CHUR C.3.
I.
Stadt und Bischofsburg. Ersterwähnung der Burg 1200 und 1266. Sie ist Teil des C.er »Hofes« mit angeschlossener Bischofskirche (Kathedrale) sowie weiteren Sakralbauten. - CH, Kanton Graubünden, Kantonshauptstadt.
II.
Burg und Stadt C., letztere heute Hauptstadt des Schweizer Kantons Graubünden, waren im MA die Hauptres. der Bf.e von C. Das bfl. Schloß geht wie der übrige »Hof« von C. letztl. auf ein spätröm. Kastell zurück. Die erst im 13. Jh. bezeugte Burg ist aus dem frühma. Hof von C. hervorgegangen. Dieser hat Sakral- wie Wehrbauten umfasst. Als Bischofssitz entsprach C. damit vor der Karolingerzeit der Sakraltopographie vieler gall. oder ital. Bischofsstädte, welche - wie C. - auch unter der weltl. Herrschaft ihres Bf.s standen. Als bfl.civitas ist C. schon im 7. Jh. bezeugt. Das damalige Churrätien bildete eine ›Bistumsrepublik‹ in der Hand der »Viktoriden«, welche die Bf.e stellten. Mehrere Amtsinhaber übten auch die weltl. Gewalt in Churrätien aus.
Im HochMA war die bfl. Burg Mittelpunkt der weiträumigen Landesherrschaft des Hochstifts C. Zur ›Burg‹ gehörten nach wie vor die Wohnhäuser der Kanoniker der Kathedrale, diese selbst und die Domprobstei. C. war und blieb auch im Hoch- und Spätma. die einzige wirkl. Stadt des Hochstifts. Vermutl. haben sich die Bf.e im HochMA eine neue Res. in C. errichten lassen. Die Ersterwähnung der Burg spricht vom antiquum palatium, was die Existenz eines neuen palatium ja voraussetzt. Ein klares Bild über diese Bauten läßt sich aber nicht gewinnen.
Im 14. Jh. ist ein Burgvogt bezeugt. Offensichtl. größere Umbauten ließ im 15. Jh. Bf. Ortlieb von Brandis (1458-91) vornehmen. Unter ihm entstand u. a. ein neuer Turm und eine Kapelle. Nach der Aufhebung der Landesherrschaft des Bf.s von C. im 16. Jh. blieb C. dennoch weiterhin seine Hauptres. Mitte des 16. Jh.s wurde das Schloß durch Brand zerstört, bis 1640 Erneuerung, umfassende Neubauten unter Bf. Benedikt von Rost (1728-54). Die Umbauten des 17. und 18. Jh. gaben dem Bau seine heutige Gestalt als bfl. ›Palais‹. Die Burg ist heute noch Wohn- und Amtssitz des Bf.s von C.
Literatur
Clavadetscher, Otto P./Meyer, Werner: Das Burgenbuch von Graubünden, Zürich 1984, Chur 2000 (Handbuch der Bündner Geschichte, 1).