DONAUSTAUF C.3.
I.
Ein castellum quod dicitur Stufo, dessen Funktion allerdings unklar bleibt, wird erstmals in einer Gütertransaktion zw. dem Kl. → St. Emmeram und einem gewissen Richpero aus dem 10. Jh. gen. (wohl zw. 914 und vor 930); spätere Nennungen: castrum episcopi Tounustouphen (1132); Stouphe (Mitte 12. Jh.); Stauff, Tumstauffe, Tumbstauf oder Tuemstauff (häufig im 14. Jh.). - D, Bayern, Reg.bez., Oberpfalz, Kr. Regensburg.
II.
Auf dem exponierten Bergkegel an der Donau, der einen schmalen Verbindungssattel zu den Ausläufern des bayer. Waldes aufweist, wurden Spuren einer vorgeschichtl. Besiedlung nachgewiesen. Die hochma. bfl. Abschnittsburg erfüllte wichtige fortifikator. Funktionen. Im 12. Jh. war sie mehrmals Streitpunkt zw. den Regensburger Bf.en und bayer. Hzg.en, so 1132/33 zw. Bf. Heinrich und Hg. Heinrich dem Stolzen; erneut 1146; 1161 schließl. besetzte Hzg. Heinrich der Löwe die Burg zeitw.
Die Herrschaft D. entwickelte sich aus einer umfangr. Forstschenkung, die Kg. Konrad I. 914 an die Regensburger Kirche getätigt hatte (MGH DK I. Nr. 22); 1285 ließ sich Bf. Heinrich II. (1277-96) von Kg. → Rudolf von Habsburg die Grafschaftsrechte comitiam in Thumstaufe (Codex chronologico-diplomaticus episcopatus Ratisbonensis, 1, 1816, Nr. 634, S. 606) bestätigen, u. a. Geleitrechte auf und am linken Ufer der Donau. In einem langwierigem und kompliziertem Verpfändungsprozeß wechselten im 14. Jh. die Pfandbesitzer ständig: Regensburger Bürger, lokalerAdel, ab 1355 wird Karl IV. bis 1373 Pfandinhaber, dann folgen wiederholt bayer. Hzg.e. 1382 konnte Bf. Theodorich von Abensberg kurzfristig die Herrschaft zurücklösen, ab 1385 gelangte die Stadt → Regensburg in den Besitz von D., und konnte sie trotz prozessualer Anfechtungen bis 1486 halten. Der Übergang an die → Wittelsbacher konsolidierte die innere Entwicklung der Herrschaft (Ämterorganisation). Die Regensburger Bf.e hielten dagegen kontinuierl. an einer Wiedererwerbung fest, formal gelang diese Rückgabe aber erst 1715. 1803 in das neugeschaffene Fsm. Regensburginkorporiert, gelangte D. 1810 an Bayern.
Die Anwesenheit Regensburger Bf.e in D. im 12. und 13. Jh. ist häufiger belegt (Bf. Albert I. nutzte D. als wichtigen Stützpunkt während seines unruhigen Episkopats; für seinen Nachfolger, Albert II., sind literar. Aktivitäten in D. nachgewiesen). Auch Friedrich Barbarossa residierte 1156 während des Hoftags in → Regensburg in D. Deutl. betont wird die fortifikator. Funktion D.s unter Bf. Nikolaus, der während der Auseinandersetzungen mit der Stadt → Regensburg 1321/22 in D. Zuflucht fand, und auch in den Folgejahren auffallend häufig dort urkundete.
Schon für das 12. Jh. finden sich Belege, die Hochstiftsministeriale im administrativen Zusammenhang mit D. nachweisen: Mitte des 12. Jh.s wird ein Sefrit prepositus de Stouphe gen., 1181 ein ministerialis sancti Petri, Hartwicus nomine de Stopfe cellerarius episcopi. Spätere Nennungen von Pflegern und Richtern, etwa für das 14. Jh., halten sich im übl. Rahmen.
III.
Das im 10. Jh. erwähnte castellum bleibt in seiner baul. Gestalt unscharf; ebenso die spätere bfl. Burg des 11. und 12. Jh. Reste einer quadrat. Torkapelle aus der Zeit um 1060 sind erhalten; in ihrem N. finden sich roman. Wandmalereien, wohl aus der Mitte des 12. Jh. (u. a. Bildnisse Regensburger Bf.e). Die Burgkapelle hat man als »Höhepunkt früher bfl. Repräsentationsfreudigkeit« (Streich 1984) gedeutet. Die Wehranlage wurde ständig durch Umbauten und Erweiterungen verändert; Baumaßnahmen sind über dasMA hinaus bis in das 17. Jh. nachweisbar: 1353 etwa verschreibt Bf. Friedrich I. einem Regensburger Bürger 80 Pfund Regensburger Pfennige an dem paw, den er zu Stauff getan hatt. Auch 1385, nach dem Erwerb D.s durch die Stadt → Regensburg, werden Befestigungsarbeiten durchgeführt. Noch 1630 werden umfangr. Reparaturarbeiten vorgenommen, bevor 1634 die Burg durch die Schweden zerstört wurde; Pläne, die Anlage nach 1648 wiederaufzubauen, wurden nicht ausgeführt; heute Ruine.