CILLI C.7. (Celje)
I.
Celeia (lat., aus dem Kelt. abgeleiteter Name), Cilia (mittellat.), Cili, Cyli, Cylij (1341). - SLO.
II.
C. war ursprgl. eine südnor. Siedlung an der Verbindungslinie von Oberitalien/Nordadria nach Pannonien. In der röm. Kaiserzeit wird C. als Municipium gen., im 6. Jh. als Bischofssitz, ehe es 579 von Slaven und Awaren vernichtet wurde. Die ma. Siedlung entstand ohne nachweisbare Siedlungskontinuität über den Resten der antiken Stadt. Um 1130 war die Höhenburg C., das spätere Ober-C., Sitz der Mgf.en von Saunien, danach unterstanden die Festung und der am Fuße des Burghügels liegende Ort (spätestens seit 1300 Markt) am Sannknie den Gf.en von Heunburg, 1311kam C. an die Steiermark, 1322 wurde es vorerst von den Aufensteinern geerbt und 1333 durch Kauf von den Freien von Sannegg erworben, die 1341 zu Gf.en von C. erhoben wurden. Die C.er befestigten die offene, bescheidene Siedlung mit Zaun und tiefem Graben. Seit etwa 1400 gfl. Res. mit Kanzlei, wurde der Markt im April 1451 zur Stadt erhoben, mit Rathaus, Zeughaus und Münze. Im Jahr davor begannen die C.er, ihre Res. mit einer Stadtmauer zu sichern, die allerdings erst 1473 fertiggestellt wurde. 1455 wurde C. die Bürgermeister-, Richter- und Ratswahl verliehen. Unter den→ Habsburgern (nach 1456) ist die ehemalige Res. der Gf.en von C., die bis 1787 dem Archidiakonat Saunien angehörte, Hauptstadt der gleichnamigen Gft.
III.
Das ma. C. verfügte aus topograph. Gründen über einen quadrat. Grdr., an die 130 gemauerte, mit Schindeln gedeckte Häuser (1487), worin etwa 700-800 Menschen wohnten, und seit etwa 1340 über eine kleine Judengemeinde, deren Angehörige der C.er Chronik zufolge allerdings von Hermann II. um 1400 der Stadt verwiesen wurden. Mit Ober-C. sicherte eine mächtige Burg den Ort, worin sich eine weitere (Stadt)burg und mit der sog. Grafei das cill. Verwaltungszentrum befanden. 1323 werden Burg und Markt C. erstmals urkundl. gen.: Cylie die purch vnd denmarcht drunter vnd den turm der in dem marchte lict.
Um 1200 war im Südostteil der Stadt von den Rittern von Grasel der sog. Graselturm errichtet worden, vor dessen Eingang sich ein Wassergraben mit Zugbrücke und einem massiven Tor befanden. Ferner wurde er durch einen tiefen Graben mit Mauern (in Richtung Sann) und einem Schanzgraben (in Richtung Laibacher Stadttor) geschützt. 1387 wurde der Turm, der durch einen Geheimgang mit Ober-C. verbunden gewesen sein soll, an die Gf.en von C. verkauft. An den Turm schloß sich ein befestigtes Haus an, wohin nach der Grafenerhebung der C.er der Verwaltungsapparat des Hauses übersiedelte.Auf dem Hauptplatz befand sich das Rüst- und Zeughaus der C.er (ehem. Nr. 19), das von → Friedrich II der Stadt als Rathaus geschenkt wurde. 1450 wurde mit der Errichtung einer starken Stadtmauer begonnen, die nach ihrer Fertigstellung 1473 mit Bedachung und Gang versehen war und über sechs Türme und drei Tore (Wasser-, Laibacher-, Grazertor) verfügte.
Die Kirche des C.er Franziskanerkl.s, des Familienkl.s der Gf.en von C., wurde um 1240 erbaut, 1310 vergrößert und neu geweiht, nach der Grafenerhebung der C.er 1341 abermals erweitert und auch danach oftmals mit Schenkungen bedacht. In einem Glasschrein hinter dem Hochaltar wurden jahrhundertelang die Schädelknochen der 18 Angehörigen des Geschlechtes aufbewahrt, die sich heute im Regionalmusem von C. befinden. Auch die dreischiffige got. Pfarrkirche St. Daniel mit erhöhtem Mittelschiff und einer Kapelle an der Nordseite (Sieben-Schmerzen-Kapelle), eine Stiftung Hermanns II. von C., wurdevon ihren Patronen immer wieder reichl. beschenkt.
Südl. der Stadt an der Sann lag ein befestigter Fürstenhof mit ausgedehnten Wirtschaftsgebäuden, wo dem C.er Chronisten zufolge die C.er Grafenfamilie öfter und lieber wohnte als auf der Höhenburg oder in der Stadt. Die Burg Ober-C., das beeindruckende architekton. Symbol des wehrhaften Geschlechtes der Gf.en von C., zugl. der mächtigste Burgenkomplex Sloweniens, auf einem Hügel südöstl. des Marktes gelegen, wurde auf den Resten einer hölzernen Festung, einem Wohnturm mit ummauertem Hof aus dem 10.-12. Jh., in der ersten Hälfte des 13. Jh.s errichtet und, die vorhandene Fläche entlang desBurgkammes nutzend, sukzessive erweitert. Über eine Zugbrücke und einen tiefen Graben gelangte man zum Eingangstor, von dem aus zwei hohe Mauern mit Wachtürmen die Ost-, Nord- und Südseiten des Komplexes sicherten. Ein tiefer Abschnittsgraben und westl. davon ein steiler Abhang trennten die innere Burg von der Vorburg, die auf einer künstl. planierten Felsplatte, gedeckt durch einen hohen, mächtigen Zwinger und ergänzt durch zahlr. Nebengebäude, errichtet worden war. In der Mitte der Vorburg war ein mächtiger Burgfried errichtet worden (Friedrichsturm), worin auch die Burgverlieseuntergebracht waren. Über einen weiteren Graben mit Zugbrücke, starkem Tor und Fallgittern wurde der innere Burghof erreicht, worin im 14. Jh. ein vierstökkiger Palas mit Kapelle (Andreaskapelle), der Wohnbereich der Gf.en, errichtet worden war. In Stadtrichtung war die Hauptburg durch den extrem steil abfallenden Burgfelsen absolut sturmsicher, und um die Mitte des Jh.s wurde die Burganlage zusätzl. zu den bestehenden fortifikator. Einrichtungen mit Ringmauern rund um die Vorwerke befestigt.
Quellen
Celjska knjiga, 1996. - Die Freien von Saneck, 1893. - Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485-1487, übers. von Rudolf Egger, Klagenfurt 1947.
Literatur
Grafen von Cilli, 1999. - Gubo 1909. - May, Gerhard: Cilli. Stadt, Landschaft, Geschichte. Eine Einführung, Cilli 1943. - Orozen, Janko: Zgodovina Celja in okolice [Geschichte der Stadt Cilli und seiner Umgebung], 3 Bde., Cilli 1971-81. - Pertassek, Rudolf: Cilli, die alte steirische Stadt an der Sann. Siedlung, Landschaft, Geschichte, Wirtschaft und Kultur aus acht Jahrhunderten, Graz 1996. - Stopar 1991.