Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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CHIEMSEEHOF C.3. (STADT SALZBURG, CHIEMSEEGASSE NR. 8)

I.

Chiminaseo (790) lacus Chieminge (800) und Chiemincseo (891). Ausgangspunkt des Gewässernamens ist das am Ostufer liegende Pfarrdorf Chieming, dessen Name aus dem Personennamen Chiemo und dem Suffix -ingen gebildet ist. Das Grundwort dazu ist ahd. séo = See. Während die beiden Kl. auf den Chiemseeinseln als Herrenchiemsee und Frauenchiemsee bzw. Herrenwörth und Frauenwörth bezeichnet werden, blieb für das Bm., dessenKathedrale und nomineller Sitz auf der Herreninsel lag, stets die Bezeichnung Chiemsee übl. - A, Salzburg.    

II.

Die starke Position des Augustiner Chorherrenstiftes Herrenchiemsee, das seit der ersten Hälfte des 12. Jh.s bestand, aber unmittelbar an das im 7. Jh. gegründete Kl. anknüpfte und 1216 die Funktion des Domkapitels für das neu gegründete Bm. zusätzl. übernahm, machte den dauernden Aufenthalt des Bf.s von Chiemsee am nominellen Sitz des Bm.s unmöglich. Dazu kam noch, dass der Stiftspropst als Dompropst zugl. das Salzburger Archidiakonat Chiemsee verwaltete und damit die Rechte des Bf.s weiter einschränkte. Die Bf.e von Chiemsee hatten deshalb im MA keine festeRes., sondern hielten sich im 13. und 14. Jh. in ihrer Hofmark Bischofshofen, in St. Johann im Leukental (heute St. Johann in Tirol) oder auf Schloß Fischhorn (östl. von Zell am See) auf. Durch ihre Funktion als Weihbf.e, die ihnen nicht vom Papst sondern von den → Salzburger Ebf.en auferlegt wurde, mußten die Bfe. von Chiemsee immer häufiger in die Stadt → Salzburg kommen. Obwohl ihnen dafür die Pfarre Seekirchen am Wallersee als Aufenthaltsort zur Verfügung gestellt wurde, erfolgte seit dem Beginn des 14. Jh. der Ausbau des C.s in der Stadt Salzburg zur bfl. Res. Abererst in den Jahren 1558 und 1589 verpflichteten sich die Bf.e zum dauernden Aufenthalt in → Salzburg, das sie ohne Erlaubnis des Ebf.s nicht verlassen sollten.

III.

Anläßl. der Ausstattung des Bm.s Chiemsee 1216/17 wird ein Haus im Kaiviertel in der Stadt → Salzburg gen., das Ebf. Eberhards II. von seinem Ministerialen Ortolf (von Saalfelden) gekauft und dem Bm. geschenkt hatte. Das Haus lag im Kaiviertel bei der Kirche des hl. Laurentius, die zum Spital der Abtei St. Peter gehörte, und bildete damit das älteste Zentrum des späteren C.s. Durch Tauschgeschäfte mit der Abtei St. Peter, deren Spital in der Nachbarschaft lag, konnte 1305 und 1313 das Areal wesentl. erweitert werden. Ab dem Jahre 1305 erfolgte derschrittweise Ausbau des C.s, dessen Kapelle 1356 geweiht und 1412 durch einen Neubau ersetzt wurde. Am Ende des 16. Jh. wurde ein Großteil der ma. Gebäude durch einen Brand vernichtet.

Ab 1694 erfolgte der Neubau durch die Bf.e Sigismund Gf. von Wolkenstein und Sigismund Karl Gf. von Castelbarco. Der 1677 errichtete Speicherkasten an der Pfeifergasse wurde 1696 aufgestockt. Seit der Außensanierung 1967 bilden die einzelnen, um einen weiträumigen Innenhof gruppierten Gebäude, ein einheitl. Ensemble. Histor. Räume der einstigen Bischofsres. sind v. a. im ersten und zweiten Stock des Hauptgebäudes erhalten. Dazu zählen der Bischofsgang mit den gemalten Wappen der Bf.e von Chiemsee, das Kupferstichkabinett (die ehemalige Bibliothek) im sog. Turmtrakt so wie eine Reihe vonRepräsentationsräumen mit Teilen der histor. Ausstattung um 1700.

Nach dem Ende des Bm.s Chiemsee übernahm Ebf. Augustin Gruber (1824-35) den C. als Res. Sein Nachfolger, Friedrich Fs. Schwarzenberg, wohnte aber nicht mehr im C., sondern im Schloß Mirabell. Von 1836-41 diente der C. der Familie des span. Kronprinzen Don Carlos als Wohnsitz. Nach der Wiedererrichtung des Kronlandes Salzburg (1860/61) wurde der C. ab 1865 der Salzburger Landesvertretung überlassen. Für die neue Funktion wurde 1866 im ehemaligen bfl. Getreidekasten der Landtagssaal gebaut. Dort sind die großen in Öl gemalten Salzburger Landtafeln von 1620, 1703 und 1739 zu sehen. Als Sitzder Salzburger Landesregierung wurde der C. ab 1977 gründl. renoviert. Die einstigen bfl. Wohnräume im 1. Stock dienen als Repräsentations- und Amtsräume des Landeshauptmanns und der Landesregierung.

Quellen

Der Chiemseehof, bearb. von Johann Ostermann (Inventare der Salzburger Burgen und Schlösser, 8), Salzburg 1993.

Dehio, Kunstdenkmäler Österreichs: Salzburg, 1986, S. 587f. - Hübner, Lorenz: Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden, Bd. 1, Salzburg 1792, S. 273-276. - Naimer 1990, S. 15f., 80f., 87. - Tietze, Hans/Martin, Franz: Die profanen Denkmale der Stadt Salzburg, Wien 1914 (Österreichische Kunsttopographie, 13), S. 148-152. - Wallner 1967,S. 55-60. - Zaisberger, Friederike: Der Chiemseehof. Sitz des Landtages und der Landesregierung von Salzburg, Salzburg 1978 (Salzburg-Informationen, 7). - Zaisberger, Friederike: Der Salzburger Landtag - sein Sitz, in: Der Salzburger Landtag, Salzburg 1980 (Schriftenreihe des Landespressebüros. Serie Sonderpublikationen, 27), S. 33-40.