Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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DOLE C.7.

I.

Dolle (um 1000), Burg und Stadt, Fgft. Burgund. - F, Dep. Jura.

II.

Die erste Erwähnung D.s findet sich um das Jahr 1000. Seit dem 12. Jh. diente die in einer Senke am Flußufer errichtete Stadt als Übergang über den Doubs und gewann in der Folge an Bedeutung als Knotenpunkt verschiedener regionaler Kommunikationslinien: einmal in O-W-Richtung auf der Verbindung zw. Dijon und Salins, sodann in N-S-Richtung auf der Achse zw. → Besançon und → Chalon. Über D.s Charakter als Res. der Gf.en vor dem endgültigen Anfall an die Hzg.e von Burgund (1384) läßt sich nichts wirkl. Sicheres aussagen, da die Stadtaufgrund der häufigen Dynastiewechsel nur sehr bedingt und mit Unterbrechungen als Aufenthaltsort der Landesherren und als Behördenzentrum diente. Die endgültige Vereinigung von Fgft. Burgund und Hzm. gab der Entwicklung D.s zum zum zentralen Ort der Fgft. wg. seiner Nähe zum Hzm. Burgund und zu dessen Hauptstadt Dijon neue Impulse: die Landesverwaltung und die landesherrl. Jurisdiktion begannen sich hier deutl. zu konzentrieren. Ein ausschließl. für die Fgft. zuständiges Parlament als oberste Instanz der landesherrl. Gerichtsbarkeit wurde gegr. und war zunächst ambulant. In D.versammelte es sich erstmals 1323. 1377 wurde es dort schließl. ganz ansässig und erhielt, nachdem es bislang im Schloß getagt hatte, 1422 auch ein eigenes Gebäude, da die ursprgl. Räumlichkeiten durch eine Brandkatastrophe am Ende des 14. Jh.s unbrauchbar geworden waren. War schon die Seßhaftwerdung des Parlaments am Ende des 13. Jh.s ein wichtiger Schritt zur Festigung der zentralörtl. Funktionen D.s gewesen, so ließ Hzg. Philipp der Gute als Landesherr 1422 zwei weitere Maßnahmen folgen, die nicht nur die Bedeutung der Stadt unterstrichen, sondern zugl. die Integration der Fgft. in denburgund. Staatsverband vorantrieben. Dies waren die Gründung einer Universität und die Errichtung neuer Verwaltungsbezirke - so wurde 1422 neben den bereits bestehenden Verwaltungseinheiten der Franche Comté, der baillage d'amont und der baillage d'aval, die baillage de Dole errichtet. D. beherbergte fortan zwei recettes - für die baillage de Dole und die baillage d'aval -, und trat damit als wichtigster Ort der Finanzverwaltung der Fgft. in noch engereBeziehung zu Dijon als Sitz der zentralen Rechenkammer.

Die Grundzüge der Stadtverwaltung wurden 1273 festgelegt, als die Landesherrin, Gf.in Alix von Meranien, der Stadt ihre franchises gewährte. Mit dieser Privilegierung sollte die Unterstützung der Bürger von D. gegen die Territorialpolitik des Hzg.s von Burgund gewonnen werden. Vier Schöffen stellten fortan die Regierung der Stadt, die gleichwohl weiterhin wichtige finanzielle Leistungen gegenüber dem Landesherrn zu erbringen hatte und auch in bezug auf die Gerichtsrechte nur über eine begrenzte Autonomie verfügte. Erst nach dem Ende der burgund. Epoche,unter → Maximilian von Habsburg, erhielt D. 1478 auch weitergehende jurisdiktionelle Freiheiten, was wohl darauf zurückzuführen war, daß der Ehzg. Unterstützung gegen Frankreich im Kampf um das burgund. Erbe benötigte.

III.

Ein auf einer leichten Anhöhe über der Siedlung am Flußufer gelegenes castellum wird 1092 erstmals erwähnt. Friedrich Barbarossa ließ die ursprgl. Anlage nach seiner Heirat mit Beatrix, der Erbin Gf. Rainalds III., den Ansprüchen einer zeitweiligen Anwesenheit des ksl. Hofs entspr. umbauen (1162). 1357-59 und 1369-81 wurden nochmals umfangr. Arbeiten durchgeführt, die v. a. den Wert der Burg als Verteidigungsanlage steigern sollten. Nach einer verheerenden Brandkatastrophe am Ende des Jh.s wurde sie aus nicht klar ersichtl. Gründen allemAnschein nach nicht mehr voll instandgesetzt. Hingegen wurden in der ersten Hälfte des 15. Jh.s unter Philipp dem Guten von Burgund die Stadtbefestigungen ausgebaut. Möglicherw. wurde diese Maßnahme als für die Verteidigungsbedürfnisse D.s ausreichend erachtet und deswegen auf die Wiedererrichtung der Burganlage verzichtet, zumal die Stadt Schutz auch durch das nahegelegene befestigte Rochefort erhielt.

Aus der Zeit Barbarossas stammt der donjon als Herzstück der Burg, der partiell bis 1688 bestehen blieb. 1966 wurden im Zuge städt. Umgestaltungsarbeiten ohne vorherige archäolog. Untersuchungen die freigelegten Grundmauern der Burg gesprengt. Über die Burg als Aufenthalt der Landesherren und ihres Hofes gibt es kaum zuverlässige Nachrichten. Belegt ist, daß sie am 29. Aug. 1162 Schauplatz des Treffens zw. Ks. Friedrich und Papst Viktor IV. wurde. Im donjon fanden 1323 und 1333 auch die ersten Sitzungen des Parlaments statt.

Quellen

Die Archivbestände zu D. und seinen zerntralörtl. Funktionen sind auf mehrere Archive verteilt. In erster Linie kommen in Frage die Archives Départementales du Doubs in Besançon (Série B: Trésor des Chartes, und E: Fonds communautés et familles), die Archives Départementales de la Côte-d'Or in Dijon (Série B: Chambre des Comptes bzw. comptes du baillages de Dole et d'Aval) sowie die Archives Départementales du Jura in Mans-le-Saunier (Série F: Collégiale Notre-Dame de Dole). Die Archives Communales de Dole enthalten kaum Stücke zur Geschichteder Stadt vor 1480.

Blondeau, Georges: Les origines du parlement de Franche-Comté: premiers sessions jusqu'au milieu du XIVe siècle, in: Mémoires de la Société d'Emulation du Doubs (1924) S. 90-106. - Blondeau, Georges: Le Parlement du Franche-Comté pendant la deuxième moitié du XIVe et les premières années du XVe siècle, in: Mémoires de la Société d'Emulation du Doubs (1925) S. 79-103. - Garnier,Alfred/Champeaux, Ernest: Chartes de commune et d'affranchissement en Bourgogne, Dijon 1918. - Gauthier, Jules: Les origines du parlement de Franche-Comté: étude sur l'organisation de tribunaux du souverain dans cette province du XIIe au commencement du XVe siècle. Thèse de l'École des Chartes, Paris 1870. - Gollut 1588. - Perard, Etienne: Recueil de plusieurs pièces curieuses servant à l'histoire de Bourgogne, Paris 1664. -Persan, Casimir de: Recherches historiques sur la ville de Dole, Dole 1812. - Pidoux de la Maduère, André: Le vieux Dole. Historie pittoresque, artistique et anécdotique d'une ancienne capitale, 4 Bde., Dole 1929-31. - Stouff, Léon: Les comtes de Bourgogne et leurs villes domaniales. Étude sur le régime communal, forme de l'exploitation seigneurial d'après le cartulaire inédit de la ville d'Arbois (XIIIe-XIVe siècles),Paris 1899. - Theurot, Jacky: Dole. Genèse d'une capitale provinciale des origines à la fin du XVe siècle, 2 Bde., Dole 1998.