Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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EMMENDINGEN C.7.

I.

Anemotinga (1094), Anemutingen (zu 1096), Ementingen (1275), Emetingen (1356). Der Name läßt auf eine merowingerzeitl. Siedlung (»bei den Leuten des Anemot«) schließen. - Marktflecken (1418) und Stadt (1590) im nördl. Breisgau, Diöz. → Konstanz - Mgft. Hachberg, Teil der Mgft. Baden (-Durlach) - Im 13. Jh. gelangte E. in den Besitz der Mgf.en von Baden (Nebenlinie Hachberg, seit 1415 im Besitz der Hauptlinie, später Linie Baden-Durlach). - DerSchloßkomplex umfaßte außer dem neben der evangel. Pfarrkirche gelegenen Hauptgebäude das nördl. anschließende Areal bis zur Stadtmauer. 1588-90 residierte hier Mgf. Jakob III. von Baden († 1590). - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Freiburg, Kr. E.

II.

E. liegt am nordöstl. Rand der Freiburger Bucht und am Fuß der Lahr-E.er Vorbergzone des Schwarzwaldes. Südl. unterhalb E.s, dessen ovalförmige Altstadt im N vom Mühlbach und im S vom Brettenbach begrenzt wird, verläuft die Elz, die hier durch Furten überquert werden konnte. Die Ersterwähnung E.s zum Jahr 1094 findet sich in der Urkundenüberlieferung des Allerheiligenkl.s in Schaffhausen. Dort treten in den 90er Jahren des 11. Jh.s ein Dietrich von E. und ein 1113 an anderer Stelle als nobilis vir bezeichneter Ulrich von E. inErscheinung. Viell. darf Dietrich von E. mit einem Dietrich von Hachberg identifiziert werden, der in einem Güterverzeichnis des Allerheiligenkl.s (Abfassung um 1120) gen. ist. Ggf. würde dies für eine damals bereits bestehende herrschaftl. Verbindung zw. E. und der Burg Hachberg (etwa 4 km östl. von E.; ab dem 15. Jh. üblicherweise → Hochburg gen.) sprechen. Im übrigen verweist der Flurname »Bürgle« (bzw. »Burg«) oberhalb E.s und des westl. vorgelagerten Dorfes Niederemmendingen (seit dem 14. Jh. gen., seit 1806 Teil der Stadtpfarrei E., 1883 Eingemeindung nach E.)auf eine ehemalige Burganlage in E.

In der zweiten Hälfte des 12. Jh.s werden als Förderer des um 1160 unter maßgebl. Beteiligung der Gf.en von Nimburg (Burg und Dorf ca. 6 km westl. von E.) gegründeten Zisterzienserkl.s Tennenbach (ca. 4 km nordöstl. von E.) zwei nach E. zubenannte und beim Landesausbau im benachbarten Waldgebiet engagierte Ministerialen der Nimburger Gf.en faßbar. Die Übertragung der Grundausstattung an das Kl. erfolgte nach der auf 1161 datierten Tennenbacher Gründungsnotiz in der Burg Hachberg (→ Hochburg) vor Mgf. Hermann IV. († 1190) von Baden, dem Inhaber der Breisgaugft. Bevor der letzteNimburger Gf. mit seinem Sohn 1200 zum Kreuzzug aufbrach, auf dem beide den Tod fanden, verkaufte er seinen gesamten Besitz, u. a. auch das Kirchenpatronat in E. mit den dortigen Rechten und Besitzungen. Noch im 13. Jh. gelangte E. in den Besitz der mgfl. Nebenlinie von Hachberg (Zubenennung nach Hachberg (→ Hochburg) seit 1239 bezeugt), die seither auch Vögte des Kl.s Tennenbach waren, in dem Mgf. Heinrich I. († 1231) die Grablege der Hachberger begründete.

1356 verpfändete Mgf. Heinrich IV. von Hachberg († um 1370) zusammen mit der Burg Hachberg (→ Hochburg) und der zugehörigen Herrschaft auch E. an den Freiburger Patrizier Johann Malterer, dessen Tochter dieses Pfand als Mitgift in ihre Eheverbindung mit dem Sohn des Mgf.en einbrachte. Nachdem 1406 ein Teil der den Hachbergern zustehenden Steuern und Nutzungsrechte in E. erneut verpfändet worden war, verkaufte der überschuldete Mgf. Otto II. von Hachberg († 1418) 1415 die gesamte Mgft. Hachberg an Mgf. Bernhard I. von Baden († 1431). Auf Initiative Mgf. Bernhards erhielt E. 1418Marktrechte (ein Jahr- und ein Wochenmarkt, 1547 beziehungsweise 1572 wieder erneuert) und eine Ummauerung. Die benachbarten vorderösterr. Städte → Freiburg, Breisach und Endingen wehrten sich gegen die Beeinträchtigung ihrer älteren Rechte durch den neuen mgfl. Marktort, indem sie 1424 im Krieg gegen Mgf. Bernhard E. niederbrannten und dabei die Ummauerung zerstörten.

1545 erwarben die Mgf.en von Baden die Patronatsrechte an der Pfarrkirche. Nach der Einführung der Reformation unter Mgf. Karl II. († 1577) i. J. 1556 war E. (Diöz., später Spezialat Hochberg) Sitz des Superintendenten bzw. Spezials. In der zweiten Hälfte des 16. Jh.s, als hochrangige mgfl. Beamte hier ihren Wohnsitz nahmen und Mgf. Jakob III. sich E. als Res. erwählte, erfolgte ein Ausbau des Marktfleckens (1571 wird ein Tor, 1574 ein Turm, 1588 eine steinerne Brücke gen.). 1584 hatte Jakob III. bei der Aufteilung der Mgft. Baden-Durlach unter die drei Söhne Mgf. Karls II. die HerrschaftHachberg erhalten. Zunächst residierte er auf der → Hochburg, seit 1588 aber im neu eingerichteten Emmendinger Stadtschloß. Im Zusammenhang mit der Einrichtung der Res. erhob Mgf. Jakob E. 1590 zur Stadt - der einzigen in seinem Herrschaftsgebiet. An die Stelle des 1414 erstmals bezeugten Vogtes des Dorfs E. (1466 Heimburger und Gerichtssiegel faßbar, nach 1590 auch Bürgermeister und Rat) trat als oberster landesherrl. Vertreter in der Stadt ein vom Mgf.en eingesetzter Schultheiß, dessen Amt nach einigen Jahren dem jeweiligen mgfl. Landvogt (später Oberamtmann) übertragen wurde.Mit der Stadterhebung entließ der Mgf. die Einw. E.s aus der Leibeigenschaft und gestand der Gemeinde auch einen Anteil an den herrschaftl. Einnahmen aus Strafgeldern, Ungeld, Pfundzoll, Salz-, Bauholz-, Kalk- und Ziegelsteinmonopol zu. Kurz nach seinem Übertritt zum Katholizismus am 15. Juli 1590 fiel Mgf. Jakob (am 17. Aug. 1590) einem Giftanschlag zum Opfer, womit E. seine Bedeutung als mgfl. Res. verlor. E. blieb als Sitz der mgfl. Landvogtei aber das Verwaltungszentrum der Herrschaft → Hachberg. An der Stadtbefestigung E.s wurde noch bis 1624 gebaut. Nach der weitgehendenZerstörung E.s im Dreißigjährigen Krieg, der die kurze Aufschwungphase der kleinen Ackerbürgerstadt beendete, begann man ab 1650 eine kanonentaugl. Befestigung zu errichten, die 1688/89 auf Befehl der Franzosen geschleift werden mußte. Stadterweiterungen gab es erst seit dem 18. Jh., als Mgf. Karl Friedrich 1757 ein Privileg zum Bau einer ersten Vorstadt in Richtung Niedere. erteilte und in den 80er Jahren eine zweite Vorstadt in Richtung Waldkirch angelegt wurde.

III.

Das noch erhaltene dreistöckige Hauptgebäude des mgfl. Schlosses (sog. »Markgrafenschloß«, 1945 schwer beschädigt) mit einem hofseitig angebautem achteckigem Treppenturm ist nicht genauer dat., es entstammt aber in seinen wesentl. Teilen sicher dem 16. Jh. Am Hoftor befinden sich zwei leere Wappenschilde mit der Jahreszahl 1574. Das Gebäude war zuvor Teil des umfangr. Hofkomplexes (mit Keller, Scheune, Garten) des Zisterzienserkl.s Tennenbach (ehemaliger Keppenbacher Hof), den Mgf. Jakob 1588 aufkaufte und zu seinem Residenzschloß umbauen ließ. In derKapitelstube des Schlosses fand vom 13. bis 17. Juni 1590 das zweite der Religionsgespräche statt, die Mgf. Jakob vor seiner Konversion abhielt. Von den Nebengebäuden (Marstall, Küchentrakt, Kapitelhaus, Scheunenbereich) existiert außer einem kleinen Gartenhaus (sog. »Lenzhäuschen«, 1923/24 abgetragen und an anderer Stelle wiederaufgebaut) nur noch eine klassizist. umgestaltete Torhalle, die den Ansatz eines Arkadenganges mit Fachwerkobergeschoß erkennen läßt, der zum ehemaligen Kapitelhaus führte. Nach 1590 diente das Schloß als Amtssitz der mgfl. Landvögte. Das Hauptgebäude des Schlosseswar über einen Gang mit dem Chor (zweite Hälfte des 15. Jh.s) der unmittelbar benachbarten evangel. Pfarrkirche verbunden. In die Chorwände ist eine Reihe von Grabplatten bad. Mgf.en des 16. und 17. Jh.s eingelassen. Außerdem befindet sich hier ein vom Tor der → Hochburg stammendes Reliefbildnis des Mgf.en Karl II. († 1577).

Quellen

GLA Karlsruhe. - StA E. - Regesten der Markgrafen von Baden, 1-4, 1900-15.

Günther, Hans-Jürgen: Das kurze Leben und »be-deutungs-volle« Sterben des badischen Markgrafen, der Emmendingen im Jahr 1590 zur Stadt erhob, in: Badische Heimat 70 (1990) S. 671-690. - Der Landkreis Em- mendingen, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Emmendingen, Bd. 2,1, Stuttgart 2001 (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). - Maurer, Heinrich: Emmendingen vor und nach seiner Erhebung zur Stadt, 2. Aufl., Emmendingen 1912. ND 1992. -Rott 1917. - Steigelmann, Helmut: Jakob III., Markgraf von Baden und Hachberg, in: NDB X, 1974, S. 311f. - Weech, Friedrich von: Zur Geschichte des Markgrafen Jakob III. von Baden und Hachberg, in: ZGO 46 (1892) S. 656-700.