sein. Der Ostflügel des Schlosses enthielt am Südende einen großen Saal, am Nordende kleinere, zum Wohnen bestimmte Räume. An diese schloß sich an der Nordecke ein großer runder Stubenturm an, dessen unteres Stockwerk zur Unterbringung von Geschützen diente. 1570 wird die Anlage als wüst bezeichnet, hatte 1754 noch bewohnbareTurmzimmer, war 1774 gänzl. Ruine.

Baltisches historisches Ortslexikon, 1, 1985. - Tuulse 1942.