EICHSTÄTT C.3.
I.
Eihstat (8./9. Jh.), Eystet, Eystat (1119), Aystet (1318), Aichstadt (1670), Eichstett (1733) - Bischofssitz, Stadt, Willibaldsburg - Bm. und Hochstift E. - Hauptres. - D, Bayern, Reg.bez. Oberbayern, Kr. E.
II.
Gelegen im mittleren Altmühltal. Der Dombezirk (coenobium, immunitas) liegt leicht erhöht, jedoch hochwassergefährdet, während die Stadt um 1200 auf einer sanft ansteigenden Schotterfläche zw. Dom und dem Kl. St. Walburg planmäßig angelegt wurde; bereits 908 Befestigung des Dombezirks und Ausstattung mit Markt- und Münzrechten. Seit 1180 treten erstmals cives in Zeugenreihen auf, 1256 ist ein Stadtsiegel belegt, weitergehende Emanzipationsbemühungen scheitern an der ständigen Präsenz der Bf.e (1307 PhilippinscheHandfeste) sowie an der großen Königsferne (nur Heinrich IV. 1073; → Maximilian 1490 belegt); im SpätMA wirtschaftl. Blüte durch den Tuchhandel (Export in den SO des Reiches bis nach Ungarn); führende Bürgerfamilien schickten ihre Mitglieder sowohl in die kommunale wie auch in die bfl. Verwaltung; im 16. Jh. läßt sich ein Wandel von der exportorientierten Handelsstadt zur zunehmend allein vom bfl. Hof abhängigen Residenzstadt feststellen mit vermutl. einhergehender Verarmung vieler Bürgerfamilien
III.
Vom alten Bischofskl. aus dem 8. Jh. finden sich nur noch vage archäolog. Reste; an seiner Stelle entstand ein Bischofssitz, der im späten MA im Gegensatz zur Willibaldsburg (erbaut um 1355) »Alter Hof« gen. wurde; Ausbau des Alten Hofes unter Bf. Wilhelm von Reichenau, seine Zimmerstruktur bleibt im Dunkeln. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gebäude zweimal durch Brand in Mitleidenschaft gezogen.
Die Willibaldsburg wurde unter Bf. Johann Konrad von Gemmingen (1595-1612) in ein Renaissanceschloß umgebaut. Die Arbeiten begannen vor 1600, erst 1609 wurde der Augsburger Baumeister Elias Holl beratend mit herangezogen; 1611 waren ca. 200 Graubündner und Welsche am Bau beschäftigt. Ein Detail am Rande: Auf der Willibaldsburg mußten um 1720 insgesamt 25 Öfen beheizt werden, davon zwei für die bfl. Räume.
Die Neubauphase bei der Stadtres. setzt unter Marquard Schenk von Castell ab 1684 ein und wurde unter Federführung Graubündner Baumeister fortgeführt. Jakob Engel (1632-1714) plante für die Stadtres. eine Dreiflügelanlage, von der er 1699-1707 den West- und anschl. den Ostflügel fertig stellte. Engels Nachfolger als bfl. Baumeister, Gabriel de Gabrieli (1671-1747), verband beide Flügel durch eine repräsentative Südfassade (1724-27). Ein stattl. Treppenhaus entstand 1767/68 durch Mauritio Pedetti; der Festsaal, der heutige Spiegelsaal, befindet sich im zweiten Obergeschoß. Gegenüber derRes. lag die fbfl. Kanzlei, 1726-28 von Gabrieli erbaut. Im Erdgeschoß war die Residenzwache untergebracht, im Obergeschoß die weltl. Kanzlei mit einigen Beratungszimmern. Hier hatte die weltl. Regierung des Hochstifts ihren Mittelpunkt (Geistlicher Rat, Hofrat, Hofkammer). Der Residenzplatz als Zentrum einer geistl., frühneuzeitl. Herrschaft wurde von sog. Ministerhöfen (heute: Kavaliershöfen) abgeschloßen, in denen der Obersthofmarschall, der Oberstallmeister und der Landvogt wohnten. Der Platz wurde in den 1730er Jahren von Gabrieli geplant. Pedettis Kostenvoranschlag für die dortaufzustellende Mariensäule (1775: voraussichtl. 913 fl.) hat sich erhalten. Der Oberstjägermeister besaß seit 1722 sein Palais am Rande der Bürgerstadt. Ein Hofstall mit Reitschule - Symbole absolutist. Herrschaftsrepräsentation - wurden von Fbf. Franz Ludwig Schenk von Castell (1725-36) um 1735 neben dem Ostentor errichtet. In der Ostenvorstadt befand sich die 1732-35, wiederum von Gabrieli erbaute Sommerres. mit repräsentativer Gartenanlage und Orangerie. Im Zentrum des Baus liegt ein großer Saal, an dem sich die Wohnräume ausrichteten.
Die einzelnen Zimmer in den drei Stockwerken der städt. Res. mit ihren Möbeln lassen sich durch Inventarien (1780/90) nachzeichnen. Funktionsbeschreibungen stehen neben Kriterien des Aussehens (z. B. rotes, grau und gelb tapeziertes Zimmer). Audienzzimmer sind in beiden Oberetagen vorzufinden, desgl. Antechambres und Ritterzimmer mit Spieltischen, ferner Speiseräume und jeweils ein Saal und ein Musikzimmer. Im ersten Obergeschoß befand sich eine Gallerie mit 62 Bildern und fünf Bronzefiguren, ferner ein Kabinett. Im Erdgeschoß lagen die Räume für die Bediensteten (Beschließer fürBettwäsche, Hand- und Tischtücher [mehrere Inventarien 1786, 1794, 1796 vorhanden], Hoffourier für Einrichtung [Möbel], Tapeziererei, Küche [Inventar des Kochgeschirrs aus Kupfer, Messing und Eisen 1801], Hausknechte, Wachstuben). Im Kanzleigebäude befand sich auch das Tagungszimmer für die geistl. Räte, die beiden weltl. Dikasterien und die Pagerie.
Die Silbergeräte, aufgeteilt in alt und neu (Inventarien 1770, 1794, 1799), spielten eine bedeutsame Rolle, ebenso das in zunehmenden Maße in → Berlin und → München erworbene feine Porzellan. Die Beschließerei verwahrte eigene Tücher für Kaffee- und Silbergeschirr auf. Das Silber mußte nach der Säkularisation an → Salzburg bzw. an die kurpfalzbayer. Hofkommission abgeliefert werden (Inventare 1804 bzw. undatiert). Die Schatzkammer (des Stiffts pretiosa) wurde in einer eisernen Kiste in einem (Dom-?) Turm aufbewahrt, deren Inhalt von Zeitzu Zeit neu geschätzt wurde (etwa 1723). Die von Bf. Johann Konrad von Gemmingen angeschaffte Monstranz wurde allein mit 150 000 fl bewertet. Die bfl. Hofkapelle hatte ebenfalls Pretiosen an Gold, Silber, Edelgesteinen, mehreren Ornaten und liturg. Büchern (u. a. ein griech. Alphabet) vorzuweisen (zuletzt Inventar 1803).
Quellen
Diözesanarchiv E. b 23, c 3, c 15, c 29. - Gesta Episcoporum Eichstetensium, in: MGH SS XXV, 1880, S. 590-609. - Das »Pontifikale Gundekarianum«. Kommentarbd., hg. von Andreas Bauch und Ernst Reiter, Wiesbaden 1987. - MB XLIX und L, 1910 und 1932. - Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, bearb. von Franz Heidingsfelder, Innsbruck u. a. 1915-38 [für den Zeitraum 741-1324].
Literatur
Bauch, Andreas: Die fürstbischöfliche Residenz vom Schwedenbrand bis zur Säkularisation 1633-1802, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 70 (1977) S. 16-29. - Fiedler 1997. - Flachenecker, Helmut: Eine geistliche Stadt. Eichstätt vom 13. bis zum 16. Jahrhundert, Regensburg 1988 (Eichstätter Beiträge, 19). - Flachenecker, Helmut/Braun, Emanuel: Eichstätt. Geschichte und Kunst, 6. Aufl., München u. a. 1992. -Schmid, Gabriele: Der Eichstätter Hofbaumeister Jakob Engel (1632-1714), Augsburg 1987.